Fußball

Diesen Weg weiter zu gehen, ist fast eine Koller-Drohung

So lang wie zu Beginn seiner letzten Pressekonferenz im verpatzten Jahr 2016 sprach Marcel Koller zuvor nie. Mit einem Hauch von Selbstkritik, den man fünf Monate zuvor nach der Pleite der EURO noch nicht gehört hatte. Schon im März habe er den Mangel an  Selbstvertrauen an den Gesichtern einiger Spieler ablesen können, man könne  jetzt darüber diskutieren, ob das richtig gewesen sei. Nur kleine Dinge würden nicht stimmen, die drei Spiele ohne Sieg im Herbst im Kampf um das WM-Ticket wäre alles enge Partien gewesen, in denen das Spielglück fehlte. Das mag stimmen. Statt einem wären auch vier Punkte möglich gewesen, mit viel Glück gegen Wales, Serbien und Irland sogar sieben. Aber trotzdem: Die Ankündigung des Teamchefs,  menschlich und taktisch seinen Weg weiter zu gehen wie bisher , kommt fast einer gefährlichen Drohung gleich. Menschlich ist schon in Ordnung, aber taktisch?

Keiner verlangt von ihm, dem Gegner den Ballbesitz zu überlassen, nur auf dessen Fehler zu warten, sich einzuigeln, der Devise zu huldigen: Hinten dicht machen und vorne hilft irgendwann der liebe Gott. Aber man könnte vielleicht mit personellen Änderungen etwas erreichen. Wenn er mit David Alaba einen der weltbesten linken Verteidiger zur Verfügung hat und ihn nicht auf dieser Position einsetzt, ist das nicht nachvollziehbar. Weil Kollers Begründung, in den letzten vier Jahren habe Alabas Mittelfeldrolle keinen gestört, zu widerlegen ist. Einfach mit dem Hinweis, dass ihm in dieser Zeit noch Christian Fuchs zur Verfügung stand, jetzt aber nicht mehr. Und dass von Alaba in diesem Jahr aus dem Mittelfeld keine Impulse kamen. Wenn Koller da weiter stur bleibt, tut er sich und dem Team keinen guten Dienst.

Zu glauben, dass er gegen Moldawien am 24. März 2017 eine Mannschaft zur Verfügung haben wird, die vor Selbstvertrauen strotzt, ist eine Illusion. Jeder weiß, dass keines der sechs Spiele mehr verloren werden darf, um sich ins Play off zu retten. Auf mehr Effizienz zu hoffen, ist zwar legitim, aber nicht zwingend. Auch die Vorbereitungszeit wird nicht länger sein als im Herbst. dennoch darf dies nicht mehr als Begründung herhalten, nichts Neues probieren zu können. Und das muss mehr sein, als die Devise auszugeben. nicht mehr schön zu spielen, der Zweck heiligt die Mittel, wenn es am Ende drei Punkte gibt. Koller prophezeit schon, wie schwer es wird, gegen Moldawien  die nötigen drei Punkte zu holen. In der Erinnerung an das knappe 1:0 mitten im Siegeszug zur Qualifikation für die EURO. Das war damals ein Geduldspiel gegen eine Menschenmauer am eigenen Strafraum, ehe Zlatko Junuzovic für die Erlösung sorgte. In vier Monaten werden wegen Sperren Kapitän Julian Baumgartlinger und Alessandro Schöpf fehlen.

Wüßte man nicht, dass Koller ein hochseriöser, gewissenhafter, akribischer Trainer ist, könnte man auf Grund seiner eigenwilligen Handlungen rund um die Nullnummer gegen die Slowakei mutmaßen, er wolle provozieren, um gekündigt zu werden. Dagegen spricht, dass er  im Herbst in Wien eine neue Wohnung bezog. Die letzte Hoffnung ist, dass ihn seine noch ausstehende,   detaillierten Analyse der Niederlage gegen Irland dazu bringt,  seinen Weg in Sachen Taktik und Personalauswahl nicht mehr so wie bisher weiter zu gehen. Denn egal, was er ändert, es kann nur besser werden.

 

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