Fußball

Fodas Kader ist nicht ganz nachvollziehbar, provoziert Widerspruch

Philipp Mwene von Mainz und Husein Balic vom LASK sind die Überraschungen im vorläufigen 30 Mann-Kader für die Europameisterschaft, den Teamchef Franco Foda Mittwoch  im Avita-Ressort von Bad Tatzmannsdorf bekanntgab. Wenn sich das Team nächste Woche zum ersten Teil der Vorbereitung dort trifft, werden aber nur noch 26 dabei sein. Foda will nur mit Leuten trainieren, die im Juni bei der Europameisterschaft dabei sind. Begründete den vorerst größeren Kader damit, dass einige Spieler verletzt sind und man die Entwicklung abwarten müsse. Wie bei Christoph Baumgartner, Louis Schaub oder Marko Arnautovic. Der 27 jährige Mwene (Bild oben) ist nur deshalb eine Überraschung, weil anzunehmen war, dass für Foda Neulinge erst wieder im September bei der WM-Qualifikation ein Thema sein werden. Von seinen Leistungen bei Mainz war der 27 jährige durchaus eine Überlegung wert. Foda begründete Mwenes Nominierung damit, dass der Verteidiger auch für offensive Akzente gut setzt, sowohl auf der richten und linken Seite spielen kann. Balic habe sich mit Speed und Tempo empfohlen. Beim LASK allerdings nicht immer, da saß er zuletzt auch auf der Bank. Er dürfte als Ersatz für Baumgartner vorgesehen sein, wenn der nicht fit werden sollte. Von den 30 Spielern kommt mit LASK-Tormann Alexander Schlager, Salzburg-Kapitän Andreas Ulmer und Balic nur drei aus der heimischen Bundesliga. Die Wiener Klubs haben keinen Spieler im Aufgebot, das ist ein „Debakel“ für Grün-Weiß und Violett. LASK-Kapitän Gernot Trauner, noch im März in der WM-Qualifikation im Einsatz, fand keinen Platz. Foda begründete dies, dass der damals verletzte Martin Hinteregger wieder dabei ist.  Nicht alle Entscheidungen von Foda sind nachvollziehbar, einige provozieren einen Widerspruch:

Welchen Vorteil hat ein Tormann, der bei Wolfsburg nicht spielt (Pavao Pervan) gegenüber der Nummer eins bei Österreichs besten Klub Red Bull Salzburg (Cican Stankovic), die fehlt?

Was kann Werder Bremens Legionär Marco Friedl wirklich besser als Salzburgs Max Wöber? Beim Vergleich fallen einem eigentlich nur Vorteile von Wöber  ein.

Sind sieben Innenverteidiger im Kader nicht zu viel? Das sind Aleksandar Dragovic, Hinteregger, Philipp Lienhart, Stefan Posch, Friedl sowie David Alaba und Stefan Ilsanker. Wobei Alaba und Ilsanker auch auf anderen Positionen einsetzbar sind.

Warum zählen 152 Minuten in diesem Jahr als Joker bei Augsburg (Michael Gregoritsch) ohne Tor und Assist oder 328 von Adrian Grbic bei Lorient, bei denen er nur zweimal in der Startelf stand, nur einen Elfmeter verwandelte, mehr als die 19 Spieler von Rapids Ercan Kara bei Rapid von Beginn an mit neun Toren?  Es zählt bei Foda mehr, Legionär zu sein als in Österreich zu spielen. Das ist nichts Neues, das gilt auch für Alessandro Schöpf vom deutschen Absteiger Schalke, bei dem er heuer nur zehn Einsätze hatte, davon drei zu Beginn und nur einen über die volle Distanz. Aber auch da sind nicht alle gleich: Florian Kainz hat bei seinen sieben Einsätzen nach der Knieoperation beim 1. FC Köln mehr Spielminuten als Gregoritsch und  Grbic!

Auch die „Causa Arnautovic“ ist problematisch: Vier Monate Pause von November bis März, dann vier Spiele, sonst nichts. Etwas wenig. Kann er da fit genug für die Europameisterschaft sein?

Sicher kein Grund zur Kritik ist, dass Foda den Langzeitverletzten Konrad Laimer und Julian Baumgartlinger die Treue hält. Bei Laimer sieht er eine Entwicklung in die richtige Richtung, Kapitän Baumgartlinger konnte erstmals seit Jänner Dienstag das volle Mannschaftstraining bei Leverkusen mitmachen. Hatte danach keine Beschwerden, soll Samstag im letzten Spiel gegen Borussia Dortmund zum Kader gehören. Die Wettquoten, dass Österreich mit diesrm Kader ins Achtelfinale aufsteigen wird, sind niedriger als die für ein Ausscheiden nach den Spielen gegen Nordmazedonien, Holland und Ukraine.

Foda schaffte mit seinem vorläufigen Kader  aber nicht so viel Aufregung wie sein ehemaliger Trainer beim VfB Stuttgart, Jogi Löw, mit dem für seinen letzten großen Auftritt als deutscher Teamchef: Er holte die 2019 aussortierten Thomas Müller und Mats Hummels zurück, gestand damit eigentlich, dass sein geplanter Umbau gescheitert ist. Er vertraut nach einem Jahr Pause wieder Monaco-Stürmer Kevin Volland, mit Freiburg-Verteidiger Christian Günter einem Neuling und dem 18 jährigen Bayern-Youngster Jamal Musiala.

Foto: FC Mainz 05.

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