Vor zwei Jahren wollte er mit 16 schon seine Karriere beenden. Weil der Geschäftsführer des Wiener Sportclubs namens David Krapf-Günther, der sich als ziemlich einziger für einen Fachmann hält, ihm sagte: „Aus Dir wird nicht mehr als ein Ergänzungsspieler!“ Da fragte sich Santino Pistrol, ob das einen Sinn macht. Seinem Vater Markus, der zu aktiven Zeiten Innenverteidiger bei der Austria, Vienna, DSV Leoben, dem LASK und dem Sportclub war, gelang es, seinen Sohn umzustimmen. Unter tatkräftiger Mithilfe eines der erfahrensten Spielerberater im Geschäft, von Walter Künzel, der von Anfang an Karrieren von Teamspielern wie Philipp Lienhart, Max Wöber oder Florian Kainz begleitet hatte, in Linksfuß Pistrol ein ähnliches Talent wie früher in Linksfuß Wöber sah. Den Neubeginn des talentierten Innenverteidigers gab es in der Wiener Stadtliga bei Hellas Kagran. Im Winter 2025 übersiedelte er zur Vienna, begann in der zweiten Mannschaft. Sechs Monate später bekam er bei der Vienna einen Profivertrag, Ende November debütierte er in der zweiten Liga. Im Frühjahr wuchs Pistrol zum Stammspieler, war nach Saisonende im Trainingslager des österreichischen U 21-Teams dabei. Jetzt freut sich der 18jährige mit seinem Berater über den Wechsel nach Deutschland zu Hoffenheim (Bild). Den zog er einem Angebot der Wiener Austria vor, sagte sogar seinem Taufpaten ab. Das ist der ehemalige violette Sportchef Michael Wagner.
Die Vienna bekommt für Pistrol einen hohen sechsstelligen Betrag, der sich bei entsprechenden Bonuszahlen noch steigern kann. Etwa, wenn er sein Debüt in der deutschen Bundesliga feiert. Vorerst muss sich Pistrol über die zweite Mannschaft, die letzte Saison in der dritten deutschen Liga unter 20 Teams Rang 16 belegte, hinaufkämpfen. Das war sowohl Pistrol als auch Künzel bewusst, als sie sich für den Weg entschieden. Schon im Herbst war er in Hoffenheim zum Probetraining. Das machten die guten Kontakte von Künzel zu Hoffenheims österreichischem Sportchef Andreas Schicker möglich. In Hoffenheim erkannten sie rasch das große Potenzial von Pistrol: „Er passt genau zu unserem Spielstil. Die dritte Liga ist eine Bühne, auf der er sich empfehlen kann. Wenn seine Entwicklung so weitergeht, wird er es schaffen“, prophezeite Schicker. Die Bühne ist von der Kulisse her größer als in der österreichischen Bundesliga. Bei Spielen in Rostock, Aachen oder beim Zweitligaabsteiger Fortuna Düsseldorf kann man mit 20.000 Zuschauern rechnen.
Dienstag begann Pistrol in Hoffenheim mit der Vorbereitung. Er geht den Weg mit einem zweiten Österreicher, mit dem ehemaligen Austria-Stürmertalent Konstantin Aleksa. Schicker kennt Pistrols Vater noch aus seinen Spielerzeiten: „Santino hat ungefähr so ein großes Talent wie der Vater. Nur ist er viel fokussierter. Für ihn zählt nur seine Karriere!“ Ein Linksfuß ist als Innenverteidiger sehr gefragt. Zu den Stärken des 1.90 Meter großen Pistrol zählt außer seinem Zweikampfverhalten auch die Spieleröffnung mit weiten, präzisen Pässen.