Am 17. Juni, praktisch in einer Woche, beginnt die Saisonvorbereitung bei Red Bull Salzburg. Aber mit welchem Trainer? Sportvorstand Marcus Mann (Bild) hat dringenden Behandlungsbedarf. Seine erste Trainerentscheidung stellte sich als nicht richtig heraus. Kann passieren. Den am 18. Februar statt Thomas Letsch geholten Daniel Beichler beurlaubte Mann schon nach 14 Spielen, weil Salzburg mit ihm die Saison nur als Dritter beendete, im Cupsemifinale daheim an Altach scheiterte, zuletzt die erste Niederlage in der Bundesliga gegen die Steirer kassierte. Damit ist die weitere Trainerkarriere des 37 jährigen Beichler „beschädigt“. Mann wird in Frage gestellt werden, falls die nächste Trainerbestellung nicht passt. Wobei sich manche fragen, ob das nur er bestimmt, oder Red Bull-Boss Oliver Mintzlaff gemeinsam mit Jürgen Klopp, dem Head of Global Soccer beim Salzburg-Sponsor. Eine österreichische Lösung wird es nach Beichler nicht mehr geben, die deutschen, die im Gespräch waren, wirken auch nicht überzeugend. Lukas Kwasniok wurde im Finish der Saison beim 1. FC Köln entlassen, Mitch Kwiat war zwar mit Arminia Bielefeld als Drittligist letztes Jahr ins Pokalfinale gekommen, schaffte sowohl Aufstieg als auch Klassenerhalt, aber er war noch nie Cheftrainer in der obersten Spielklasse. Viel Zeit bleibt nicht mehr, einen Namen zu präsentieren, der überzeugend wirkt.
Salzburg verlor mit dem Bosnier Kerim Alajbegovic seinen einzigen Unterschiedsspieler in der Offensive, dazu die Innenverteidiger Jannik Schuster an Brentford und Joanne Gadou an Borussia Dortmund. Für das Duo kassierte Salzburg knapp 40 Millionen – das ist der größte Erfolg der letzten Zeit. Neue Namen? Die U 17-Vizeweltmeister Johannes Moser und Jakob Pokorny können sich in der Vorbereitung empfehlen, für die rechte Seite ist offenbar der 24 jährige Kärntner Nikolas Veratschnig eingeplant. Der wechselte vor zwei Jahren für 800.000 Euro Ablöse von Wolfsberg nach Mainz, konnten sich aber in zwei Saisons nicht durchsetzen. Achtmal in der Startelf, 28 mal eingewechselt, er war nur Ergänzungsspieler. Ob er Salzburg stärker machen kann? Die Innenverteidiger im Kader sind derzeit der im Winter geholte Deutsche Tim Drexler, der bisher nicht wirklich überzeugte, der Japaner Anrie Chase, der Schwede Olof Mellberg, der praktisch die ganze letzte Saison verletzt ausfiel, und Pokorny. Das wird nicht reichen, um nicht die vierte Saison hintereinander keinen Titel zu gewinnen.
Auch bei Ried ist die Trainerfrage ungelöst. Wer auf Maximilian Senft, der künftig lieber den deutschen Zweitligisten Karlsruhe trainiert, folgt, steht noch nicht fest. Fix ist, dass er einen schwächeren Kader als sein Vorgänger haben wird: Mit Niki Havenaar, der zu Belgiens Vizemeister Union St. Gilloise wechselte, fehlt der beste Abwehrspieler, mit Kingsley Mutandwa der Torjäger. Cagliazi zog die Rückkaufklausel, zahlte dafür eine siebenstellige Summe. Einen Stürmer zu finden, der 16 Tore erzielt wie die schwarze Perle aus Sambia, wird schwierig. Bei Ried beginnt die Vorbereitung eine Woche später als in Salzburg.
Foto: RB Salzburg/Fabian Weirather.