Fußball

Anschobers Attentat auf die Liga nur ein „Zufall“ im Sinne des LASK?

Seit Donnerstag Abend gibt es sie wieder. Die verstärkten Zweifel, ob die Bundesliga 2019/20 noch zu Ende gespielt wird. Verbreitete Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler zuvor via ZiB 2 oder Sport am Sonntag im ORF Zuversicht, dass dies ohne Zuschauer auf den Tribünen möglich sein wird, so folgte aus dem Gesundheitsministerium von Rudolf Anschober der Gegenschlag. Den man auch als „Attentat“ auf die Liga bezeichnen kann, das mehr als tausend Arbeitsplätze in Zusammenhang mit dem Wirtschaftszweig Fußball vernichten würde. Bei der Besprechung mit der Liga, sprich Vorstand Christian Ebenbauer (Bild oben), waren weder Kogler noch Anschober persönlich anwesend. Halten die von den Gesundheitsbehörden geforderten Bestimmungen, wonach bei einem positiven Corona-Test die ganze Mannschaft in Quarantäne muss, dann bedeutet dies de facto den Abbruch der  Liga.

Nur ein weiterer Egotrip des Gesundheitsministers wie schon zuvor in der Hotellerie oder mit dem Oster-Erlass der auch für Querelen innerhalb der Regierung sorgte und deshalb zurückgenommen werden musste oder steckt da etwas anderes dahinter? Es ist schon nicht nachvollziehbar, warum erst am 15.Mai mit dem Mannschaftstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit begonnen werden darf, warum das offenbar mit dem Aufsperren der Gastronomine verbunden wird. Aber es wäre zu verkraften, wenn dadurch die Saison nicht am 30.Juni  beendet werden kann. Die Quarantäne-Bestimmungen hingegen nicht. Kein Wunder, dass Ebenbauer von einer gewissen Enttäuschung sprach, andererseits aber nicht aufgeben will, auch nicht darf. Aber das Risiko für die Klubs ist nach Anschobers Keulenschlag schon gewaltig.

Derzeit stellt sich das Szenario so dar: Die Kosten für die Tests müssen die Klubs tragen. Die sind nicht gering. Dagegen kann man nichts sagen. Wenn die Geisterspiele beginnen, fällt die Kurzarbeit weg, steigen die Lohnkosten.  Dazu müssen auch Siegesprämien bezahlt werden. Und wenn dann irgendwann ein Spieler positiv getestet wird, dann ist die Saison praktisch vorbei, weil nach Anschobers Verordnung die ganze Mannschaft samt Betreuer in Quarantäne muss. Vielleicht auch die bisherigen Gegner und die Schiedsrichter der Partien. Und die Vereine bleiben auf den Kosten sitzen. Da darf man sich nicht wundern, wenn verantwortungsbewusste Finanzchefs der Vereine nach einem Durchrechnen gegen das Weiterspielen sein werden, sogar aus wirtschaftlichen Erwägungen auf die TV-Gelder von Sky verzichten würden, das vielleicht nächsten Donnerstag auf der Hauptversammlung der Bundesliga auch artikulieren werden. Steckt das hinter diesen irrwitzigen Forderungen? Sicher wird auch einer aus Anschobers großem Beraterstab mitbekommen haben, dass einige Fanklubs in einer Aussendung gegen Geisterspiele Stimmung machten, sie daher von dieser Seite keine großen Proteste zu befürchten haben.

War es ein Zufall, dass vor dem Meeting der Bundesliga mit den Ministerien vom WSG Tirol, der bisher wie die Admira an der Seite des LASK gegen die Fortsetzung der Saison Stimmung machte und forderte mit dem Start des Play-offs lieber weiter zu warten, um kein „zweites Ischgl“ zu produzieren? Die rigorosen Maßnahmen des Oberösterreichers Anschober  entsprechen jedenfalls ganz den Intentionen des LASK, nicht mehr weiter zu spielen. Gibt es da vielleicht gar Querverbindungen im Oberösterreich-Interesse? Ganz ausschließen kann man selbst das nicht. Weil LASK-Präsident Siegmund Gruber sehr gute Verbindungen in die Landespolitik hat, auch zu Landeshauptmann Thomas Stelzer. Zu dessen Team von 2017 bis Jänner 2020 auch Anschober  als Landesrat gehörte. Gruber sprach immerhin am Beginn der Corona-Diskussionen sowohl im ORF als auch bei Sky stets von Zahlen aus dem Gesundheitsministerium, die ihm vorliegen, aber keiner kennt. Also doch Querverbindungen.

Hinter dem Wunsch des LASK, die Saison zu beenden, stehen nicht die von Gruber und Vizepräsident Jürgen Werner ausgesprochenen ethischen und moralischen Bedenken.Sonder die Millionen aus der  Champions League. Bei einem Abbruch wie in Frankreich oder Holland würde der ÖFB sicher den LASK als Tabellenführer nach 22 Runden der UEFA für die Champions League melden. Der müsste ins Play-off der Qualifikation einsteigen. Selbst bei einem Scheitern wären die Abschlagzahlungen höher als die Einnahmen aus der Gruppenphase der Europa League. Da man sich nach derzeitigem Stand nicht vorstellen kann, dass es im Sommer eine Qualifikation für Champions und Europa League geben wird, wäre es höchstwahrscheinlich, dass Österreichs Vertreter einen der sechs Plätze für die Play-off-Sieger  bekommt und direkt in die Gruppenphase kommt. Weil Österreich in der  Fünfjahrswertung der UEFA auf Platz zwölf liegt und von den Nationen auf den Plätzen eins bis elf zehn (Spanien, England, Deutschland, Italien, Frankreich, Portugal, Russland, Belgien, Ukraine) wegfallen. Das würde noch mehr Geld bringen.

Also kommen Anschobers Forderungen und Aktivitäten den Ambitionen des LASK nur entgegen. Weder Gruber noch Werner werden das  kommentieren, sich zurücklehnen und beteuern, selbstverständlich an einer sportlichen Lösung interessiert zu sein. Wenn Ebenbauer einen Weg finden sollt, der Quarantäne-Falle zu entkommen, dieses Damoklesschwert zu beseitigen, würde er einen Orden verdienen.  Was in Deutschland passieren würde, wenn ein Spieler infiziert ist? Im Umlauf-Beschluss der Sportministerkonferenz wird darauf hingewiesen, dass in diesem Falle Quarantäne-Maßnahmen erforderlich sind. Wie die umgesetzt werden, wird nicht präzisiert. Der Kommentar aus der Zentrale der deutschen Fußball-Liga: Ziel ist, dass es gar nicht zu einem Infektionsfall kommt. Eine Garantie dafür kann es aber nicht geben.

 

Foto: Servus TV/Gepa.

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