Fußball

Die Stöger-Sensation: Was Dortmund von ihm erwartet, welche Probleme auf ihn warten

An den Rekord von Felix Magath vor sechs Jahren, der am 16. März 2011 bei Schalke gehen musste und nur zwei Tage darauf bei seinem Ex-Klub Wolfsburg wieder einstieg, kam Peter Stöger nicht heran. Aber die sieben Tage, die zwischen seiner Beurlaubung beim 1.FC Köln und der Präsentation bei Borussia Dortmund am Sonntag Mittag als Nachfolger eines anderen Peter, des Holländers Peter Bosz lagen, sind auch aufsehenerregend, sensationell geben zu vielen Spekulationen Anlass. Tatsache ist, dass Dortmunds Anfrage eine Chance für den 51jährigen Wiener bedeutete, die er sich entgehen lassen durfte. Stöger schätzt Vereine mit Tradition. Dortmund ist als achtfacher Meister, regierender Cupsieger, Champions League Sieger und Weltpokalsieger (jeweils 1997 mit dem Salzburger Wolfgang Feiersinger) einer, der Stöger auf den Leib geschneidert scheint. Das betonte er auch bei der Präsentation: „Die viereinhalb Jahre in Köln waren wunderschön, aber hier möchte ich eine Sache aufziehen, die auf einem andern Level steht.“ In einem Stadion für 80.000 Zuschauer, das bei jedem Heimspiel ausverkauft ist. Mit der größten Stehplatztribüne Europas, der berühmten gelben Wand. Die Herausforderung geht Stöger mit sehr vielen Emotionen und sehr viel Freude an, wie er versicherte. Der Blitzwechsel zeigt auch, welch hervorragenden Ruf er sich in Deutschland über viereinhalb Jahre erarbeitet hat.

Zwischen Stögers Ex-Klub Austria und Dortmund gibt es seit vielen Jahren eine Kooperation, Zu Dortmunds Sportchef Michael Zorc hatte Stöger erstmals in seiner Rekord-Meistersaison auf Austrias Trainerbank Kontakt. Als die Borussia Interesse am damaligen violetten Torgaranten Philipp Hosiner zeigte. Heuer im Frühjahr kontaktierten Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke und Zorc mitten im Kölner Erfolgslauf Stöger, als trotz Erfolgen unter Thomas Tuchel wegen zwischenmenschlicher Differenzen die Zeichen auf Trennung standen. Stöger sagte Watzke und Zorc klipp und klar,  total auf Köln eingestellt zu sein. Das akzeptierten die, beeindruckte sie auch. Jetzt erinnerten sie sich nach dem achten Bundesligaspiel ohne Sieg mit einer verschenkten 4:0-Führung im Kohlenpottderby gegen Schalke an Stöger: „Für uns war er der einzig mögliche Kandidat nach Bosz“, versicherte Watzke und behauptete, seinen neuen Trainer ernst nach der Entscheidung um den Holländer Samstag Abend angerufen zu haben. Da erreichte er Stöger in Wien bei einem Essen mit der Familie. Für Stöger  kam der Kontakt überraschend, er sagte aber sofort zu, setzte sich Sonntag früh in Schwechat ins Flugzeug. So die offizielle Version, die manche aber anzweifeln.

Etwa  auf „Sky“ sehr kritisch der ehemalige deutsche Internationale Dietmar Hamann. „Stöger hat seinen Abschied bei Köln mit betrieben, weil er  dem Verein die Pistole an die Brust setzte, wozu er bei nur drei Punkten eigentlich kein Recht hatte. Und plötzlich tauchte er in Dortmund auf. Das kommt mir schon spanisch vor.“ Stöger wird damit leben können. Auch sein Sager bei der Präsentation, dass er sich Samstag Vormittag am Heimflug von Köln nach Wien eine DVD mit Dortmunds Champions League-Spiel in Madrid angesehen habe, könnte Zweifel nähren. Die Abmachung mit Watzke läuft vorerst bis Saisonende, Stöger hätte es, wie er erklärte, auch nur für zwei Wochen gemacht. Schaft er die Vorgaben, winkt wohl ein längerfristiger Vertrag. Aber das ist kein Thema für ihn. Die Vorgaben: Für eine bessere Defensivorganisation nach dem Systemwirrwarr  in den letzten Wochen zu sorgen, die direkte Qualifikation für die Champions League zu schaffen,  was bei derzeit bei vier Punkten Rückstand auf den Dritten Schalke möglich erscheint. Und im Pokal und in der Europa League möglichst weit kommen. Da kann er heute bei der Auslosung in Nyon Red Bull Salzburg als Gegner kriegen.

Sein langjähriger Assistent Manfred Schmid, der sich nach dem Ende in Köln einer Hüftoperation unterzog, kommt in den Kohlenpott mit. Zwischen Köln und Dortmund liegen ja nur 73 Kilometer. Die Bilanz Stögers mit Köln gegen Dortmund liest sich gut: 2014/15 daheim 2:1, auswärts 0:0. Damals hieß Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Eine Saison später, als Thomas Tuchel auf Klopp folgte, in Köln wieder 2:1, auswärts 2:2. Letzte Saison, in der Köln nach 25 Jahren in den Europacup zurückkehrte, zwei Unentschieden -1:1 und 0:0. Die einzige Niederlage gab es heuer am 17.September mit 0:5 in Dortmund. In der Phase, in der die Borussia in sieben Runden 19 Punkte holte, die Tabelle anführte, Bayern in den Schatten stellte. Doch danach ging´s dramatisch bergab, bis aktuell auf Platz acht. Auch in der Champions League: Vier Niederlagen gegen Tottenham und Real Madrid, nur zwei blamable Unentschieden gegen Apoel Nikosia. Bosz holte nur 1,47 Puntke pro Spiel, was für einen Klub, der in die Champions League muss, inakzeptabel ist.

Sicher warten auf Stöger einige schwere Probleme. Die Mannschaft zeigte zuletzt dramatische Auflösungserscheinungen, Gabuns Torjäger Pierre Emerick Aubameyang verärgerte mit seinen Extratouren die Mitspieler und Bosz, einige wichtige Spieler fehlen verletzt. Wie Weltmeister Mario Götze, Marco Reus, Gonzalo Castro, der Pole Lukasz Piszczek in der Abwehr und Jungstar Max Philipp. Mit einem Dortmunder Spieler arbeitete Stöger im Frühjahr bei Köln zusammen: Innenverteidiger Neven Subotic kehrte nach fünf Monaten als Dortmunder Leihgabe wieder zur Borussia zurück. Jetzt treffen sie sich wieder.

Das Programm für Stöger bis Weihnachten: Dienstag  in Mainz, wo er mit Köln durch einen ungerechtfertigten Elfmeter 0:1 verlor,  dann Samstag daheim Hoffenheim, was durch die Person von Julian Nagelsmann, den viele schon als Dortmunder Trainer in der kommenden Saison sehen, brisant ist. Und vier Tage vor Weihnachten der Pokalschlager in München gegen Bayern. Nach Wunsch begann Stögers Ära bei den Schwarz-Gelben nicht: Das erste Training musste wegen Schneefalls abgesagt werden.

Wie sehr er noch in Köln verwurzelt ist, sah man Sonntag beim Heimspiel gegen Freiburg. Da stand bei der verteilten Mannschaftsaufstellung unter Trainer bei Köln Stögers Name. Köln verspielte erstmals in der Bundesliga eine 3:0-Führung, verlor durch zwei Elfmeter in der Nachspielzeit 3:4. In Köln gastiert Stöger mit Dortmund am 2.Februar 2018. Die Rückrunde beginnt für ihn am 14. Jänner daheim gegen Wolfsburg. Zuvor gibt´s ein einwöchiges Trainingslager in Marbella. Dort, wo er im November auch als Österreichs Teamchef „debütieren“ hätte können. Aber das stand für ihn nicht zur Diskussion.

Foto: Instagram .

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