Fußball

Auf Europas „Bändeli-Rückzieher“ folgte Englands Torrausch

Erster Sieg für Europa bei der umstrittenen Wüsten-WM in Katar am Montag durch England. Die „Three Lions“ fertigten den Iran 6:2 (3:0) ab. Aber das stand fast im Schatten der Debatte über die Niederlage der sieben europäische Nationen gegen die FIFA und Katars WM-Organisation in Sachen One Love-Kapitänsbinde. Harry Kane wollte sie tragen. Dazu kam es nicht. Ebenso wenig wie danach bei Holland Virgil van Dijk. Die Initiative zur One Love-Binde war vor zwei Monaten von den Holländern ausgegangen. Auch Wales-Kapitän Gareth Bale spielte am Abend gegen die USA ohne der Binde, die ein Zeichen für Menschen- und Frauenrechte sein sollte. Ebenso wird dies Dienstag bei Dänemarks Simon Kjaer sein, am Mittwoch bei Deutschlands Manuel Neuer, am Donnerstag bei Belgiens Eden Hazard und Granit Xhaka von der Schweiz. Der „Blick“ bezeichnete dies als „Bändeli-Ärger“. Die Verbände machten einen Rückzieher wegen angedrohter Sanktionen der FIFA, wegen einer Strafe, die sie nicht genau kannten.

Eine Aussprache zwischen Europas UEFA und der FIFA brachte keinen Kompromiss. Fatma Samoura, die FIFA-Generalsekretärin aus Senegal, wies stur auf einen Artikel in den WM-Regularien an, wonach der Kapitän jedes Teilnehmers mit der von der FIFA gestellte Binde spielen müsse. „Ein beispielloser Vorgang gegen den Geist des Sports, der an Zensur erinnert“, kritisierte der deutsche Präsident Bernd Neuendorf, der in der Heimat wegen des Rückziehers selbst unter Beschuss der Medien steht, „wir wollen den Konflikt nicht auf dem Rücken der Spieler austragen!“ Jedem Kapitän mit der One Love-Binde hätte die gelbe Karte vor Anpfiff gedroht. Es gab sogar Spekulationen, dass dies darüber hinaus gehen könnte. In Richtung Punkteabzug. In Wahrheit machte die FIFA-Chefetage um den selbstherrlichen Präsidenten Gianni Infantino wieder einmal das, was Katar forderte. Auf der FIFA-Binde stand „no discrimination“. Keine Diskriminierung.

Proteste gab es vor Anpfiff dennoch: Die Engländer knieten wie auch letztes Jahr vor der Europameisterschaft vor Anpfiff auf dem Rasen. Ihr Zeichen gegen Rassismus. Kein Iran-Spieler sang bei der Hymne mit. Das und die finsteren Mienen bedeuteten eine eindeutige Geste gegen das Mullah-Regime und für die vielen Kritiker an dem brutalem Vorgehen gegen Frauen und Demonstranten. Viele bezeichneten die Spieler als bisher größte WM-Helden. Etwa Ex-Rapidler Jan Age Fjörtoft im ServusTV-Studio. Das iranische Fernsehen unterbrach die Übertragung während der Hymne. So ein Ausrufezeichen wie bei der Hymne gelang den Spielern am Rasen des Khalifa International Stadium nicht. Auf der Tribüne hielten Frauenrechtler Schilder gegen das Unterdrückungs-Regime in die Höhe. In T-Shirts mit der Aufschrift „Free Iran“. Fast alle weiblichen Iran-Fans trugen die Haare offen, waren geschminkt.

Die drei englischen Tore zwischen der 35. und 46. Minute durch den einzigen Legionär, Jude Bellingham von Borussia Dortmund, der seinen ersten Treffer im Team erzielte, den 21 jährige Bukayo Saka  (Bild oben) und Raheem Sterling wirkten vor den Augen von David Beckham wie eine Machtdemonstration. In der zweiten Hälfte trafen nochmals Saka, Marcus Rashford eine Minute nach der Einwechslung mit dem ersten Aktion und mit Jack Grealish ein weiterer Joker. Verwunderlich, dass bei sechs Treffern Kane leer ausging. Verunsichert wirkten die Engländer trotz sechs sieglosen Spielen in der Nations League in keiner Phase. Könnte auch am Gegner gelegen sein.

In der zweiten Partie dieser Gruppe holte Österreich-Bezwinger Wales in seinem ersten WM-Spiel seit 64 Jahren gegen die USA einen 0:1-Pausenrückstand auf. Den Ausgleich zum 1:1 (0:1) erzielte mit Kapitän Gareth Bale jener Spieler, der im März Österreichs letzte WM-Hoffnungen mit zwei Treffern beim 1:2 in Cardiff zerstört hatte. Er verwertete einen Elfmeter, der an ihm verschuldet wurde. Bis zu seinem 41. Tor im Teamdress fiel der 33 jährige kaum auf. Amerikas Führung erzielte der Träger eines großen Namens: Der 22 jährige in New York geborene Timothy Weah, Legionär in Frankreich bei Lille. Vater George war 1995 Weltfußballer, ist Afrikas Jahrhundertspieler, ist seit 2018 Präsident in seiner Heimat Liberia.

Foto: FIFA.

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