Fußball

Gegen Englands Trainerfriedhof wäre die Sturm-Revanche für 1984 eine Sensation

So wie Rapid in der Conference League wären derzeit auch Meister Sturm Graz und Vizemeister Red Bull Salzburg in der Europa Lague nicht für die Play-offs qualifiziert: Sturm, derzeit am 27. Platz, hat dank des Heimsiegs gegen Glasgow Rangers bessere Chancen, unter die ersten 24 zu kommen als die bisher sieg-und punktlosen Salzburger, die Drittletzter sind. Sturm hat Donnerstag mit Nottingham Forest den Vorletzten der Premier League zu Gast, der in den letzten drei Monaten drei Trainer „verbrauchte“, gegen dessen griechischen Besitzer Evangelos Marinakis, Dienstag in Athen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung in Athen ein Prozess eröffnet wurde, bei dem 50 Zeugen gehört werden. Marinakis (Bild), ein milliardenschwerer Reeder und Medienmogul, besitzt auch Griechenlands Meister Olympiakos und den portugiesischen Klub Rio Ave, Olympiakos ist seit Jahrzehnten in Familienbesitz. 1981 engagierte der Vater von Evangelos Marinakis Österreichs Ex-Teamchef Helmut Senekowitsch als Trainer, beendete die Zusammenarbeit aber nach einem halben Jahr.

Mit Sturm gegen Nottingham sind Erinnerungen an das UEFA-Cup-Viertelfinale 1984 verbunden. Sturm verlor das Hinspiel im City Ground 0:1, ging im alten Liebenau-Stadion durch einen Elfer, den man nicht geben muss, in Führung. Mit dem Gesamtscore von 1:1 ging es ins Nachspiel, in dem der sowjetischen Schiedsrichter ein Foul von Walter Hörmann und damit einen Elfmeter für die Engländer „erfand“, der das bittere k.o. bedeutete. Gelingt Sturm Donnerstag die späte Revanche? Es wär ein Wunder, wenn man bedenkt, dass Nottingham im Sommer 236,9 Millionen Euro in die Mannschaft investierte, die sich als Aufsteiger sensationell für die Europa Lague qualifizierte. Als Marinakis 2017 beim zweifachen Sieger im Europacup der Meister (1979, 1980) einstieg, war der Klub nicht in der Premier League. Die Rückkehr schaffte er erst 2022 nach 21 Jahren. Die bekanntesten Spieler sind der serbische Abwehrchef Nikola Milenkovic, für den an Fiorentina 12,3 Millionen Euro bezahlt wurde, in der Offensive der Schweizer Teamspieler Dan Ndoye, für den Bologna 26 Millionen kassierte. Callum Hudson-Odoi hat eine Vergangenheit bei Chelsea und Leverkusen, James McAtee bei Manchester City. Der portugiesische Trainer Nuno Espirito-Santo war mit der Einkaufspolitik nicht einverstanden, kritisierte Marinakis. Das beendete seine Ära. Nachfogler wurde der Australier Anghe Postecoglu, der letzte Saison mit Tottenham die Europa League gewann. Er durfte nur 39 Tage bleiben, dann warf ihn Skandal-Boss Marinakis raus. Seit 23. Oktober ist Sean Dyche im Amt. Nottingham ist der englische Trainerfriedhof, aber dennoch Favorit in Graz. Die bisherigen Ergebnisse: 2:2 bei Betis Sevilla, daheim 2:3 gegen Midtjylland aus Dänemark und 2:0 gegen Salzburg-Bezwinger FC Porto, einen der Favoriten in dem Bewerb. Canal+ überträgt Sturms zweites Heimspiel vor ausverkauftem Haus live.

Salzburg braucht den Sieg gegen Go Ahead Deventer, den Elften der holländischen Eredivisie, der letzte Saison das Pokalfinale gegen Alkmaar überraschend im Elfmeterschießen gewann, in der Europa League schon zweimal siegte. Jeweils 2:1 in Athen gegen Panathinaikos und daheim gegen Aston Villa. Daher liegen die Holländer, die von 4000 Fans nach Salzburg begleitet werden sollen, in der Conference League-Tabelle 22 Plätze vor Österreichs Tabellenführer, bei dem Kapitän Mads Bistrup weiter ausfällt, Teamtorhüter Alexander Schlager mit Adduktorenbeschwerden ebenso fraglich ist wie der erkrankte Kerim Alajbegovic. International gibt es von Salzburg  eine andere Erfolgsmeldung: Platz vier in der europäischen Tabelle der Transfererlöse der letzten fünf Jahre. Unter Geschäftsführer Stephan Reiter gab es ein Plus von 233,1 Millionen. Besser schnitten nur Benfica Lissabon (276,1), Ajax Amsterdam (262,7) und der französische Klub Lille (247,2) ab. Die Erfolgsmeldung provoziert aber auch eine Frage: Warum hat Salzburg bei diesem Plus derzeit keine bessere Mannschaft?

Foto: Reuters.

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