Fußball

Ende gut, aber nicht alles gut: So wird das nichts mit dem Gruppensieg

Das Sprichwort vom „gut ist´s gegangen, nichts ist geschehen“ muss man für Österreichs Team nach dem 1:0 gegen Nordirland etwas umwandeln. Gut ist es nicht gegangen, aber es ist doch etwas geschehen. Nämlich der erste Heimsieg in der Nations League, das erzitterte 1:0 (0:0) gegen Nordirland, das noch Chancen auf den Gruppensieg und den Aufstieg lässt. Das gilt als Ziel. Also könnte man auch ein anderes Sprichwort bemühen: Ende gut, alles gut. Aber es war nicht alles gut. Ganz im Gegenteil.  Denn das Team hat unter Franco Foda im Frühjahr besser gespielt als beim Ernstfall in der Nations League. Wenn  man gar an die überzeugende  Qualifikation für die Europameisterschaft 2016 zurückdenkt, dann fehlt einiges zu diesem Niveau. Da kann man dagegen stellen: Es waren auch nur noch sechs Spieler im Einsatz, die damals kein Match verloren. Davon Aleksandar Dragovic gerade drei Minuten, ohne einen Ball zu berühren.

Jetzt kann man dagegen halten, dass es im Frühjahr nur Freundschaftsspiele waren. Jetzt im Ernstfall  kam auch noch der Druck dazu, zu wissen, dass nach dem verpatzten Start in Bosnien nur ein Sieg hilft. Gegen einen kampfstarken,kompakten Gegner, der schwer zu bespielen ist. Der lapidare Kommentar des Teamchefs „wir haben es so erwartet“ deutet darauf hin. Aber trotzdem war nicht so eine schwache Hälfte wie die erste passieren. Kein Tempo, keine Ideen, zu viele Fehlpasses, vor allem im zentralem Mittelfeld bei Stefan Ilsanker und Peter Zulj. Daher auch keine Torchance. Bei der einzigen, die sich anbahnte, brachte Marcel Sabitzer den Ball nach guter Vorarbeit von Guido Burgstaller nicht unter Kontrolle.. Der totale Leerlauf hatte nichts mit dem „neuen“ 4-4-2 zu tun.  Die ersten sieben Minuten der zweiten Hälfte mit je zwei Chancen auf beiden Seiten für Marko Arnautovic und Marcel Sabitzer beziehungsweise Paddy McNair von Middlesbrough, der an Tormann Heinz Lindner scheiterte, und Kapitän Steven Davis, der am langen Eck vorbei schoss, versprachen eine Steigerung. Aber bald fiel wieder alles in den alten Trott zurück. Und man fragte sich schon, warum Foda nicht versuchte, durch Wechsel zu versuchen, dem Spiel neue Impulse zu geben, die Kreativität im Mittelfeld zu steigern.

Nach 71 Minuten standen Alessandro Schöpf und Marc Janko zum Eintausch bereit, hatte sich Foda offenbar entschlossen, auf die „Brechstangen“-Variante  umzustellen. Da gelang Zulj sein bis dahin erster guter Pass, der Arnautovic freie Bahn verschaffte, da Rechtsverteidiger McNair nicht gut postiert war. Arnautovic ließ sich seine zweite Chance nicht entgehen, zeigte dabei seine Klasse. Da jubelte auch der verletzte David Alaba auf der Tribüne. Schöpf kam erst einige Minute später, Janko gar nicht mehr.Aber, dass Österreich danach noch ins Schwimmen kam, unterstrich die schwache Tagesverfassung. Fast wäre der eingewechselte Will Grigg wirklich „on fire“ gewesen. Aber er traf per Kopf nach einem Eckball nur die Innenstange, von dort sprang der Ball Lindner in die Hände.  Also ein Glückssieg, auch wenn Arnautovic in der Nachspielzeit nach einem Heber von Zulj noch die Chance auf das 2:0 vergab. Aber bei all der Erleichterung bleibt nur das Fazit: So wird das nichts mit dem Gruppensieg, zu dem im November ein Heimsieg gegen Bosnien und einer in Belfast gegen Nordiren, die sich im Windsor-Park noch aggresiver als in Wien präsentieren werden, notwendig sind.

Arnautovic hielt beim Jubel über ein Goldtor die gelbe Kapitänsschleife in die Höhe. Sein grimmiger Gesichtsausdruck, den die ORF-Kameras einfingen, ließ erahnen, was er in Richtung Medientribüne so alles sagte. Eine wahre Fundgrube wäre das für Lippenleser gewesen. Was er noch immer fasch einschätzt: Es hat niemand seine sportliche Leistung in den letzten Spielen angezweifelt, nur zur Diskussion gestellt, ob der der richtige Kapitän ist. Diese Zweifel konnte er auch mit seinem 20.Tor für Österreich im 75.Länderspiel nicht beseitigen. Foda hat sie offenbar nicht, sonst hätte er Arnautovic nicht zum zweiten Mal als Kapitän bestimmt und bewiesen, sich von kritischen Stimmen nicht beeinflussen zu lassen. Arnautovic zeigte wenigstens, lernfähig zu sein: Anders als in Zenica blickte er  bei der Bundeshymne nicht zu Boden, verrenkte nur dreimal den Kopf, was man von ihm seit dem Beginn seiner Teamkarriere gewohnt ist. Dagegen gibt es nichts einzuweden, das ist halt die persönliche Arnautovic-Note: „Wir sind zum Glück ruhig geblieben, haben immer an uns und daran geglaubt, dass noch eine Chance kommen wird. Ich habe sie dann verwertet“, bemerkte er nach der Ehrenrunde schon wesentlich ruhiger.

Nur 22.300 Zuschauer kamen zur Nations League-Heimpremiere ins Happel-Stadion. Denen Foda und die Spieler für ihre Unterstützung von der ersten bis zur 93.Minuten dankten. Im ersten von zwei Finalspielen um Platz eins gegen Tabellenführer Bosnien am 15.November hofft man auf ein ausverkauftes Haus wie im Frühjahr gegen Deutschland in Klagenfurt und Brasilien in Wien.  Aber vielleicht sollten die ÖFB-Chefetage nach den vielen leeren Sitzen darüber nachdenken, ob gegen nicht so attraktive Gegner die Eintrittspreise mit über 60 Euro auf der Längsseite nicht etwas zu hoch sind. Viel billiger wird  Dienstag das U21-Qualifikationsspiel gegen Russland in St.Pölten zu sehen sein. Um 12 Euro. Die U 21 feierte Freitag gegen  Serbien in Novisad mit einem 0:0 einen Prestigeerfolg, der Serbien  fix das EM-Ticket für 2019 sicherte, an der Ausgangsposition gegen Russland nichts änderte: Ein Sieg muss her, um ins Play off aufzusteigen. In Novisad zeigte sich Trainer Werner Gregoritsch mit  Einsatz, taktischer Disziplin bei einer für ihn „unglaublichen Leistung“ sehr zufrieden, strich Tormann Alexander Schlager und Kapitän Philipp Lienhart besonders hervor. In St.Pölten müssen auch spielerische Akzente dazu kommen. Vielleicht durch Verstärkungen aus Fodas Kader. Vom Alter her könnten dies Max Wöber, Konrad Laimer und Xaver Schlager sein, die Freitag nur aufwärmen durften.

Foto: © ÖFB (GEPA-Pictures.com).

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