Eishockey

Nach WM-Pleite 0,5 Ausländer pro Klub weniger

Genau 66 Tage nach dem 3:4 gegen Italien in Bratislava nach Penaltyschießen, das den unnötigen Abstieg aller Zeiten von Österreichs Eishockyteam aus der A-WM am 20.Mai perfekt gemacht hatte, bittet Teamchef Roger Bader 45 Teamkandidaten des Jahrgangs 1992 und jünger am 25. Juli erstmals in seiner Ära zum Kick-Off in die Bundessportschule Schielleiten. Gespräche, Teambuilding, Athletiktraining gehört zum Programm der drei Tage. Seine Routiniers holt Bader nicht in die Steiermark. Bisher hat keiner das Ende seiner Teamkarriere bekanntgegeben, was sonst nach Abstiegen meist üblich war. Sprich für die gute interne Atmosphäre.

Bader analysierte nochmals alle sieben Spiele Österreichs in Bratislava. Für jedes brauchte es fünf Stunden. Das Ergebnis klingt nicht viel anders als nach der WM: „Bei den entscheidenden Niederlagen gegen Norwegen und Italien hatten wir den schlechteren Tormann.“ Die Statistik mit nur knapp über 83 Prozent abgewehrter Schüsse von David Kickert und Bernhard Starkbaum bestätigt das. Das sagen alle Experten: So kannst du nicht in der A-WM bestehen. Aber Bader weiß auch, dass einige, auf die er setzte, nicht ihr Potenzial abriefen. Etwa die Spieler von Meister KAC und Finalgegner Vienna Capitals oder Schweiz-Legionär Dominic Zwerger. Bei ihm gibt´s möglicherweise eine Erklärung: Er lag zuletzt mit Pfeifferschem Drüsenfieber im Spital. Möglicherweise steckte das schon während der WM in ihm.

Über seine Erfahrungen referierte Bader am 22.Juli beim Trainerkurs des Fußballbunds für die UEFA-Pro-Lizenz in Faak am See (Bild oben). Da ging es um  Pressing. Bader berichtete auf Einladung von Dominik Thalhammer, des Chefs der Trainerausbildung, den Kollegen aus dem Fußball, worüber er sich mit RB Leipzigs EX-Trainer Ralf Rangnick zu diesem Thema unterhielt und zeigte einen Tag vor dem 1:1 von Österreichs U21 bei der Europameisterschaft in Udine gegen Deutschland das Motivationsvideo für seine U 20 vier Jahre zuvor beim 3:1-Heimsieg gegen Deutschland am 16.Dezember 2015 in Wien. Und behält als Spruch des Tages  den von Rapids letztem Meistertrainer Peter Pacult über seine Balkan-Abenteuer in Erinnerung: „Bis zum ersten Spiel war immer alles in Ordnung“.

In Österreichs Eishockey wäre auch mit dem Klassenerhalt in Bratislava nicht alles in Ordnung gewesen. Was danach alles nicht passierte, spricht nur für die jahrzehntelange Erfahrung: Egal ob Aufstieg oder Abstieg oder Klassenerhalt, es ändert sich nichts entscheidendes an den Strukturen. Das wird auch das vom Verbands-Präsidium genehmigte Kickoff nicht sein. Ebenso die Tatsache, dass die Damen wieder unter dem Management des Verbands spielen werden, Bader auch für sie verantwortlich ist, die Teamchefposten bei der U 18 (Roger Öhman mit Manuel Latusa als Assistent) und U 16 (Dieter Werfring)  neu besetzt wurden. Der Rücktritt des 64jährigen Ligapräsidenten Peter Mennel nach sechs Jahren? Die Gründe, die er für den Rückzug anführte, nämlich zu viele Ämter, die bestanden schon beim Amtsantritt. Wie man den Job als Generalsekretär des österreichischen olympischen Komitees mit einem  im Skiverband und als Präsident der Eishockeyliga in Einklang bringen kann, bleibt ein Geheimnis des 64jährigen Vorarlbergers. Auch wenn das operative Geschäft in der Liga in Händen von Manager Christian Feichtinger lag und künftig auch liegen wird. Daran wird sich auch unter Karl Safron, dem vorläufigen Nachfolger von Mennel, nichts ändern. Mit dem Kärntner Safron bleibt die Anti-Bader-Linie der Liga gesichert. Wenn als Erfolg der Mennel-Ära Förderungsmaßnahmen für österreichische Spieler genannt werden, klingt das nach einem Treppenwitz.

Die aktuelle Lage: Wie es aussieht, gibt es bei den acht österreichischen Klubs in der Liga vier Ausländer weniger als letzte Saison, Macht im Schnitt pro Verein 0,5 weniger Also praktisch nichts. Meister KAC und die Salzburger Bullen begnügen sich vorerst mit je sieben Legionären, die Vienna Capitals haben schon elf. Ließen aber den 21jährigen Benjamin Nissner nach seiner bisher besten Saison, in der er zum Liga-Youngstar gewählt wurde, zum schwedischen Zweitligisten Tingsryds ziehen. Da kann man nur den Kopf schütteln. Einen Hoffnungsschimmer gibt es bei den Black Wings Linz, die keinen ausländischen Tormann verpflichten. Sie vertrauen Kickert als Nummer eins, holten als Back Up aus der Alps Hockey League vom EC Bregenzerwald den gebürtigen Villacher Thomas Stroj. Jenen inzwischen 23jährigen Tormann, der 2015 mit 19 den Wiener WM-Sieg der U20 über Deutschland möglich gemacht hatte. Aber abwarten, ob diese Lösung den Dezember überlebt, nicht als vorweihnachtliches „Geschenk“ doch ein ausländischer Tormann nach Linz kommt.

 

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