Fußball

Eine zwiespältige Überraschung von Sturm: „Die waren zu packen“

Roman Mählich, der zu großen Meistermannschaft von Sturm Graz unter Ivica Osim gehörte, die in der Champions League einmal Gruppensieger wurde, wusste nicht, wie er mit der bisher besten Leistung seines Ex-Klubs in der Europa League umgehen sollte. Im Prinzip waren mit Ausnahme der 1000 Lazio-Fans unter den 14.171 Zuschauern im ausverkauften Liebenau-Stadion alle zufrieden, dass sich der Außenseiter gegen Favorit Lazio Rom stark präsentierte, verdient mit  0:0 einen Punkt holte, anderseits sagte ORF-Co-Kommentator Mählich nach Schlusspfiff mehrmals bedauernd ins Mikrofon: „Die waren heute zu packen!“ Die andere Seite, die auch Alexander Prass im „Sky“-Interview ansprach: „Wir haben uns nicht wie ein Außenseiter prösentierte, sind aber mit unseren Möglichkeiten fahrlässig umgegangen!“

Sturm fand speziell in der ersten Hälfte und kurz nach er Pause Chancen vor, in Führung zu gehen, nützte sie aber nicht. Die größte, die sich nach einem schlechten Abschlag des unsicher wirkenden Lazio-Torhüters Ivan Provedel bot, ließ der Slowene Tomi Horvat aus. Anderseits musste Tormann Jörg Siebenhandl nur eine Glanztat vollbringen, um so wie zuletzt fünfmal in der Bundesliga zum zweiten Mal in der Europa League „zu null“ zu spielen. Sturm präsentierte sich gegen den Vierten der Serie A mutig, ließ ihn durch ein Pressing nie in Schwung kommen. Das war ein anderes Gesicht der „Blackies“ als in der letzten Saison gegen Monaco, Real Sociedad und PSV Eindhoven, als es nur zu zwei Unentschieden reichte. Jetzt sind es nach drei Partien schon vier Punkte, die auch Geld bringen. Zum Startgeld von 3,63 Millionen Euro bisher noch 840.000 für je einen Sieg und Unentschieden.

Fast hätte sich der Spruch bewahrheitet, dass die Strafe für nicht genützte Chancen meist durch ein Verlusttor folgt. Zum Glück gibt es in der Europa League anders als in der Conference League bereits in den Gruppenspielen einen Video Assistant Referee. Der verhinderte eine bittere Sturm-Niederlage. Der Holländer Rob Diepernik erkannte in der 80. Minute, dass Lazios Torjäger Ciro Immobile knapp im Abseits stand, als er Sturms Abwehr davonlief, dann Siebenhandl überspielte und ins Tor traf. Das zählte nicht. Dennoch ging das Zittern weiter. Weil kurz darauf der französische Schiedsrichter Benoit Bastien Verteidiger Jusuf Gazibegovic zurecht die zweite gelbe Karte zeigte, Sturm das 0:0 mit zehn Mann über die Substanz bringen musste. Da es fünf Minuten Nachspielzeit gab, fast eine Viertelstunde. Das erinnerte an das 1:0 gegen Midtjylland. Auch damals beendete Sturm das Match nach dem Ausschuss von Kapitän Stefan Hierländer mit zehn Mann, Fazit von Trainer Christian Ilzer (Bild oben), der sich einige Male über den Unparteiischen ärgerte und die gelbe Karte sah: „Wir müssen auf diesen Auftritt gegen eine Klasse-Mannschaft stolz sein!“ Sturm blieb voll im Aufstiegsrennen, da Feyenoord mit Gernot Trauner in Herning gegen Midtjylland nach einer 2:0-Pausenführung nur in 2:2 schaffte. Daher haben alle vier Mannschaften vier Punkte.

Für zwei österreichische Legionäre gab es Erfolgserlebnis: Christopher Trimmel feierte mit Union Berlin in Malmö mit 1:0 den ersten Sieg.  Ebenso Aleksandar Dragovic mit Roter Stern Belgrad (4:1 gegen Ferencvaros). Das Match in Malmö musste in der zweiten Hälfte für 30 Minuten unterbrochen werden, weil Union-Anhänger für einen Pyro-Skandal sorgten, Raketen auf andere Tribünen schossen. Philipp Lienhart feierte mit Freiburg den dritten Sieg. Beim 2:0 (0:0) gegen Nantes war Michael Gregoritsch nur 18 Minuten dabei, dann schied er mit einer Hüftverletzung aus. Kulttrainer Christian Streich fehlte wegen Corona.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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