Fußball

Herzogs Erinnerungen an Inter: „Der Schiedsrichter war weiß im G´sicht“

Mit drei regierenden Weltmeister wie beim letzten Duell gegen Rapid vor 29 Jahren in der ersten Runde des UEFA-Cups wird Inter Donnerstag nicht in Hütteldorf aufkreuzen.  Am 19. September 1990 waren dies die Deutschen Lothar Matthäus, Andi Brehme und  Jürgen Klinsmann. Dazu kamen noch Italiens Teamspieler wie Tormann Walter Zenga, Verteidiger Giuseppe Bergomi oder Nicola Berti im Mittelfeld.  Auf der Trainerbank war der berühmte Giovanni Trapattoni, für den dieses Treffen mit Grün-Weiß bei weitem nicht so schlimm war wie dies 18 Jahre später mit Red Bull Salzburg  beim vernichtenden 0:7-Heimdebakel am Ostersonntag 2008. Aber das 1:2 machte ihn etwas nervös. Das Hanappi-Stadion war mit 15.000 Zuschauern nicht einmal ausverkauft. Ein Protest der Rapid-Fans wegen der deutlich erhöhten Eintrittspreise für das Duell gegen die Weltmeister.

Alles begann programmgemäß. Matthäus brachte Inter in Führung, schied aber kurz darauf nach einer Attacke von Peter Schöttel mit einer Knieverletzung aus. Böse Zungen behaupten, dass sich Matthäus elf Jahre später in seiner unglückseligen kurzen Trainerära in Hütteldorf dafür an Schöttel „rächte“, der in dieser Zeit seine aktive Karriere beendete.  Ohne Matthäus kippte in der zweiten Hälfte das Spiel. Auch weil Hans Krankl auf Rapids Trainerbank eine gute Idee hatte nach 52 Minuten Franz Weber einwechselte. Der legte nur drei Minuten später den Ausgleich auf, für den Heimo Pfeifenberger sorgte. Und bis heute gibt es über das Siegestor zum 2:1 nach Minuten Diskussionen zwischen Weber und Christian Keglevits, wenn sie sich im grün-weißen Legendenklub treffen. Hat Keglevits den Kopfball Webers noch entscheidend abgefälscht oder ihn eigentlich gar nicht berührt? Dass sie über ein Siegestor streiten können, verdanken sie Tormann Michael Konsel. Der hielt nach 77 Minuten einen Elfer von Weltmeister Brehme, der durch einen verwandelten Penalty  zwei Monate zuvor für Deutschlands goldenes Tor im WM-Finale gegen Argentinien in Rom gesorgt hatte. Aber in Hütteldorf war eben Konsel der Weltmeister. Und Rapid damit über sich hinausgewachsen.

Vor dem Rückspiel am 3. Oktober war Inters Trainingszentrum in Appiano Gentile eigentlich Sperrzone für österreichische Journalisten und deren Interviewanfragen. Nur mit vielen Verbindungen über drei Ecken durfte man rein. Spürte dort die Angst der Verlierer von Wien, sich nochmals zu blamieren, wie eine Saison zuvor beim Ausscheiden zum Auftakt des Meisterbewerbs gegen Malmö im Meazza-Stadion. Weil sich damals die Tifosi  daneben benahmen, war es von der UEFA gesperrt geworden. Inter musste am 3. Oktober in das 170 Kilometer entfernte Verona ausweichen. Im Bentegodi-Stadion spielte Rapid bereits ab der 16. Minute dezimiert: Der englische Referee Georges Courtney zeigte den grimmigen Innenverteidiger Robert Pecl Gelb-Rot. Hans Krankl beorderte Heimo Pfeifenberger aus dem Angriff ins Abwehrzentrum zurück. In der Notbesetzung hielt Rapid bis zur 68.Minute ein 0:0, wobei der Stern des damals 22jährige Andi Herzog international aufging. Wie er die italienischen und deutschen Millionenstars bei seinen Dribblings schlecht aussehen ließ, beeindruckte die 35.000 Zuschauer: „Ich hab zum ersten Mal bemerkt, dass ich mich auf auf diesem hohen Niveau auch richtig durchsetzen kann“, sagt Herzog heute im Blick zurück. Als Berti in der 84. Minute zum zweiten Mal traf, schien alles verloren. Aber es  gab noch Franz Weber, der Rapid in der 90.Minute ins Nachspiel schoss, sogar kurz darauf Jan Age Fjörtoft die Chance zum Ausgleich und Sensationsaufstieg auflegte. Doch der Norweger verwertete nicht den Matchball: „Da war der Schiedsrichter richtig weiß im Gesicht. Der hatte schon Inter-Tendenz,“ erzählt Herzog 19 Jahre später lachend. Nach 102 Minuten schoss Klinsmann, später Herzogs Mitspieler bei Bayern und sein Freund, der ihn als US-Teamchef zu seinem Assistenten machte, Inter weiter. Zur Sicherheit schloss Courtney danach auch Pfeifenberger aus. Nach Spielschluss musste er sich einiges in der Kabine von Rapids Funktionären anhören, sofern er sie überhaupt verstand.

Für Herzog hatten seine starken Szenen ein Nachspiel. Er musste aus der Kabine nochmals auf den Rasen zum ORF-Interview. Am Weg zurück holten ihn Inter-Funktionäre in die Kabine der Aufsteiger, boten ihm an, zu Inter zu übersiedeln. Als Investition für die Zeit nach den drei deutschen Weltmeistern. Daher sollte er vorerst an einen anderen Klub der Serie A verliehen werden. Aus dem Geschäft wurde nichts, Herzog entschied sich zwei Jahre später für  Werder Bremen und Otto Rehhagel: „Aber ich war damals trotz des unglückseligen Ausscheidens der einzige der schwer enttäuschten Verlierer, dem das Match mehr Selbstvertrauen gebracht hat“. Seinen Nachfolgern in Grün-Weiß wünscht er mehr Glück als er 1990 hatte. Sein damaliger Mitspieler Keglevits forderte Sonntag via Facebook von ihnen: „Wir wollen euch gemeinsam kämpfen sehen. Wenn jeder hundert Prozent bringt, wird das reichen, um Inter Probleme zu bereiten.“

Sportchef Fredy Bickel und Trainer Didi Kühbauer nannten Montag Abend als Ziel, daheim zumindest ein Unentschieden zu schaffen. Das würden sie als großen Erfolg sehen. Denn Kühbauer ist sicher: „Ich habe großen Respekt vor der Entwicklung von Salzburg. Aber für mich gibt es keine Mannschaft in Österreich, die so stark wie Inter ist.“

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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