Fußball

Luis Suarez 2017 ist die Steigerung von Hans Krankl 1978

Zehn Minuten nach Abpfiff sangen 96.000 Fans  im Camp Nou zum zweiten Mal mit Inbrunst die „Barca-Hymne“. In Wien sollen  Nachtschwärmer  in der Hietzinger Veitingergasse unweit des Domizils von Goleador Hans Krankl Jubel-Urscheie registriert haben. Denn ihn wird die „Remuntana“, sprich Aufholjagd,  an die größte in seiner Zeit als Nummer  neun bei Barcelona  erinnert haben. Am Allerheiligen-Tag 1978 am Weg zum späteren Triumph im Europacup der Cupsieger: Zweite Runde, Barcelona hatte in Brüssel gegen Anderlechts Startruppe um Rob Rensenbrink, Arie Haan, Francois van der Elst 0:3 verloren, galt als ausgeschieden. Aber vor 96.000 Zuschauern eröffnete Krankl schon in der achten Minute mit dem Führungstor die „Remuntada“ gegen den Titelverteidiger, der sechs Monate zuvor die Austria im Pariser Endspiel 4:0 abgefertigt hatte. Nach 90 Minuten  3:0 für Barcelona, Verlängerung und Elferschießen, das  Barcelona 4:1 gewann. Krankl verwandelte den ersten Penalty, Johan Neeskens den entscheidenden.

Unweit von der Veitingergasse entfernt im ORF-Zentrum   am Küniglberg machten es  die Analytiker Herbert Prohaska, Roman Mählich sowie  Moderator Bernhard Stöhr  der englischen Leicester-Legende Gary Lineker nach: Der hatte vor Monaten versprochen, seine BBC-Sendung  in  Boxershorts zu bestreiten, wenn Leicester  Meister wird. Was passierte. Prohaska&Co waren zum Strippen verpflichtet, weil sie nicht daran glaubten, dass  der FC Barcelona  ein 0:4 gegen Paris St.Germain in den Aufstieg ins Viertelfinale verwandeln kann. Geschah durch ein 6:1. So gesehen waren Messi, Neymar, Suarez, der mit Krankls Rückennummer spielt, 2017, 39 Jahre später, die Steigerung von Krankl, Nesskens und Asensi 1978, weil sie es ohne Verlängerung und Elferschießen, in 96 Minuten schafften, einen höheren Rückstand aufzuholen. 1978 pfiff mit Walter Eschweiler ein deutscher Referee, Mittwoch mit dem 38jährigen Deniz Aytekin (Bild oben) wieder einer. Der nach seinem 16. Spiel in der Champions League im Kreuzfeuer stand.

Es ist zwar nicht populär, es zu sagen, aber erst Aytekin machte die Schlagzeilen und Sager vom Wunder, Kunststück, Comeback für die Geschichtsbücher, Horrorfilm, Neymars Jubel über das beste Spiel seines Lebens ebenso möglich wie das Klagen in Frankreich  über das historische Schiffswrack Paris St. Germain, das den spanischen Trainer Unai Emery den Job kosten könnte, wie Präident Nasser al Khelaifi durchblicken ließ. Dessen Barcelona-Kollege Josep Bartomeu konnte hingegen von einer historischen Leistung schwärmen, die für immer Bestand haben wird.

Vor Aytekin kam allerdings noch Marc Andre ter Stegen. „Mit seinem Fuss begann das Wunder“ lobte der ehemalige Tormanntitan Oliver Kahn im ZDF-Studio  seinen Landsmann. Mit dem linken Fuss verhinderte ter Stegen  das zweite Tor von Edson Cavani zum 3:2, das wohl  kein Wunder mehr zugelassen hätte. Dann griff erstmals Aytekin ein, als er ignorierte, dass Barcelonas Mascherano Angel di Maria  im Strafraum voll am Fuss traf. Klarer Elfmeter, wie auch Ex-Referee Thomas Steiner, Prohaska und Mählich nachher bei ihrer Studio-Analyse in Boxershorts (Ausnahme Steiner) feststellten. Statt des fälligen Elfmeters für die Franzosen pfiff  Aytekin in letzter Minute einen zweiten für Barcelona. Der erste nach Intervention von Torrichter Benjamin Brand, den Messi zum 3:0 verwandelte, konnt man regeltechnisch gelten lassen. Beim zweiten in letzter Minute zum 5:1 durch Neymar meinten nicht nur Steiner, Prohaska und Mählich dezidiert, dass der Kontakt zwischen Paris-Verteidiger Marquinhos und Neymar nicht für einen Elfmeter reicht. Diese Ansicht vertrat auch Lothar Matthäus vorbehaltlos im Münchener Sky-Studio. Das sind schon Entscheidungen, die  Aufstiege beeinflussen.

Ohne diesen Elfer wäre das späte sechste Tor durch ein eingewechselten Spanieier Sergi Roberto in der sechsten Minute der Nachspielzeit gar nicht mehr möglich geworden. Aber darüber redet man viel weniger als über die späte Krönung, den   Mut von Barcelonas Trainer Luis Enrique mit seinem offensiven 3-4-3-System, dem goldenen Händchen mit dem Eintausch von Sergi Roberto. So dominiert Spanien weiter die Champions League. Real Madrid und Barcelona sind schon im Viertelfinale, nächste Woche kommt sicher noch Atletico Madrid, vielleicht auch der FC Sevilla dazu. In Deutschland wird es bei Bayern und Borussia Dortmund bleiben. Und wer bei tipp 3 auf den Aufstieg Barcelonas wettete, kann sich bei einer Quote von 6,00 dazu gratulieren. Noch mehr, wenn er den Mut hatte, auf den Champions League-Sieger Barcelona zu setzen. Dann bekommt er im Fall der Fälle das vierzigfache seines Einsatzes zurück. Vor dem Viertelfinale wird die Quote anders aussehen.

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