Zwölf Tage nach dem WM-Finale in New Jersey eröffnet Meister LASK Freitagabend im Linzer Stadion gegen den GAK die neue Saison. Kein Topschlager, da der LASK seit dem Aufstieg der Grazer alle Heimspiele gegen sie gewann, aber für einen sicher sehr emotional: Für den neuen GAK-Routinier Peter Michorl auf Grund seiner zehnjährigen LASK-Vergangenheit. Im Jänner 2024 war er aus nicht nachvollziehbaren Gründen plötzlich nicht mehr gefragt. Der LASK hat Personalsorgen im Angriff. Durch den Kreuzbandriss des als Nachfolger von Sasa Kalajdzic verpflichteten Ramiz Harakate, durch den Fitnesszustand von Moses Usor, der nach seiner Knieoperation nur für Kurzeinsätze reicht. Der GAK wiederum muss in der Abwehr Salzburg-Leihgabe Tim Trummer und den Australier Jacob Italiano,der sich bei der WM verletzte, vorgeben.
Bei einer Umfrage unter den Bundesligatrainern legte sich nur einer auf den LASK als Titelfavorit fest: Markus Schopp, Hartberg-Heimkehrer mit einer kurzen Linzer Vergangenheit. Fünf legten sich auf Red Bull Salzburg fest: Titelverteidiger Didi Kühbauer, Fabio Ingolitsch von Sturm Graz, Salzburgs Danny Röhl, Zaric von Altach und Markus Mader von Aufsteiger Austria Lustenau. Für Stephan Helm von der Austria, Thomas Silbergerger von Wolfsberg und Ferdinand Feldhofer vom GAK zählt Salzburg zu mehreren Titelkandidaten. Dass Röhl seine eigene Mannschaft am stärksten hält, mag für Selbstvertrauen sprechen oder auch für die Absicht, sie starkzureden. Kühbauer und Ingolitsch schieben die Favoritenrolle aus Kalkül lieber zum Konkurrenten weiter. In Wahrheit spricht viel für ein offenes Titelrennen, das sich auch Liga-Vorstand Christian Ebenbauer erhofft, wenig für ein Solo von Salzburg. Mit Kerim Alajbegovic ging der einzige Unterschiedsspieler verloren, weil Leverkusen vom Rückkaufrecht um acht Millionen Gebrauch machte. Jetzt wird er zum großen Geschäft: Chelseas neuer Trainer Xabi Alonso wollte ihn holen. Derzeit sieht es danach aus, dass Juventus Turin das Rennen macht. Um mehr als 30 Millionen. Sehr, sehr viel Geld, wenn man bedenkt, dss er kein einziges Bundesligaspiel in Deutschland bestritt. Einen wie Alajbegovic hat Salzburg nicht im Kader. Mit dem Ex-Austrianer Haris Tabakovic hofft man, den neuen Schützenkönig geholt zu haben. Bezeichnend, dass mit Niklas Veratschnig ein Neuzugang vorerst Kapitän ist. Bei Sturm gab es noch Personalentscheidungen: Mit Fiorentina-Reservist Luis Balbo kam ein neuer Linksverteidiger, der venezolanischer Teamspieler ist. Stürmer Peter Kiedl, der letzte Saison an Ried verliehen war, wurde an den deutschen Drittligisten Hansa Rostock verkauft.
Einiges hat sich in der Liga verändert: Auf Wunsch der Klubs gibt es erstmals nach den 22 Runden im Grunddurchgang keine Punkteteilung mehr. Das bedeutet sicher mehr Gerechtigkeit, möglicherweise auf Kosten der Spannung. Der VAR darf wie schon bei der WM öfter eingreifen als bisher. Auch bei falschen Eckbällen und bei gelb-roten Karten, deren zweite gelbe nun ebenfalls überprüft werden kann. Ebenso wurden die bereits bei der WM eingesetzten Maßnahmen gegen Zeitspiel übernommen. Neuigkeiten gibt es auch in Sachen TV-Übertragungen: Die Liga sorgt selbst für die Produktion, sprich das Signal, weil weniger Kameras als bisher im Einsatz sein werden, führte das zu Befürchtungen punkto Qualität. Im ORF gibt es keine Samstagssendung über die Liga mehr, hingegen eine neue Sonntagsshow über 90 Minuten mit Peter Stöger als Anchorman. Ein Medientransfer von Sky zum ORF. Dass es in den ersten fünf Runden jeweils ein Spiel erst Sonntag um 19 Uhr ausgetragen wird , ist nicht günstig für das neue Format. Weil diese Partien erst in einer späteren „Zeit im Bild“ gezeigt werden können. Auch beim Rechtebesitzer Sky gibt es Veränderungen: Ein neues „Topspiel-Dreamteam“ mit Constanze Weiss und Andreas Herzog, erstmals Sonntag bei Rapid-Altach. Am Freitag,zur Premiere bei LASK-GAK, bilden Kimberly Budinsky und Marco Stankovic das Duo. Das Sky-Studio im Westen von Wien wurde aufgelassen, daher gibt es auch das Sonntag-Format „Talk & Tore“ nicht mehr. Vor dem Auftaktspiel der Liga zeigt Sky Freitag abend „Rapid-Lidebe“, eine Dokumentation über den Mythos. Während der Saison 2026/27 begleitet Sky-Filmemacher Christoph Jochum die Wiener Austria für eine Dokumentation.
Foto: Yigit Oerme.