Zum zweiten Mal flog Hermann Stadler, inzwischen 64 jähriger Langzeit-Nachwuchsteamchef, Dienstag zur Unter 17-Weltmeisterschaft. Diesmal nach Katar, zwölf Jahre zuvor in die Arabischen Emirate. Mit einer Mannschaft, zu der Österreichs Teamtormann Alexander Schlager gehörte, mit Valentino Lazaro und Adrian Grbic noch zwei, die es zu Teamehren schafften, und LASK-Kapitän Sascha Horvath. Gegen Kanada, Argentinien und den Iran gelang kein Sieg, mit nur einem Punkt (2:2 gegen Kanada schied Österreich nach der Vorrunde aus. Diesmal sind gegen Saudiarabien, Mali und Neuseeland die Erwartungen höher, sollte es in die k.o.-Phase gehen, wie es Sebastian Prödl, der neue Chef der Nachwuchsteams, bekräftigte: „Das wäre ein toller Indikator. Schon um der aktuellen Diskussion zu widersprechen, dass es in Österreich an herausragenden Talenten fehlt, die ich auch international bestätigen können!“ Ein Jahr unbesiegt, darunter gegen Deutschland, Spanien und Norwegen, das spricht für Qualität. Bayern-Jungstar Lennart Karl, der momentan in Deutschland nach Toren in der Champions League und Bundesliga gehypt wird, konnte gegen die Österreicher nicht reüssieren. Das sagt auch einiges. Ebenso die standesgemäße Einweihung des Kleinstadions im neuen ÖFB-Campus Aspern mit zwei Siegen über Italien vor zwei Wochen. Zuvor war die Verabschiedung durch ÖFB-Chef Josef Pröll (Bild) beim Besuch des Trainings der Nationalmannschaft noch ein emotionales Highlight. Etwa für Kapitän Jakob Pokorny, der erstmals mit seinem Vorbild David Alaba reden konnte.
Praktisch eine Woche bis zum Startspiel gegen Saudiarabien am 5. November haben Österreichs Hoffnungen Zeit, sich in Doha an die hohen Temperaturen, so um die 30 Grad, zu gewöhnen, sich zu akklimatisieren. Und auch festzustellen, wie man mit den Klimaanlagen im Hotel umgeht, ohne krank zu werden. Gewöhnungsbedürftig wird auch sein, dass alle Gruppenspiele der WM in einem Trainingszentrum stattfinden, nicht in einem Stadion. Auf den 20 Spielfeldern der berühmten Aspire Academy, die im europäischen Winter oft bevorzugtes Trainingslager für Spitzenklubs ist. In die Stadien, in denen 2022 bei der WM gespielt wurde, kommen erst Mannschaften, die das Semifinale erreichen. Auch das ist ein Anreiz.
Der Erfolgsrun begann vor einem Jahr, als man sich nach dem enttäuschenden Start in die Qualifikation (1:1 gegen Luxemburg) entschloss, nicht mehr nur auf Pressing zu setzen, sondern etwas tiefer zu verteidigen. In der Eliterunde klappte es damit. Auch bei der Endrunde? Stadler glaubt daran, weil die Mannschaft stabiler ist als die 2013, mehr Männerfußball spielt. Das hängt auch damit zusammen, dass einige bereits Spielpraxis in der zweiten Liga haben. Wie Pokorny, ein Klagenfurter, bei der Salzburg-Filiale Liefering, Ifeny Ndukwe bei den Young Violets oder Mittelfeldspieler Luca Weinhandl bei der zweiten Mannschaft von Sturm Graz. Pokorny und Ndukwe sind erste Wahl im Abwehrzentrum. Sie werden besonders gegen den stärksten Gegner, Mali, vor einer besonderen Herausforderung stehen. Wegen eines Riesen als Mittelstürmer, den Stadler als „richtigen Henker“ bezeichnet. Sein bezeichnender Name ist Bomba. Ab der nächsten Saison spielt er bei Leverkusen.
Foto: ÖFB/Sauer.