Fußball

Retter Prosenik bedeutet eine Ohrfeige für Djuricin

Zum Jahreskehraus in Hütteldorf und dem Auftakt der Rückrunde eine Enttäuschung wie zum Saisonstart: Wieder nur ein Punkt gegen Mattersburg, wieder nur ein 2:2. Gerald Baumgartner blieb auch im vierten Auswärtsspiel gegen Rapid als Trainer ohne Niederlage.  Ein grün-weißes Schreckgespenst. Der Unterschied zwischen 22. Juli und 9. Dezember: Damals gab Rapid mit zehn Mann eine 2:0-Führung aus der Hand, erzielte der Ex-Rapidler Stefan Maierhofer den Ausgleich. Samstag holte Rapid komplett gegen die Burgenländer, bei denen der gesperrte „Major“ Maierhofer fehlte, ein 0:2 auf. Aber das ist für Rapid-Ansprüche zu wenig. Damit regierte am Ende nach veir Runden ohne Sieg bei drei Heimspielen der Ärger. Bestes Beispiel: Der Fanblock spendete der Mannschaft keinen Applaus, als sie sich  nach Schlusspfiff verabschiedete. Die Fans sorgten aber für die positivste Meldung des Tages: Die Rekordsumme von 65.000 Fans für das  Kinderhilfswerk Netz gesammelt. Das verdient Respekt bei allem, was man ansonst den Fans vorwerfen kann.

Der Mannschaft kann man wieder die mangelnde Effizienz vorwerfen.  Wirklich überzeugend war es nicht, was Rapid zeigte. Warum Rechtsverteidiger Stephan Auer bei Ballbesitz zur Mitte wechselt statt über außen Druck zu machen, ist nicht nachvollziehbar. Die Ballverluste von Veton Berisha sorgten auch auf den Tribünen für Unverständnis. Unvorstellbar, dass der wieder auf die Tribüne verbannte Steffen Hofmann der Mannschaft nicht mehr bringen würde als der Norweger. Zu viele verzettelten sich in Diskussion mit dem 29jährigen Salzburger Referee Sebastian Gishamer, obwohl dem kein entscheidender Fehler passierte. Trotzdem hätte es bis zur Pause eine 3:0-Führung geben müssen. Doch Joelinton betrieb fast Torverweigerung. Zweimal aus kürzer Distanz nicht ins Tor getroffen. Louis Schaub traf bei seinem vergebenen Sitzer „wenigstens“ das Gesicht von Mattersburgs starkem Keeper Markus Kuster.

Und wie so oft bewahrheitete sich der Spruch: Die Tore, die man nicht schießt, kriegt man. Rapid zwei zwischen Minute 58 und 61. Ohne Tormann Richard Strebinger wäre es kurz darauf sogar drei gewesen. Ein Wahnsinn, das gerade Joelinton, der die leichten Sachen vergab, mit einem Prachtschuss ins lange Eck noch den Startschuss zur Aufholjagd nach 71 Minuten gab. Die einer rettete, der weder bei Trainer Goran Djuricin noch ein Sportchef Fredy Bickel ein gutes Standing hat: Philipp Prosenik. Erst sechs Minuten vor Schluss wechselte ihn Djuricin für Berisha, der viel zu lange drin bleiben durfte,ein. Der Georgier Girogi Kvilitaia kam 19 Minuten früher für Innenverteidiger Mario Sonnleitner, fiel in den ersten zehn kaum auf. Und dann hielt Posenik nach 34 Sekunden bei seinem ersten Ballkontakt nach einer Flanke von Philipp Schobesberger den Kopf hin, rettete einen Punkt. Gab sich nachher zurecht keinen Illusionen hin,  dass für ihn sein erster Saisontreffer bei Rapid etwas ändern wird. Danach hätte Rapid sogar noch gewinnen können: Schaubs Kopfballaufsetzer ging an die Latte.  Zwölf Mal traf Rapid in dieser Saison Stange und Latte. So viel wie kein anderer Klub in der Bundesliga.

Jetzt kann man Djuricin in Sachen Prosenik ein goldenes Händchen attestieren.  Soll sein. Aber genauso ist der Ausgleich auch eine Ohrfeige für ihn. Weil sich eine Chance für den Ausgleichsschützen schon seit Wochen aufdrängt, aber Djuricin stur an den Legionären, die viel zu wenig treffen, festhielt. Sie entgegen allem Leistungsdenken forciert, ihnen den Freibrief gibt. Die Statistik sagt alles: Prosenik spielte in der Bundesliga 68 Minuten beim 4:1 in St. Pölten, als Joelinton gesperrt, Kvilitaia verletzt und Berisha noch nicht da war, 13 beim 1:0 in Mattersburg, sechs beim 0:0 in Wolfsberg und vier  am Samstag. 91 Minuten bei vier Einsätzen reichten für ein Tor. Die Bilanz beim Joelinton: 14 Einsätze über 762 Minuten, drei Tore. Der Brasilianer traf diese Saison alle 254 Minuten. Die Bilanz von Kvilitaia: 14 Einsätze, 721 Minuten, kein Tor. Die vom Sommerkauf Berisha: Acht Einsätze, 479 Minuten, kein Treffer, ein Stangenschuss am Samstag als gefährlichste Aktion. Man kann auch sagen, Prosenik erzielte in 91 Minuten ein Tor, Kvilitaia und Berisha kamen zusammen in 1200 Minuten auf keines mehr.

Djuricin machte es fast sprachlos, das 33 Torschüsse, die Saisonrekord bedeuten, und 69 Prozent Ballbesitz nicht für drei Punkte reichten: „Das ist eine gefühlte Niederlage“. Stimmt. Und der endgültige Abschied von der Devise , der im Herbst auf Seite eins  des Rapid-Magauns stand: „Zurück zu alter Stärke. Bis zum Jahresende ist es das Ziel, wieder ganz oben mitzuspielen und sich dort zu festigen.“ Samt Bild der fünf Neuerwerbungen Boli Bolingboli, Thanos Petsos, Lucas Galvao, Berisha und Dejan Ljubicic. Von den fünf halfen nur Galvao und Ljubicic Rapid weiter. Diesen Schuh muss sich  Bickel anziehen. Bei 13 Punkten Rückstand auf Sturm Graz, die auch Sonntag auf Meister Red Bull Salzburg drohen, kann man nur sagen: Ziel verfehlt. Obwohl Rapid Dritter ist. Aber viel zu weit hinter den Grazern, die den neuen Teamchef Franco Foda beim 3:2 gegen St. Pölten mit zwei Kopftoren des ehemaligen Rapid-Amateurs Christian Schoissengeyr  dem letzten Heimspiel seiner Ära , emotional verabschiedeten. Nachher rief Foda den 8778 Zuschauern zu: „Ihr seid die besten in Österreich, ich liebe euch.“

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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