Fußball

Hans Krankl rief und alle kommen: 40 Jahre Cordoba auch in der Hofburg

Dänemark – Australien in Samara, Frankreich – Peru in Jekaterinenburg und Argentinien – Kroatien in Nischni Nowgorod, das sind die drei Partien, die am 21. Juni, einem Donnerstag, bei der Weltmeisterschaft in Russland gespielt werden. Am 40. Jahrestag einer denkwürdigen Partie in Österreichs WM-Geschichte: Am 21. Juni 1978 schickte das Team von Helmut Senekowitsch bei der WM in Argentinien Titelverteidiger Deutschland durch das legendäre 3:2 von Cordoba, den ersten Sieg über den Nachbarn seit 47 Jahren, heim. Die Erinnerung an die damalige Sensation wird in zwei Monaten wieder lebendig werden. Durch den Helden von Cordoba, Hans Krankl, der gegen den deutschen Klassekeeper Sepp Maier in der 66. Minute das später in Deutschland zum Tor des Monats gewählte 2:1 und nach einem Solo in der 88.Minute das 3:2 erzielt hatte. Ohne dieses Krankl-Tor hätte Deutschland noch das Spiel um Platz drei bestritten. So konnte das Italien trotz der gleichzeitigen 1:2-Niederlage gegen Holland in Buenos Aires. Was damals Ernst Happel, der Wiener Teamchef der Holländer, sarkastisch kommentierte: „Normal müssten die Italiener jetzt Österreich Südtirol zurückgeben.“ Dazu kam es aber nicht.

Die Idee zu dem Cordoba-Revival entstand in Fürstenfeld. Bei Ferdinand Weiss, dem Besitzer eines Reiseunternehmens, zu dem auch Fanreisen 24 mit Testimonial Krankl gehört. Weiss dachte, man dürfe 40 Jahre Cordoba und den danach folgenden Transfer von Krankl zum FC Barcelona nicht so ohne weiteres vorbei gehen lassen. Im Herbst kann man wie in vergangenen Jahren mit dem ehemalige Goleador nach Barcelona fliegen, er wird durch „sein“ Nou Camp-Stadion führen. In Sachen Cordoba steigt am 21. Juni im Wien fast ein Staatsakt, wird der offizielle Empfang der Cordoba-Helden, den es damals nicht gab, nachgeholt. Krankl nahmen den „Ideen-Flachpass“ von Weiss auf, setzte sich mit allen Spielern des Argentinien-Kaders telefonisch in Verbindung. Und alle werden am 21. Juni nach Wien kommen: „Alle haben sich gefreut, davon zu hören. Keine Spur von Animositätn, die es in vergangenen Jahren gegeben haben mag, als ich in meiner Traienrzeit auf eingie von ihnen getroffen bin.“ Nur Walter Schachners Frau Conny konnt nicht so recht daran glauben, Hans Krankls Stimme am Telefon zu hören, glaubte vorerst standhaft daran, dass Stimmenimitator Alex Kristan versuche, sich mit ihr einen Scherz zu erlauben. Ehe sie ihr Gatte vom Gegenteil überzeugte.

Es wird ein denkwürdiger Abend im Wiener Metropol werden. Mit allen Spielern, die zum Argentinien-Kader gehörten, und noch leben. Bei Bruno Pezzey, Peter Persidis und Günther Happich ist das leider nicht der Fall. Es kommen Friedl Koncilia, Kapitän Robert Sara, Erich Obermayer, Heinrich Strasser, Eduard Krieger, Willi Kreuz, Herbert Prohaska, Josef Hickersberger, Schachner, Krankl sowieso und Franz Oberacher. Das sind die zwölf, die in Cordoba gespielt hatten. Dazu Erwin Fuchsbichler, Hubert Baumgartner, Ernst Baumeister, Gerhard Breitenberger, Heribert Weber, Roland Hattenberger, Kurt Jara und Hans Pirkner, die in Argentinien dabei waren. Auch auf die Witwe des verstorbenen Teamchefs Senekowitsch hat Krankl nicht vergessen.

Im ersten Teil  des Abends, den die steirische Reporterlegende Robert Seeger, damals der TV-Kommentator des historischen Sieges, moderiert, werden dank des Entgegenkommens des ORF Bilder des Spiels zu sehen sein. Und der weltweit bekannt gewordene Torschrei der verstorbenen Hörfunklegende Edi Finger nach Krankls Siegestreffer: „Tooor, Toor, Toor, Toor, Toor, i wer narrisch, Krankl schießt das 3:2 gegen Deutschland.“ Auch Fingers Sohn wird im Metropol sein. Im zweiten Teil gibt dann der Sänger Johann K. mit seiner Band „Monty Beton“ sozusagen ein Cordoba-Gedächtniskonzert. Alle Einnahmen kommen den Wiener Obdachlosen in der „Gruft“ sowie der ORF-Aktion Licht ins Dunkel zu Gute.

Initiator Weiss lud auch Bundespräsident Alexander van der Bellen zum Cordoba-Abend ein. Der freute sich darüber und lud  als „Revanche“ die gesamte Mannschaft in die Hofburg ein. Dort wird am 21. Juni sozusagen mit 40 Jahren Verspätung der offizielle Staatsempfang für die Helden von Cordoba nachgeholt werden. Das Cordoba-Gedenken auch in der Hofburg. Wer hätte das gedacht?

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