Fußball

Kein leichter Elfer ist für die Bundesliga eine Fehlentscheidung

Österreichs Bundesliga legt auf Transparenz großen Wert. Darum stellt sie drei Tage nach dem 2:0 von Rapid gegen Red Bull Salzburg fest, dass bei der Vorentscheidung im Titelrennen eine Fehlentscheidung dabei war. Der zweite Treffer für Grün-Weiß hätte nicht gelten dürfen, weil Referee Christian Petru Ciochirca (Bild) zuvor einen Elfmeter für Salzburg nach Foul von Nikolas Sattlberger an Karim Konate geben hätte müssen. Tat er nicht, so entstand aus dem Konter das 2:0. Durch das „Outing“ der Liga entstanden Diskussionen: Wenn das Match in Hütteldorf nicht 2:0, sondern 1:1 geendet hätte, wäre Sonntag das Meisterstück von Sturm gegen LASK auseigener Kraft nicht möglich. Dann würde der Vorsprung des Tabellenführers weiter drei und nicht vier Punkte betragen. Zudem hätte Rapid Hartberg nicht überholt, wäre nicht Vierter.

Die Frage muss erlaubt sein: Wem bringt diese Transparenz etwas? Einer der besten Schiedsrichter in der Liga, Petru Ciochirca, wurde damit gleichsam zum Sündenbock gestempelt. VAR Andreas Heiß schickte Petru Ciochirca zum On Field Review, der blieb aber bei seiner Entscheidung. Begründete dies in durchaus sachlicher und unaufgeregter Art in TV-Interviews bei Sky und im ORF. Spricht für ihn, da es öfters vorkommt, dass Schiedsruchter ablehnen, umstrittene Entscheidungen zu begründen. Petru Ciochirca argumentierte mit der vorgegebene Linie bei den Schiedsrichtern, keine leichten Elfmeter zu pfeifen. Das heißt, nicht jeder Kontakt im Strafraum muss ein Foul und ein Elfmeter sein. Er pfiff keinen leichten Elfmeter und das war für die Bundesliga ein Fehler.

Über einen Fehler könnte man schon bei der Besetzung, für die Schiedsrichterchef Viktor Kassai zuständig ist, diskutieren. Der in Graz lebende Petru Ciochirca pfiff das Spiel von Sturms Titelkonkurrent Salzburg, der Salzburger Christoph Jäger das steirische Derby zwischen Sturm und Hartberg. Verwandelte nach sechs Minuten die gelbe Karte von Sturms Kapitän Ion  Gorenc Stankovic nach Intervention von VAR Markus Hameter in eine rote. Daher fehl Stankovic Sonntag beim LASK. Wo der Wiener Julian Weinberger pfeifen wird, der Burgenländer Alan Kijas bei Hartberg gegen Salzburg. Aber man darf keinem Unparteiischen unterstellen, aus „lokalem Interesse“ in den Titelkampf einzugreifen.

Für Debatten sorgte auf jeden Fall das „Geständnis“ der Bundesliga. Das in dieser Form beim Nachbarn Deutschland kein Thema ist. Dort gab es in der letzten Runde mehr umstrittene oder falsche Pfiffe und VAR-Eingriffe als in Österreich, ohne dass von der Liga etwas zu hören war. So wird es auch im Juni und Juli bei der Europameisterschaft sein. Die UEFA ist garantiert nicht daran interessiert, über Entscheidungen der Schiedsrichter zu diskutieren.

Foto: RB Salzburg/Michael Meindl.

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