Fußball

Mehr Talent als Alaba: Teamneuling Knasmüllner

Sechs Tore in zehn Runden sind für jeden Mittelfeldspieler  eine herzeigbare, starke Bilanz. Auch wenn zwei verwandelte Elfmeter dabei sind. In Österreichs Bundesliga liegt man damit in der Schützenliste auf Platz zwei. Wenn dann auch noch drei Assists dazu kommen, bedeutet das Rang eins in der Scorerwertung. Die Rede ist von Admiras Christoph Knasmüllner (oben rechts), einem der letzten sogenannten Strassenfussballer der Liga. Zweitbester Schütze hinter Salzburgs Torjäger Munas Dabbur, ex aequo mit dem Israeli in der Scorerwertung voran. Mit 25 Jahren startet Spätzünder Knasmüllner offenbar durch: Dreierpack letzten Samstag gegen den LASK von 1:2 auf 4:2, zwei Runden davor ein Doppelpack in den letzten fünf Minuten samt genialem Heber über Sturms Torhüter mit Admira-Vergangenheit, Jörg Siebenhandl, zum 3:2 über den Tabellenführer. Admiras Trainer Ernst Baumeister über Knasmüllner: „Plötzlich weiß er auch, wo das Tor steht!“

Baumeister kennt Knasmüllner schon aus dem Austria-Nachwuchs, als dort auch der Sohn des Admira-Trainrs spielte: „Knasmüllner galt damals sogar als größeres Talent wie David Alaba“, erinnert sich Baumeister. Gemeinsam gingen beide 2008 mit 16 von der Austria nach München in den Bayern-Nachwuchs, kamen in die Amateure. Der zwei Monate jüngere Alaba schafft es ganz hinauf zu den großen Namen, Knasmüllner sass nur einmal in der Ära von Louis van Gaal auf der Ersatzbank, nahm dann 2011 ein Angebot aus Mailand von Inter an. Über die Unter 19 kam er dort nicht hinaus. Für Trainer Andrea Stramaccioni, der jetzt bei Sparta Prag Marc Janko links liegen läßt, war es nie ein Thema, Knasmüllner mit den damaligen Stars wie Wesley Sneijder, Dejan Stankovic, Lucio oder Diego Forlan spielen zu lassen. Daher dauerte das Inter-Kapitel nur einige Monate. Die nächste Station: Ingolstadt in der zweiten deutschen Liga.

Die verdankte Knasmüllner seinem prominenten Trainer bei den Amateuren Bayerns, Mehmet Scholl. Dem gefiel Knasmüllner riskante Spielweise mit dem Hang zu Dribblings. Darum empfahl Scholl ihn seinem ehemaligen Mitspieler Thomas Linke, dem Sportchef von Ingolstadt. Aber irgendwie passte es nicht in der robusten Liga. Weder bei Trainer Tomas Oral noch bei Nachfolger Ralph Hasenhüttl stand er hoch im Kurs. Daher nach drei Jahren zurück in die Heimat. Die Admira nahm den Ingolstadt-Reservisten auf, hätte ihn ein Jahr später fast in die Erste Liga  nach Floridsdorf zum FAC verliehen. Das verweigerte Knasmüllner. Aber vielleicht war das der Weckruf. Als Oliver Lederer Admiras Trainer war, gab´s bereits das eine oder andere Highlight wie beim herausragenden 4:0-Auswärtssieg über Rapid im Happel-Stadion, als er wirklich glänzte. In diesem Jahr spielte er konstant wie zuvor noch nie. War schon unter Damir Buric so, jetzt auch unter Baumeister: „Er braucht einen Trainer, der weiss, wie man ihn behandelt, von dem er das Vertrauen spürt.“ Denn sein Phlegma kann Knasmüllner noch immer nicht ganz ablegen: „Man muss ständig und viel mit ihm reden“, heißt Baumeisters Rezept.

Reifer sei Knasmüllner sicher geworden, das Potenzial für mehr als die Admira bringe er sicher mit: „Aber im Ausland geht´s eben anders zu als in unserer Liga. Das weiß er. Es liegt an ihm, ob er es nochmals riskiert“, meint Baumeister, derzeit Admiras Trainer und Sportchef in Personalunion. Eine Ausstiegsklausel gibt´s im Vertrag, aber die Transferrechte liegen bei der Admira.

Macht Knasmüllner so weiter, könnte es vielleicht in absehbarer Zeit mit Alaba ein fußballerisches Wiedersehen bei der Nationalmannschaft geben. Zuletzt stand der Admiraner schon zweimal auf der Abrufliste, seit Montag Mittag ist er erstmals dabei. Nachnominiert, da nicht unerwartet Absagen von Legionären für die Spiele gegen Serbien und in Moldawien eintrudelten: Alaba (lädiertes Sprunggelenk), Martin Harnik (Fersensporn) und Marcel Sabitzer (Zahnoperation) kamen gar nicht nach Wien. Augsburgs Abwehrchef Martin Hinteregger schon, aber er fällt auch mit einem lädierten Sprunggelenk aus. Ausser Knasmüllner holte Koller noch Valentino Lazaro von Hertha BSC Berlin, erstmals nach seinem Verletzungspech Rapids „Pfitschipfeil“ Philipp Schobesberger sowie erstmals seit der Rückkehr zur Austria Routinier Florian Klein. Somit stehen mit ihm, Kasan-Legionär Moritz Bauer und Stefan Lainer drei Rechtsverteidiger im Kader. Wenn man will, mit Lazaro sogar vier. Aber wer spielt nach Hintereggers Ausfall links? Der einzige Linksfuss im Aufgebot ist Innenverteidiger Max Wöber!

 

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