Eishockey

Ausnahme Wolf: Die Ausländerwelle rollt schon wieder

Die nächste Ausländerwelle für Österreichs Eishockey rollt schon. Zu dem Schluss kommt man beim Studium der  Aussendungen aus der Pressestelle der Ersten Bank Eishockey League in den letzten Tagen. Sozusagen im Schatten des Erfolgs bei der Weltmeisterschaft in Kopenhagen, von der sich Österreich Montag Abend mit einem respektablen 3:4  gegen Tschechien, bei dem David Kickert erstmals bei der A-WM im Tor spielte, erstmals bei einer WM gegen Tschechien ein Drittel gewonnen wurde, nämlich das letzte durch zwei Supertore von Michael Raffl mit 2:1, verabschiedete. Zu WM-Zeiten ist das zwar nur ein Randthema, aber das passt genau in die Tendenz, gegen die der Verband resoluter ankämpfen müsste.

Den Anfang machten die Vienna Capitals. Der Wunsch von Präsident Hans Schmid nach einem Coach aus der NHL als Nachfolger für den zum Schweizer Meister Züricher SC übersiedelten Serge Aubin war Befehl und wurde erfüllt: Es kam der 59jährige Dave Cameron (Bild), zuletzt Assistant Coach bei den Calgary Flames, zuvor eineinhalb Jahre Cheftrainer bei den Ottawa Senators. Als U 20-Teamchef Kanadas gewann er 2011 bei der WM-Silber, als es im Finale durch fünf Verlusttore im letzten Dritteln ein 3:5 gegen Finnland setzte.  Bei WM-Gold 2009 zählte er zum Betreuerstab. So weit, so gut. Die Begründung, die von den Capitals mitgeliefert wurde, war geradezu rührend.  Demnach reizte Cameron beim Ja zu Wien in erster Linie die Chance, Talente zu entwickeln. Bitte, wer soll das denn ernsthaft glauben?  Immerhin verlängerte die Capitals den Vertrag mit dem österreichischen Stürmer Niki Hartl, vermelden, dass von den elf Spielern im Kader für die nächste Saison acht Österreicher sind. Das ist eine Momentaufnahme, bei der es nicht bleiben wird.

Auch der KAC bekam im Zuge der Reichel-Revolution einen neuen  ausländischen Trainer. Den Kanadier Steve Walker, dessen zuvor verlängerter Vertrag ausbezahlt werden muss, ersetzt der Finn Petri Matikainen. Er komm von den Pelicans Lahti, für die nächste Saison der österreichische Teamstürmer Manuel Ganahl spielen wird. Matikainens Highight passierte vor sieben Jahren: Co-Trainer bei Finnlands Weltmeistertitel. Danach blieb  er bei Avangard Omsk, bei Slovan Pressburg und den Grazer 99ers nicht wegen zu großer Erfolge nicht lange. In Russland wurde er schon nach sechs Spielen entlassen. Als neuen Star bekommt Matikainen den 28jährigen Flügel Nick Petersen vom deutschen Vizemeister Eisbären Berlin, im Play-off der beste Torschütze. Der Kanadier kostet sicher einen sechsstelligen Betrag, der höher als 100.000 Euro ist. Aber wie erwartet: Mit der Familie Reichel an den Schalthebeln fließt auch wieder mehr Geld aus der Stiftung der Mäzenin Heid Horten. Bei Red Bull Salzburg, wo Geld auch keine Rolle spielt, entschied man sich für den 31jährigen US-Stürmer Nick VandeVelde, der zu besseren Zeiten 284 NHL-Spiele für Edmonton und Philadelphia absolvierte, letzte Saison in Finnland spielte.

Villach ist die Ausnahme. Mit  Rekordteamspieler Gerhard Unterluggauer ein Österreicher, der sowohl Trainer als auch Sportchef ist, die Erfahrung von 244 Länderspielen und einigen WM-Teilnahmen mitbringt. Und mit Markus Peintner einen österreichischen Assistenten hat. Die Villach-Ikone  Unterluggauer kam aus Deutschland vom Zweitligisten Heilbronn, holte mit dem 21jährigen Verteidiger Bernd Wolf immerhin einen Teamkandidaten, der auch wegen einer Erkrankung nicht ins WM-Aufgebot kam. Wolf, zuletzt in der Schweiz beim SC Bern und in der zweiten Liga bei Visp, ist die Ausnahme. Aber auch in der Draustadt kommt man an der Ausländerwelle nicht vorbei: Mit Jerome Pollastrone und MacGregor Sharp kamen zwei Stürmer, die  mit den Vienna Capitals 2017 Meister wurden, in Wien aber nicht mehr gefragt sind. Sharp war heuer bereits an den Schweizer Zweitigisten Olten verliehen. Auch Linz sicherte sich einen jungen österreichischen Verteidiger: Den 20jährigen Wiener Moritz Matzka, der in den letzten Jahren in nordamerikanischen Nachwuchsligen aktiv war.

Österreichische Teamspieler in den ersten zwei Linien bei den acht Klubs werden trotz des WM-Erfolgs in Kopenhagen auch in der nächsten Saison die Ausnahme der Regel seien. Teamchef Roger Bader meinte schon nach dem entscheidenden 4:0 gegen Weißussland in der Mixed Zone der  Royal Arena auf die Frage, was er sich für eine bessere Zukunft des Teams wünscht, vielsagend: „Wir müssten mehr Spieler in die besseren europäischen Ligen bringen, damit sie sich an ein höheres Tempo und mehr Intensität gewöhnen.“ Heuer gelang das bisher nur Ganahl, Lukas Haudum kommt aus Schweden hingegen nach Linz zurück. In der EBEL werden weiterhin die nordamerikanischen Routiniers das ihnen genehme Tempo vorgeben. Zu den drei besten Österreichern bei der WM wählte der internationale Verband Tormann Bernhard Starkbaum, Verteidiger Martin Schumnig sowie als Stürmer WM-Neuling Peter Schneider. Überraschend, dass die Wahl nicht auf Raffl fiel. Vielleicht auch, weil er nur fünf der sieben Spiele bestritt.

 

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