Fußball

Rapid gewann gegen die Statistik und verlor Leo Greiml

Austrias erste Niederlage dieses Jahres am Sonntag in Graz gegen Sturm wird durch die Statistik des 0:1 durchaus verständlich und plausibel. 4:18-Torschüsse, nur 46 Prozent Ballbesitz gegenüber 53 der Sieger, nur 48 Prozent Zweikampfquote und mit 68 gegenüber 76 Prozent auch die schlechtere Passquote. Sturm hatte15 Eckbälle, Austria nur einen. Die meisten Torschüsse der Austrianer gab der nach einer Stunde eingewechselte Romeo Vucic ab, es waren zwei.

Mitunter kann man auch mit schlechterer Statistik gewinnen. Das zeigte Rapids 2:1 gegen Wolfsberg. Die Verlierer aus Kärnten hatten mehr Torschüsse (20:18), mehr Ballbesitz (53 %), die bessere Zweikampf- (52%) und Passquote (77% gegenüber 71). Rapid beging deutlich mehr Fouls (15:4). Möglich gemacht hat den Sieg die junge Welle: Vier Tore in seinen ersten sechs Spielen wie Bernhard Zimmermann erzielte zuletzt vor acht Jahren der Amerikaner Terrence Boyd. Dragoljub Savic gelang mit seinem ersten Schuss aufs Tor sein erster Treffer, Nicolas Binder lieferte bei seinem Debüt einen Assist (für Savic) ab. Daher gab es nachher die Jubelwelle vor der Fantribüne (Bild oben).

Einer, der mit 20 auch zur jungen Welle gehört, schon 57 Pflichtspiele bestritt, verlässt hingegen Grün-Weiß im Sommer: Innenverteidiger Leo Greiml, seit dem im Oktober beim 2:2 in Hartberg erlittenen Kreuzbandriss im Aufbautraining, wird sein Comeback nicht mehr bei Rapid feiern, sondern im Juni ablösefrei wechseln. Das teilte sein Berater Thomas Böhm Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic bereits mit. Der seine Enttäuschung über den Verlust eines Spielers, den er als Vorzeigeprofi lobte, nicht verhehlte.  Man habe Greiml schon vor der Verletzung ein sehr gute Angebot zur Verlängerung gemacht, dann noch zweimal nachgebessert: „Es wäre für Leos Entwicklung wichtig gewesen, wenn er die kommende Saison noch für Rapid spielt. Daher wird es für die Entscheidung nicht nur sportliche Gründe gegeben haben!“ Sicher auch wirtschaftliche, was legitim ist, wenn der Vertrag endet. Rapid holt auch gerne ablösefreie Spieler wie die Beispiele von Marco Grüll, Robert Ljubicic und Roman Kerschbaum beweisen.

Bereits im Herbst 2020 zeigte der FC Brügge Interesse an Greiml, doch da war Rapids das Angebot des belgischen Meisters nicht gut genug. Es spricht für den Waldviertler, dass ihn ein Klub engagierte, obwohl er nach der Knieoperation noch nicht spielte. Der Ärger von einigen Rapid-Fans zum Greiml-Abgang in den Foren erreichte fast ähnliche Dimensionen wie beim Wechsel von Ex-Rapidler Max Wöber vor drei Jahren zu Red Bull Salzburg nach seiner Zeit bei Ajax Amsterdam und Sevilla. War aber damals total unverständlich, weil Rapid Wöber gar kein Angebot zur Rückkehr gemacht hatte und der zuvor Rapid an Ablöse acht Millionen Euro gebracht hatte. Wöber erzielte Sonntag bei Salzburgs 6:0 in Klagenfurt sein viertes Saisontor. In seinen ersten vier Bundesligasaisonen kam er nur auf einen Treffer. Alle fünf gelangen ihm nach Standardsituationen, im Wörthersee-Stadion erstmals mit dem Fuß. Noch dazu mit dem schwächeren rechten. Noch einen anderen Rekord brachte dieses Match: Austria Klagenfurt kassierte als erstes Team in der Drei-Punkte-Ära der Bundesliga die neunte glatte rote Karte. Turgay Gemicibasi bekam für die dritte eine Sperre von zwei Spielen unbedingt und einem bedingt auf sechs Monate.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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