Fußball

Dankbar und glücklich: WSG Tirol kann sein Wunder „vergolden“

Es zeichnet einen Menschen aus, im unerwarteten Erfolg nicht darauf zu vergessen, woher er kommt, Das tat Thomas Silberberger, seit siebeneinhalb Jahren Trainer von WSG Swarovski Tirol, nach drei Punkten, die wirklich nicht planbar waren, dem 4:2 beim LASK. Als ihn der „Sky“-Reporter Sonntag Abend in Pasching beim Interview darauf ansprach, dass Tirol jetzt Gespächsthema Nummer eins ist, kam prompt als Antwort: „Das waren wir das letzte Mal am 4. Juli. Aber heute kann ich anders reden“. Am 4. Juli waren die Tiroler nach ihrer ersten Bundesligasaison eigentlich abgestiegen. Doch dann kam der Konkurs in Mattersburg, der eine zweite Chance und das Tiroler Wunder ermöglichte: „Wir sind nach all den Schwierigkeiten der letzten Saison dankbar und glücklich über unsere Situation“, gestand Silberberger (Bild oben) am Tag nach seinem 164. Spiel auf der Betreuerbank des WSG Tirol. Beim ersten spielte die Mannschaft aus Wattens noch in der Regionalliga West.

Sportchef Stefan Köck und Silberberger zogen die richtigen Schlüsse aus dem am grünen Tisch verhinderten Abstieg, verjüngten die Mannschaft entscheidend. Jetzt spielt die Mannschaft ähnlich erfrischend wie es die Interviews mit Silberberger immer waren und noch sind. Er blieb auch in den schwersten Zeiten nach seinem Motorradunfall im Frühjahr, als er Krücken brauchte, immer authentisch und positiv. Im Herbst sorgte erstmals der 3:0-Auswärtssieg über Rapid in Hütteldorf für Aufsehen. Den führten viele auch auf eine nicht geglückte grün-weiße „Rotation“ während zwei englischen Wochen zurück. Aber Sonntag bot der  LASK die beste Mannschaft auf, die aktuell zur Verfügung stand. Die kam durch einfache Tiroler Mittel, wie es LASK-Trainer Dominik Thalhammer ausdrückte, in große Probleme.

Die Schwierigkeiten für Tirol blieben auch in den letzten Wochen nicht aus.  Der  Rückzug von Sponsor Swarovski,  die problematischen Trainingsverhältnisse  in Wattens mitten im sehr kalten Tiroler Schneewinter. Zwischen dem Turniersieg auf der Mittelmeerinsel Malta und dem 4:2 gegen den LASK waren die Tiroler nur einmal auf Rasen, nämlich beim Testspiel in Liefering. Dazwischen Kunstrasen oder nicht einmal das. Denn der Platzwart ließ beim Traktor, der zur Schneeräumung  benötigt wurde, die Kupplung durchbrennen. Bis das Ersatzteil ankam, war aus dem Kunstrasen fast ein Eislaufplatz geworden.

Dann kam Freitag die Nachricht des Todes von Ehrenpräsident Gernot Langes, die für Betroffenheit sorgte. Dennoch gelang das Tiroler Wunder. In der Woche auf Malta formulierten die Tiroler intern eine neue Zielsetzung und schworen sich darauf ein, die nicht nach außen zu kommunizieren. Wer nach zwölf Runden Fünfter ist, kann nicht die Devise ausgeben, Zehnter zu werden. Die kann nur heißen, unter den ersten sechs zu bleiben. Da waren die drei Punkt beim LASK ein unerwarteter Schritt dazu. In einem Match, in dem die dänische Juventus-Leihgabe Nikolai Fredriksen erstmals auf zwei Tore und einen Assist kam. In dem der 23 jährige Wiener Raphael Behounek erneut ein sehr auffälliger und souveräner Abwehrchef war. Verblüffend, dass offenbar erst Silberberger die Qualitäten des 1,87 Meter großen Behounek richtig erkannte und förderte. Bei Mattersburg war er meist außen vorgeblieben, bei Wacker Innsbruck nicht mehr als ein Mitläufer. Eigentlich gab es Kopfschütteln, als er vom Tiroler Lokalrivalen geholt wurde.

„Es hat uns vor der Runde keiner zugetraut, den Vorsprung auf die hinteren Plötze zu vergrößern. es gelang uns doch, das freut mich  am meisten“, behauptete Silberberger. Je zwölf Punkte liegt WSG Tirol nach 13 Runden vor Admira und Altach – wer hätte das  bei Saisonbeginn gedacht? Nicht einmal die immer positive Präsidentin Diana Langes, nicht einmal Köck und Silberberger. Jetzt wollen sie das Wunder bis kommenden Sonntag vergolden. Mittwoch daheim im Westderby gegen Altach, das im September im Ländle 2:0 gewonnen wurde,  vier Tage später in der Wiener Generali-Arena gegen die Austria.  Wenn es gelingt, gegen Altach mit der Favoritenrolle zu leben und bei der Austria nicht zu verlieren,  dann kann es wirklich mit der Meisterrunde klappen. Auch wenn Innenverteidiger David Gugganig glaubte: „Für so einen kleinen Klub in der Bundesliga sind die Top 6 zu hoch, kann immer nur das Ziel sein, nicht abzusteigen.“

Foto: © FOTObyHOFER/Christian Hofer.

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