Fußball

Eiertanz um Kapitän: Die Brechstange heißt Marc Janko

Ganz locker und relaxed nehmen es die Nordiren bei ihrer Vorbereitung auf das erste Duell gegen Österreich im Happel-Stadion seit dem 0:2 vor 13 Jahren, als Österreich von Interimsteamchef Willi Ruttensteiner gecoacht wurde. Nordirlands Teamchef Michael O´Neill dokumentierte im Avita-Hotel Avita mit seinem Verteidiger Jamal Lewis sowie Hoteldirektor Peter Prisching die Devise, Fußball zu lieben. Sie sehen die Nations League nicht so eng. Bei O´Neills Kollegen Franco Foda ist das schon etwas anders: Er tüftelt über Plan A und Plan B, weil er weiß, dass der 24. der Weltrangliste daheim gegen den 28. unbedingt drei Punkte braucht, um sein Ziel, den Gruppensieg vor Bosnien noch zu schaffen. Tipp 3 gab als Teamchefsponsor die Devise aus: „Von den Nordiren lassen wir uns nicht panieren.“

Hoffentlich stimmt das.  Der Optimismus unter den Fans, die gerne wetten, hat unter der 0:1-Pleite in Bosnien offenbar nicht gelitten: 78 Prozent setzten auf den Heimsieg gegen die Nordiren, 48 sogar auf den Gruppensieg, der nur mit drei Siegen hintereinander zu schaffen sein wird. Aber aufpassen: Die  Nordiren. konnten in der Vergangenheit sogar einmal Österreichs Hoffnungen auf eine EM-Endrunde zerstören. In der Teamchefära von Herbert Prohaska auf die Endrunde 1996 in England. Durch ein 2:1 im Happel-Stadion sowie ein 5:3 in einer Regenschlacht im Windsor-Park von Belfast. Am Tag nach der Heimpleite hatte sich Prohaska mit der Journalistenrunde Wortgefechte geliefert, weil er die Leistung besser sah als die Medien, eer die Kritik als zu ssehr resultatsbezogen betrachten. Das soll auch noch 14 Jahre später vorkommen.

2018 sind die Nordiren aber nicht mehr so bieder wie 1994, sicher stärker. Foda tüftelte nach den Ausfällen von Julian Baumgartlinger, David Alaba, Florian Grillitsch und Michel Gregoritsch an einem Plan A oder Plan B. Zu Plan A gehört sicher Salzburg-Kapitän Andreas Ulmer (Bild unten beim 3:1 gegen Celtic Glasgow). Foda ließ in Bad Waltersdorf meist mit Viererabwehr, also nicht wie zuletzt mit drei Innenverteidigern, und den 32jährigen Ulmer als linken Verteidiger trainieren. Ulmer hätte sich sein sechstes Länderspiel mehr als verdient. In den elf Monaten der Ära von Foda spielte er zweimal öfter als zuvor in neun Jahren nach dem Debüt bei Karel Brückners letzten Match als Teamchef am 11. Februar 2009 in Graz beim 0:2 gegen Schweden in den letzten zwölf Minuten. Übrigens mit Sebastian Prödl und Marko Arnautovic. Unter Didi Constantini kam Ulmer nie zu Teamehren, unter Marcel Koller nur im November 2014 im Finish beim 1:2 gegen Brasilien in Wien. Bei Fodas Einstand, dem 2:1 gegen Uruguay spielte er ebenso 90 Minuten wie beim 4:0 in Luxemburg sowie noch 25 beim 2:0 gegen Schweden. Heute hört er zum dritten Mal die Bundeshymne am Rasen. Für ihn ist´s irgenwie eine Rückkehr zu den Wurzeln: Denn in Wien bei Austria begann für ihn nach der Stronach-Akademie die Karriere, 2008 wechselte er zu Paul Gludovatz nach Ried, ein Jahr später nach Salzburg. Dort startete er im Laufe der Zeit durch, gilt als gesetzt. Im Team steht der sechs Jahre jüngere Alaba, wenn er fit ist, vor dem 32jährigen Ulmer.

Zu Plan B von Foda gehört auch Marc Janko. Falls Guido Burgstaller wegen muskulärer Probleme nicht zur Verfügung steht,sogar von Beginn weg. Wahrscheinlicher ist aber, dass der 35jährige  sozusagen als letzte Hoffnung zu seinem 67.Länderspiel kommt. Dann würde nämlich Österreich im Nachteil sein und als letzte Variante es mit der Brechstange versuchen. Mit hohen Bällen in den Strafraum. Und da ist Janko mit seinen 1,96 Metern auch gegen die robusten Nordiren wahrscheinlich die beste Waffe, die Österreich hat. Sollte der Lugano-Legionär dabei sein 29.Tor erzielen, dann wäre es wie Hollywood im Prater. Ebenso, wenn Marko Arnautovic in seinem 75. Länderspiel zum 20.mal für Österreich trifft.

Zuvor gefiel sich der West Ham-Legionär noch mit  einer Abrechnung und Schelte für die Medien. Wegen der Kritik am Nachspiel zum 0:1 gegen Bosnien, als ein Bild vom lächelnden Arnautovic mit Edin Dzeko im Netz auftauchte. Vorwürfe deswegen empfand der selbstbewusste Arnautovic als unzulässigen Eingriff in sein Privatleben. Was darauf schließen lässt, dass er die ganze Sache noch immer nicht versteht oder verstehen will. Niemand kritisierte in Privatleben, sondern die Tatsache, dass der Kapitän des Nationalteams, der er in diesem Match ja erstmals war, eine unnötige Niederlage so rasch vergisst und sich mit Bosniens Kapitän noch ein nettes Essen genehmigt. Auch dagegen wäre nichts einzuwenden. Nur muss ganz einfach ein Teamkapitän so clever sein, zu verhindern, dass davon ein Bild erscheint. Weil dies für die Außendarstellung eines Nationalteams nicht gut ist. Darum gab´ja die Diskussionen, ob Arnautovic Kapitän bleiben soll. Denn zudem gab es vor ihm ja keinen, der beim Anspielen der Bundeshymne zu Boden blickte und nicht den Mumm hatte, nach vorne zu schauen, Zuversicht zu signalisieren. Das dürfte kein Problem sein, das zu ändern, damit es kein zweites Mal passiert.

Foda gab entgegen seinen Ankündigungen Donnerstag doch nicht den Teamkapitän bekannt. Man wird es erst kurz vor dem Anpfiff wissen. Offizieller Grund für den Eiertanz: Ein Bericht im „Kurier“, wonach Präsidiumsmitglieder, sprich Landesverbandspräsidenten, sich gegen Arnautovic als Kapitän aussprachen und auch beim Teamchef intervenierten. Das wiesen von ÖFB-Präsident Leo Windtner bis Foda alle als falsch zurück. Es ist fast anzunehmen, dass der Teamchef  aus einer Art Sturheit bei Kapitän Arnautovic bleibt. Dann sollte der wenigstens bei der Bundeshymne nicht zu Boden blicken. Das macht nämlich kein Kapitän der wirklich drauf stolz ist, die Schleife zu tragen

Foto: © FC RB Salzburg Media (GEPA).

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