Fußball

Nicht nur Dortmund oder Bayern: Das geilste Saisonfinale des Jahrtausends

In allen neun Spielen der letzten Runde geht es Samstag ab 15.30 Uhr in der deutschen Bundesliga noch um etwas. Daher ist vom geilsten Saisonfinale des Jahrtausends um Meisterschaft, Champions und Europa League, Relegation, Abstieg die Rede: Bei dieser Konstellation sind auch einige Dramen garantiert. Drei österreichische Legionäre sind in die Titelentscheidung involviert: Karim Onisiwo gastiert mit Mainz vor 81.000 Zuschauern bei Borussia Dortmund, wird wieder die berühmte, mächtige gelbe Wand auf der Südtribüne sehen. Florian Kainz und Dejan Ljubicic hoffen mit dem 1. FC Köln auf ihren ersten Sieg gegen Bayern. Dortmund wäre mit dem Sieg über zuletzt schwächelnde Mainzer, die viermal hintereinander verloren, erstmals seit elf Jahren, der Ära von Jürgen Klopp Meister. Die Quoten bei tipp3 sagen genug: 1,10 auf Meister Dortmund, 5,50 auf Bayerns Titelverteidigung. In München wird nach der Saison sicher umgebaut: Neue Bosse, neue Stars sind im Gespräch, aber kein neuer Trainer. Obwohl Thomas Tuchel nach zwei verspielten Titeln schon beschädigt ist und es nach drei noch mehr sein wird. Dazu gibt´s die Dauer-Diskussionen um Thomas Müller.

Dortmund rüstet bereits für die große Titelparty rund um den Borsigplatz. Es gibt auch in Wien zwei, die Borussia fest die Daumen halten: Peter Stöger als Ex-Dortmund-Trainer, der die Mannschaft gemeinsam mit Manfred Schmid im Dezember 2017 als Neunter übernahm und sie noch auf Rang vier und in die Champions League brachte. Und Rapid-Nachwuchstrainer Veli Kavlak als Freundschaft zu Dortmunds Trainer Edin Terzic. Den er als seiner Spielerzeit bei Besiktas Istanbul kennt, als der 40 jährige Assistent von Trainer Slaven Bilic, des ehemaligen kroatischen Teamchefs, war, mit dem er dann nach England zu West Ham ging. „Ein Supertyp“, sagt Kavlak, „ein herausragender Mensch“. Der damals für Analysen zuständig war. Kavlak bekam von ihm viele auf sein Handy geschickt. Der Kontakt zwischen Österreichs Ex-Teamspieler und Terzic ist noch immer aufrecht. Den letzten Treff gab es vor vier Monaten, als Kavlak mit Rapids U 15 bei einem Hallenturnier in Iserlohn war.

„Bei Edin gibt s kein Motivationsgewitter in der Kabine, er ist analytisch, sachlich, loyal, er lebt den Teamgeist, nimmt alle mit. Auch diejenigen, die um die Mannschaft herum sind“, weiß Kavlak, „er liebt diesen Klub“. 2018 bekam er einen Fünfjahresvertrag als Co-Trainer. Unabhängig davon, wer Chef sein wird. Zweieinhalb Jahre assistierte Terzic  Lucien Favre, wurde im Dezember 2020 nach der Entlassung des Schweizers Cheftrainer. Führte die Borussia von Rang fünf in die Champions League und zum Pokalsieg. Bereits im Februar 2021 hatte Klubboss Hans Joachim Watzke Marco Rose, den Ex-Salzburg-Trainer, für kommende Saison unter Vertrag genommen. Terzic wurde mit der neu geschaffenen Position als technischer Direktor an Borussia gebunden, stand als Roses Nachfolger praktisch fest, als es nach einer durchwachsenen Saison im Sommer 2022 zur Trennung kam. Samstag kann Terzic den „Geist“ von Klopp aus Dortmund vertreiben.

Ein österreichisches Fernduell gibt es um den vierten Champions League-Platz: Den kann Christopher Trimmel mit Union Berlin erstmals in der Klubgeschichte schaffen, wenn der Heimsieg gegen Werder Bremen gelingt. Dann würde Philipp Lienhart und Michael Gregoritsch auch ein Sieg mit Freiburg bei Eintracht Frankfurt nicht helfen. Bei Frankfurts Trainer Oliver Glasner werden sicher Emotionen hochkochen: Das letzte Heimspiel seiner Erfolgsära, eine Woche vor dem Pokalendspiel in Berlin gegen RB Leipzig. Den Europa League-Platz haben Lienhart und Gregoritsch fixiert. Den kann Patrick Wimmer mit Wolfsburg durch einen Heimsieg über Absteiger Hertha BSC Berlin schaffen, wenn Leverkusen in Bochum nicht gewinnt. Bochum mit Kevin Stöger und Ex-Austria-Trainer Thomas Letsch braucht im Kampf gegen Abstieg und Relegationsplatz einen Sieg. Gefährdet sind auch Schalke, VfB Stuttgart und Augsburg. Theoretisch auch Hoffenheim mit Christoph Baumgartner, aufgrund der besten Tordifferenz praktisch aber nicht. Hoffenheim gastiert beim VfB Stuttgart, wobei die Trainer den Ex treffen. Stuttgarts Sebastian Hoeneß war einst bei Hoffenheim, Pellegrino Matarazzo in Stuttgart.

Drei Tage vor der letzten Runde kam es zum großen Ligakrach. Der geplante Investoren-Einstieg scheiterte, die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde in der von Bochum beantragten geheimen Abstimmung verfehlt: 20 Klubs sagten ja, elf waren dagegen, fünf enthielten sich. Für 20 Jahre wollte die Liga 12,5 Prozent ihrer TV-Erlöse abgeben und dafür zwei Milliarden Euro bekommen. Die Klubs hätten 300 Millionen zur freien Verfügung erhalten. Den Zweitligisten, allen voran St. Pauli, war das zu wenig. Daher könnt es eines der letzten Male sein, dass erste und zweite Liga in Deutschland unter einem Dach spielen.

Foto: Borussia Dortmund.

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