Die Wiener Austria mag zwar über die drei Millionen Euro, die der Wechsel des noch 17 jährigen Innenverteidigers Ifeany Ndukwe im Sommer zum FC Liverpool bringen soll, jubeln. Das ist zwar so viel wie die Ablöse, die Como als Aufsteiger in Italiens Serie A im Sommer 2024 für Matthias Braunöder, der zuvor ein halbes Jahr ausgeliehen war, bei dem für den Fall des Aufstiegs Kaufpflicht bestand, zahlte. Aber international nur ein Schnäppchen. Braunöder wollte damals als Kapitän von Österreichs U 21 unbedingt in eine europäische Topliga. Es kam für ihn wie befürchtet zu früh. Seit Sommer ist er von Como an Bari, den 16. unter 20 Klubs der Serie B, verliehen. Braunöder wird trotzdem mehr verdienen als es bei Austria möglich gewesen wäre. Das würde künftig auch für Ndukwe gelten. Gleichzeitig relativiert sein Transfer auch den Ruf der Bundesliga als Ausbildungsliga, weil bei U 17-Vizeweltmeister Ndukwe dies nur mehr für den Beginn der Ausbildung gilt. Der wichtigste Teil, der Übergang in den Profibereich, passiert schon bei einem Klub in einer Topliga.
Einer der ersten Transfers von Ex-Sturm Graz-Sportchef Andreas Schicker bei Hoffenheim war vor einem Jahr von Stürmer Bazouma Toure, damals 18 Jahre alt. Schicker zahlte für ihn an den schwedischen Klub Hammarby, für den der Linksaußen 23 Spiele in der Meisterschaft absolviert und neun Tore erzielt hatte, stolze zehn Millionen. Derzeit ist Toure mit der Elfenbeinküste beim Afrika-Cup, schoss als Joker das Siegestor zum 3:2 gegen Gabun, das die Ivorer zum Gruppensieger machte, erhöhte damit seinen Marktwert. Schicker rechnet damit, Toure im Sommer an einen Topklub deer Premier League zu verlieren, für ihn um die 20 Millionen Ablöse zu bekommen.
Liverpool wird im Sommer wahrscheinlich fünf Talente um den Nduwke-Preis verpflichten. Reicht es dann nicht in die Premier League, werden sie in die zweite oder dritte Liga verliehen. Dass der Ndukw-Transfer kurz nach Jahreswechsel an die Öffentlichkeit kam, könntee auch an violetten Internas liegen: Montag ist Sitzung des AG-Aufsichtsrats, in dem es um die Bestellung eines neuen Sport-Geschäftsführers, den von den Investoren vorgeschlagenen Berliner Tomas Zorn geht. Es wäre nachvollziehbar, dass Wirtschafts-Geschäfsführer Harald Zagiczek mit Ndukwe demonstrieren wollte: Austria braucht keinen Sport-Geschäftsführer, das können auch er und der von ihm eingesetzte Sportchef Michael Wagner schaffen. Aber außer Ablöse auch Bonizahlungen und Beteiligung am Weiterverkauf herauszuholen, ist heutzutage Alltag und nichts Besonderes.
Foto: FK Austria.