Fußball

Einstimmig: SV Mattersburg ist leider Geschichte! WSG Tirol weiter in der Bundesliga

Es gab Mittwoch Abend auf der Generalversammlung des SV Mattersburg nur einen einzigen Antrag: Den Verein in Insolvenz zu schicken! Der wurde nach wenig mehr als einer Stunde einstimmig angenommen. Keine Chance mehr, in der Bundesliga weiter zu machen oder mit den Amateuren in der Regionalliga Ost. Verzicht auf die Bundesliga-Lizenz, Auflösung. Das traurige Ende eines Traditionsverein im Zuge der Pleite der  Commerzial-Bank von Ex-Präsident Martin Pucher. Das unglaubliche: Die Insolvenz blieb die einzige Alternative, obwohl es Vizepräsident Hans Georg Deischler und seinen Helfern fast unmögliches gelungen war, nämlich via Investoren rund acht Millionen Euro zur Rettung bereit zu stellen. Aber letzten Freitag wendete sich das Blatt. Die Millionen hätten locker für ein Bundesligabudget gereicht,  aber es blieb der große Unsicherheitsfaktor, wie viel der Masseverwalter der Kommerzialbank im Zuge des Kriminalfalls vom Fußballverein oder dessen SportGmbH fordern wird.

Insider behaupten, mindestens 30 Millionen Euro. Im Zuge eines Sanierungsverfahren wäre bei einer Quote von 20 Prozent immer noch sechs Millionen fällig gewesen.  Selbst wenn ein Investor  diese Kosten übernommen hätte, wäre es theoretisch möglich gewesen, dass die Bundesliga das ganze Szenarium nicht akzeptiert. Also blieb der Konkursantrag des seit 14. Juli zahlungsunfähigen Klubs die einzige Variante, um nicht noch größeren Schaden anzurichten, auch für die Bundesliga. Und um die  Chance, auf einen Neubeginn zu wahren: Für den Nachwuchs soll es weiter gehen. Mit der Gründung eines neuen Vereins in Mattersburg.

Trotz allem war es für den ganzen österreichischen Fußball ein schwarzer Mittwoch, nicht nur für Burgenlands Fußball, für einige Spieler. Manche wechselten  schon den Klub, bevor der Skandal aufflog: Torhüter Markus Kuster unterschrieb beim deutschen Zweitligisten Karlstuhe, sein Ersatz Tino Casali bei Altach, Stürmer Marko Kvasina in Belgien bei Ostende. Für Andreas Gruber stand schon während der letzten Saison fest, dass er Mattersburg verlassen wird. Patrick Salomon bekam einen Vertrag in Griechenland bei Atromotios Athen, dem Klub von Damir Canadi, Philipp Ehrhardt am Tag des Konkursantrags beim deutschen Drittligisten Türkgücü München und Ex-St.Pölten-Trainer Alexander Schmidt. Alle verbliebenen sind ablösefrei, am begehrtesten wird wohl der 19 jährige Abwehrspieler David Nemeth sein. Auch für den drei Jahre älteren Mittelfeldspieler Christoph Halper werden sich Interessenten finden. Ex-Rapidler Andreas Kuen könnte der nächste Neuerwerb bei Sturm Graz nach St. Pöltens Verteidiger Sandro Ingolitsch werden. Aber trotz Konkursantrag bleiben doch Fragezeichen: Was wird mit der Akademie passieren, was mit dem Pappelstadion?

Bundesligavorstand Christian Ebenbauer erfuhr schon Stunden vor der Mattersburger Generalversammlung, was dort beschlossen werden wird. Für ihn eine Erleichterung: „Jetzt besteht Klarheit, damit rücken der Sport und die Vorbereitung der kommenden Saison in den Mittelpunkt!“ Der sportliche Absteiger WSG Swarovski Tirol bleibt in der Bundesliga, die zweite Mannschaft Rapids rückt von der Regionalliga Ost in die zweite Liga auf. Tirols Präsidentin Diana Langes postete unter der Devise „wenn der Wind sich dreht“ prompt: „Dass 2020 nichts, absolut gar nichts, sicher oder gar selbstverständlich ist, haben wir alle erlebt. Und heute hat das Jahr einmal mehr Geschichte geschrieben. Die WSG  bleibt in der ersten Liga. Ich freue mich unendlich für alle unsere Fans und  Teammitglieder, die es mit sportlicher Kraft dahin geschafft haben.“ Am Ende stehen die Worte Ehrlichkeit und Fair Play.

Bei allem verständlichen Jubel: Sponsor Swarovski wird den Klub auf Grund der letzten Entwicklungen mit der angekündigten Trennung von 2000 Mitarbeitern im Stammwerk Wattens  nicht in der Form wie in er letzte Saison unterstützen können. Und daher dürfte es für Sportchef Stefan Köck eine Art „Mission Impossible“ werden, eine konkurrenzfähige Mannschaft auf die Beine zu stellen. Auch wenn sich Verträge von Routiniers wie Stefan Maierhofer, Thanos Petsos, Bruno Soares usw. durch den Nicht-Abstieg automatisch verlängert haben.

Foto: © FOTObyHOFER/Christian Hofer.

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