Fußball

Die zweite Europa League ist nur ein Schrottplatz

Eilig hatte es Sonntag in Dublin das 18köpfige Exekutivkomitee der UEFA unter dem slowenischen Präsidenten Aleksander Ceferin nach der Auslosung der Qualifikation zur Europameisterschaft 2020 noch die Einführung eines dritten Europacupbewerbs ab 2021 abzusegnen. Für den es noch gar keinen richtigen Namen gibt. Sondern nur den Arbeitstitel Europa League zwei. Damit werden nach 22 Jahren Pause wieder drei Europacupbewerbe existieren. Ein großer Wurf? Mitnichten. Ehr ein neuer Schrottplatz des europäischen Fußballs. Den ÖFB-Präsident Leo Windtner als einen Schritt zu mehr Solidarität im Fußball begrüsste. Gibt es die wirklich? Die Großen in der Champions League bleiben natürlich unangetastet.

Man kennt bisher nur die Pläne über den Zugang zu den drei Ligen mit je 32 Klubs. Macht insgesamt 96, die dabei sind, statt bisher 80, nämlich 32 in der Champions League und 48 in der einzigen Europa League. Das soll offenbar die gesteigerte Solidarität sein. Aber wie sieht die Wahrheit aus? Nur die ersten sechs der Nationenwertung dürfen mehr als drei Klubs in den ersten  zwei Ligen stellen. Da wird Österreich nicht dazugehören. Der aktuelle Stand heißt so: Der Meister spielt in der Champions League, der Vizemeister bekommt die Chance in der Champions League Qualifikation. Der Dritte  spielt in der Qualifikation zur ersten Europa League, der Vierte und Fünfte nur in der zweiten. Falls der Dritte der Zwölferliga 2020/21 im Play-off scheitern sollte, bekommt er  wie die anderen neun Verlierer einen Platz in der zweiten Europa League.

Ob sich Österreichs Vertreter in der Arbeitsgruppe, die diese  Pläne schuf, Rapids Finanzreferent Raphael Landthaler (Bild oben), deshalb mit dem neuen Projekt so identifizierte, ein vehementer Befürworter war, weil er ein finanzielles Auffangnetz für österreichische Verlierer sah? Man hofft, dass die neue erste Europa League durch 32 statt bisher 40 Klubs mehr Stardichte bekommt und daher boomen wird.  Für die zweite Europa League können sich sogar die Siebenten der vier Topligen Europas via Play-off qualifizieren. Das wären nach derzeitigem aktuellen Stand Epanyol Barcelona,  Manchester United, AS Roma und Hertha BSC Berlin.

Zwei Milliarden Euro werden künftig pro Saison  in der Champions League ausgeschüttet. Für beide anderen Ligen stehen nur 700 Millionen zur Verfügung, 450 für die erste Europa League, 250 für die zweite. Für Klubs aus Georgien, Albanien, Bosnien, Mazedonien usw. sicher nicht zu verachten, für österreichische eine Schadensbegrenzung, nicht mehr. Wenn schon von mehr Solidarität die Rede ist: Über die ursprüngliche Absicht, dass die Champions League einen finanziellen Beitrag für die  zwei anderen Bewerbe leisten soll, hörte man in Dublin schon nichts mehr. Auch nicht von Ceferin, der dies einfordern wollte. Nicht zum ersten Mal folgen auf Ankündigungen des Präsidenten keine Taten, womit er beginnt, seinen Kredit zu verlieren.  Die Vereinigung der europäischen Ligen mit ihrem österreichischen Generalsekretär Georg Pangl wird zwar im Frühjahr wieder Zahlungen der Champions League  und auch mehr Solidaritätsgelder für die Klubs, die in keinen der drei Bewerbe kommen, ansprechen. Aber ob das noch etwa bewirken kann?

Die Elite Europas, zusammengefasst in der European Club Association mit ihrem italienischen Vorsitzenden Andrea Agnelli, war bisher nur zu einer Konzession bereit: Die Dritten nach der Gruppenphase der Champions League spielen ab 2021 nicht mehr automatisch in der k.o.-Phase er Nations League weiter, sondern müssen sich gegen die acht Gruppenzweiten der Europa League in einem Play-off dafür qualifizieren. Das es auch zwischen der ersten und zweiten Europa League geben soll. Das macht die ganze Sache für die Fans nur komplizierter.

Der Dienstag und Mittwoch bleiben auch ab 2021 als Termin für die Champions League reserviert. Die erste und zweite Europa League müssen gemeinsam am Donnerstag spielen. Für die zweite ist die Anstoßzeit um 16.30 Uhr vorgesehen, Na bravo, wer soll da zuschauen? Auch der Glaube, wonach sich TV-Stationen um die Rechte für die zweite Europa League reißen werden, ist eine Illusion bleiben. Wer legt gerne Millionen für einen Schrottplatz hin? Fredi Bobic, der Sportchef von Eintracht Frankfurt, bezeichnete die Pläne mit der zweiten Europa League als „größten Schwachsinn, den ich je gehört habe.“ Dem ist nichts hinzuzufügen

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