Vor zwei Wochen wackelte noch Rapids Qualifikation für die Meistergruppe, nach zwei 1:0-Siegen gegen Red Bull Salzburg und dem 4:2 (2:1) am Sonntag gegen den LASK vor 13.690 Zuschauern in Hütteldorf sieht alles viel besser aus: Nach der Länderspielpause kann Rapid in der nächsten Runde im Heimspiel gegen Meister Sturm Graz mit dem vierten Sieg in Serie die Tabellenführung übernehmen. Weil Rapid nur noch einen Punkt Tabellenführer Sturm und einen vor der Wiener Austria, die in Hartberg 1:0 (1:0) gewann, auf Platz zwei liegt. Sonntag erzielte Rapid erstmals in dieser Saison vier Tore.
Dabei begann das Spiel für Rapid denkbar schlecht: Ein Fehlpass von Serge-Philippe Raux Yao ermöglichte Samuel Adeniran nach 31 Sekunden die schnelle Führung der Linzer. Allerdings fiel schon zwei Minuten später mit dem ersten Eckball der Ausgleich: Bei der Flanke von Kapitän Matthias Seidl zum langen Eck sprang Innenverteidiger Jakob Schöller höher als LASK-Kapitän Andres Andrade, erzielte per Kopf ein erstes Tor in der Bundesliga. Nach 33 Minuten konterte Rapid die Linzer aus: Ein Pass von Janis Antiste, der statt Lukas Grgic in die Startelf kam, verschaffte Jannes Horn freie Bahn, den Pass des linken Außenbahnspielers verwertete mit Bendegüz Bolla der rechte. Nicht nur in dieser Aktion wirkten die Linzer nicht wirklich frisch. Die 120 Cupminuten vom Mittwoch in Ried hinterließen Spuren: Der angeschlagene Kapitän Sacha Horvath fehlte überhaupt, Sasa Kalajdzic kam erst nach 63 Minuten. In der ersten Aktion, in der er am Rasen war, fiel Rapdiss drittes Tor, wieder nach einem Eckball von Seidl von links mit rechts: LASK-Innenverteidiger Joao Tornich nahm bei der Abwehr den Arm zu Hilfe, es gab Elfmeter. Mit Seidl fühlte sich Rapids eingeteilter erster Elfmeterschütze nicht sicher, wollte nicht die Verantwortung übernehmen. Bolla nahm sich den Ball, Antiste, der nicht auf der Liste der Elfmeterschützen stand, wollte auch schießen. Seidl beendete den Streit, schob Antiste weg. Die Aktion des Franzosen gefiel auch Trainer Hoff Thorup nicht. Bolla behielt die Nerven, schickte ASK-Tormann Lukas Jungwirth ins falsche Eck. Das war der zweite Doppelpack des Ungarn für Rapid.
Entschieden war damit noch nichts. Thorup hatte den starken Schöller (Bild) wegen muskulärer Probleme nach 53 Minuten gegen Kouadio Ahoussou ausgetauscht, der beim 3:2 von Moses Usor gar nicht gut aussah. Rapid musste aber nur fünf Minuten zittern: Dann erkämpfte Romeo Amane im Mittelfeld gegen Kalajdzic den Ball, daraus entstand die Aktion, die Seidl zum 4:2 abschloss. Sein Pass wurde zum Torschuss, weil Andreas Weimann nicht zum Ball ging, aber Jungwirth irritierte. Zu dieser Zeit spielte er statt Horn auf der für ihn nicht idealen Position auf der linken Außenbahn. Ende gut, aber sicher nicht alles gut bei Rapid. Es gibt noch Luft nach oben. Im Spielaufbau klappte vieles nicht. Viele unnötige Ballverluste, das Herausspielen aus der Abwehr dauerte viel zu lang. Was auch an Tormann Niklas Hedl lag.
Vor Wochen schüttelten noch einige, nicht ganz unberechtigt, den Kopf, als Thorup meinte, Rapid müsse erst im April voll da sein. Am 5. April kann Rapid Tabellenführer sein. Der LASK ist vier Punkte hinter Sturm,aber nicht aus dem Rennen: „Rapids Ausgleich kam zu schnell“, meinte Trainer Didi Kühbauer nach der ersten Auswärtsniederlage seit seiner Rückkehr, „vor der Pause gelangen zu wenige Ballstaffetten, die man gegen Rapid braucht!“ Sieger Thorup war über die erste Hälfte sehr froh.
Foto: Yigit Oerme.