Unruhige Zeiten bei Noch-Meister Sturm Graz! Noch-Meister deshalb, weil mit dem aktuellen Kader, der eindeutig schwächer ist als in der letzten Saison, die Titelverteidigung ein mittleres Wunder wäre. Sei Dezember tat sich einiges: Sportchef Michael Parensen ersetzte Trainer Jürgen Säumel durch Fabio Ingolitsch, mit Todd Chukwuani und Tomi Horvat wurden zwei Leistungsträger verkauft, Innenverteidiger Tim Oermann ein halbes Jahr früher als geplant an Leverkusen zurückgegeben. Mit dem Georgier Gizo Mamageishvili, dem Schweizer Ryan Fosso, Heimkehrer Jusuf Gazibegovic und Paul Koller kamen vier Neue, ein Stürmer soll bis Freitag noch folgen. Ob sie die Mannschaft wirklich verstärken, muss sich erst zeigen. Parensen spricht von „Umbruch“, Ingolitsch sieht die Notwendigkeit, Sturm „neu aufzustellen“. Sturm stieg in der Wintertransferzeit mit einem Plus von mehr als fünf Millionen Euro aus – aber es scheint, als würden in Graz derzeit die finanziellen Aspetee wichtiger sein als die sportlichen Unvorstellbar, dass unter Parensens Vorgänger Andreas Schick alles so abgelaufen wäre.
Zum Überdruss steht fest, dass Tormann Daniil Chudjakow wegen der beim Cupfiasko in Altach erlittenen Hüftverletzung mehrere Wochen pausieren muss. Der zweite längerfristige Ausfall des Russen, der im Sommer bei einem Radunfall im Trainingslager einen Bruch des Kahnbeins erlitt. Damals holte Sturm für sechs Monate auf Leihbasis den dänischen Tormann Oliver Christensen, wurde dem 22 jährigen Matteo Bignetti (Bild) nicht zugetraut, eine verlässliche Nummer eins zu sein. Jetzt aber doch. Bignetti kehrt Sonntag gegen Rapid-Bezwinger Ried ins Tor zurück und bleibt dort bis auf Weiteres. Von den sechs Spielen, die er in dieser Saison bestritt, verlor Sturm zwei: In der Europa League bei Celtic Glasgow 1:2, in der Bundesliga daheim gegen Wolfsberg 1:3.
Schlusslicht Blau Weiß Linz verlor gestern einen Stürmer: Muharem Huskovic, die Leihgabe von der Wiener Austria, wechselte zu Zeljeznicar Sarajevo, den Fünften der bosnischen Liga. Bei Blau Weiß spielte er im Herbst nur 154 Minuten. Beim neunfachen Unter 21-Teamspieler gab es nach einem schweren Autounfall im Oktober 2022, in dem er als Beifahrer verwickelt war, bei dem sein Auto in Flammen aufging, er einen Kreuzbandriss erlitt, leider einen Karriereknick. Zwei Tage vor dem Unfall erzielte das Talent bei Austria 2:1-Auswärtssieg im Derby gegen Rapid das Führungstor, er war auf dem Sprung zum Stammspieler. In seiner „Comeback-Saison“ 2023/24 erzielte er nur drei Tore, begann er 13 mal in der Startelf, war 14 mal Joker. Im Frühjahr 2025 wechselt er zu Hartberg und seinen Förderer aus Austria-Zeiten, Manfred Schmid. Doch der stellte ihn nur dreimal von Beginn an auf. Nach drei Toren in 17 Einsätzen war das Kapitel letzten Sommer weiter. Bei Blau Weiß lief gar nichts – daher versucht er in Bosnien einen Neuaufgang. Die Austria ließ „Mucki“ ablösefrei gehen.
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