Fußball

Am Beispiel van Dijk: Foda zog Parallelen zu Klopp

So brauchen wir gar nicht bei der Europameisterschaft antreten! Das schrieb „Bild“ Mittwoch Abend über Deutschlands Team nach der 1:2-Blamage gegen Nordmazedonien, Österreich. Eine Feststellung, die auch für Österreichs Team und die erschreckende Leistung beim 0:4 gegen Dänemark Gültigkeit hatte. Als RTL-Analytiker rüffelte Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der Jogi Löw nicht negativ gegenübersteht, den Teamchef aber doch, weil er ohne Grund ein System, das sich in den zwei Spielen davor bewährt habe, änderte. Aber was am Tag danach folgte, war fürLöw noch viel heftiger:  „Es ist vorbei, Jogi“, stellte „Bild“ fest, rieb ihm noch unter die Nase, dass Deutschland unter ihm 2018 erstmals bei einer  WM nach der Vorrunde ausschied, letztes Jahr mit dem 0:6 in Spanien die höchste Niederlage seit 1931 kassierte und sich jetzt daheim gegen die Nummer 65 der  Weltrangliste blamierte. Daher dürfe er bei der Europameisterschaft im Juni nicht mehr der deutsche Teamchef sein, sollten entweder Ralf Rangnick oder  U 21-Teamchef Stefan Kuntz sofort  übernehmen. Dazu folgt die Aufforderung an die Leser, darüber abzustimmen.

Im Vergleich dazu hat es Franco Foda in Österreich schon viel ruhiger und angenehmer. Da wurde nur kurz auf der Pressekonferenz getuschelt, wer ein Nachfolgekandiat sein könnte, aber nicht mehr. Dass ÖFB-Präsident Leo Windtner am Tag danach erklärte, er halte nichts von einer Trainerdiskussion, obwohl das  Spiel Zweifel hervorrufen könne, bedeutete eigentlich eine überflüssige Wortmeldung. Foda bemerkte rund eine Stunde nach dem Schlusspfiff, in Österreich gebe es nur Schwarz oder Weiß, im Moment sei die Stimmung daher im Keller. Aber in Erinnerung an die letzte Europameisterschaft bemerkte er, damals sei vorher alles positiv und optimistisch gewesen, ehe die große Enttäuschung bei der Endrunde folge. Vielleicht werde es diesmal ganz anders. Die Hoffnung sei ihm unbenommen, nur fehlt dazu der konkrete Ansatz, dass man daran glauben könnte. Die Erinnerung an die erfolgreiche Vergangenheit, sprich EM-Qualifikation und Aufstieg in der  Nations Lague, reicht nicht.

Nach der höchsten Heimniederlage in einem Qualifikationsspiel, die es je gab, bei der  Österreich kein einziger Schuss gelang, der auf der dänische Tor ging, stellt sich die Frage: Wie findet das  Team bis zur Europameisterschaft wieder in die Spur?  Foda behauptete, er wolle weder einen Spieler öffentlich an den Pranger stellen, noch nach Ausreden suchen. Aber er stellte doch fest, dass ihm einiges nicht gefallen haben., aus dem man jetzt die richtigen Schlüsse ziehen müsse. Es steht außer Diskussion, dass die zuletzt praktizierte Spielanlage so gar nicht zu der sogenannten Red Bull-Schule mit hohem Pressing etc. passt, durch die Stefan Lainer, Martin Hinteregger, Andreas Ulmer, Xaver Schlager und Marcel Sabitzer gingen. Um einen Kompromiss zu finden, bleibt nicht mehr viel Zeit. In der auch andere Probleme gelöst werden müssen, wie die Tormannfrage, die Position von David Alaba. Auch ein neuer Assistent statt Imre Szabics muss erst bestimmt werden.

Am Ende fiel Foda der Vergleich mit dem FC Liverpool ein. Der dann doch etwas nach Ausrede klang. Der Ausfall eines Spielers, gemeint war Abwehrchef Virgil van Dijk, habe unter anderem dazu geführt, dass Liverpool heuer in der Premier League kein Heimspiel gewann, keine Chancen mehr auf die Titelverteidigung hat, um den Champions League-Platz bangen muss. Österreich habe mehrere Ausfälle verkraften müssen: „Von Spielern, die Persönlichkeiten sind!“ Sollte ungefähr heißen: Es gibt eben Situationen, die selbst für einen Trainer mit den Erfolgen eines Jürgen Klopp auf Dauer nicht zu bewältigen sind. Also solle man ihm deshalb daraus nicht einen Strick drehen, wenn Hinteregger, Kapitän Julian Baumgartlinger, Konrad Laimer, Marko Arnautovic und der gesperrte Florian Grillitsch fehlten. Ganz so kann man das nicht sehen. Die Hoffnung auf personelle Verstärkung ist etwas trügerisch. Hinteregger wird dem Team sicher guttun, Grillitsch in der Form der letzten zwei Spiele auch. Aber keiner weiß, ob Baumgartlinger und Laimer, der seit August nicht mehr spielte, das Comeback bis zur Europameisterschaft schaffen. Und wie es mit Arnautovic in China weiter geht. Wie viele Spiele er bei Shanghai bis zum Beginn der EM-Vorbereitungen Ende Mai im Avita-Resort von Bad Tatzmannsdorf bestreiten wird.

Am 1. Juni muss Foda den EM-Kader nominieren, möglicherweise erlaubt die UEFA wegen der Pandemie mehr als 23 Mann. Einen Tag später folgt der erste von zwei EM-Tests in England. Es ist zu befürchten, dass die Stimmung auch vor dem folgenden Duell gegen die Slowakei im Keller sein wird.

 

 

Foto: FotobyHofer/Agentur Diener/Philipp Schalber.

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