Fußball

Rapid nur 17 Minuten Tabellenführer: „Wir waren zu dumm“

Ein gebrauchter Sonntag für Rapid, der schon am Vormittag begann. Da verlor die zweite Mannschaft in Hütteldorf gegen den GAK 1:2 (0:1), bekam die rote Laterne der zweiten Liga. Fünf Stunden später blieb die Chance, erstmals seit März 2016 Tabellenführer der Bundesliga zu werden, in Ried ungenützt. Rapid war im Innviertel nur 17 Minuten lang Tabellenführer, verlor am Ende ein kurioses Match mit zwei Eigentoren 3:4 (1:2), verlor damit durch die schlechtere Tordifferenz Platz zwei an den LASK, ist Dritter. Red Bull Salzburg blieb nach der ersten Niederlage  Tabellenführer,  Rapid vergab die Chance, als einzige Mannschaft ungeschlagen zu bleiben. Kassierte erstmals in 15 Pflichtspielen dieser Saison  vier Tore. Das ehrliche Geständnis von Kapitän Max Hofmann im Sky-Interview: „Wir haben uns das selbst zuzuschreiben, waren zu dumm!“

Vom Krankenbett daheim im Burgenland besprach Didi Kühbauer mit Assistent Manfred Nastl, der ihn als Chef auf der Bank vertrat, eine für Auswärtsspiele ungewöhnlich offensive Variante: Mit Ercan Kara, Taxiarchis Fountas, Yusuf Demir und Christoph Knasmüllner, mit Marcel Ritzmaier im zentralen Mittelfeld neben Srdjan Grahovac. Mit einem Punkt hätte Rapid Platz zwei behalten. 0:0 stand es bis zur 14. Minute, dann schoss Knasmüllner Rapid auf Platz eins vor Salzburg. Der „Aufenthalt“ dort dauerte elf Minuten, in denen eine falsche Abseitsanzeige von Assistent Daniel Trampusch bei Demir das 0:2 durch Fountas verhinderte. Dann fiel durch das erste Eigentor der Ausgleich: Ein Eckball des Ex-Rapidlers Stefan Nutz fiel Grahovac im kleinen Strafraum auf den Kopf und von dort unter die Latte. Grahovac sprang nicht dem Ball entgegen, sondern blieb ohne Reaktion stehen. Nicht optimal.

Damit war Rapid wieder Zweiter. Nach 15 Minuten der Rückfall auf Rang drei: Fehler von Grahovac im Spielaufbau. Rieds Marco Grüll zog den Sprint an, ließ auch Hofmann stehen. Die Hereingabe nutzte Bernd Gschweidl zu seinem ersten Bundesligator für Ried. Zur Pause rief Co-Trainer Thomas Hickersberger Kühbauer an. Aber am Telefonat lag es sicher nicht, dass bald der Ausgleich fiel. Knasmüllner nützte es aus, dass Rieds Tormann mit Rapid-Vergangenheit. Samuel Sahin-Radlinger, einen Distanzschuss von Max Ullmann zu kurz abwehrte. Damit tauschte Rapid Rang drei mit zwei. Eroberte 14 Minuten später zum zweiten Mal die Tabellenführung. Nach einem Konter über Fountas fälschte Rieds Innenverteidiger den Pass des Griechen zu Kara ins eigene Tor ab. Das zweite Eigentor, mit dem Rapid aber nur sechs Minuten vor Salzburg lag. In denen Fountas die Chance zur 4:2-Führung nicht nützte, an Radlinger scheiterte. Stattdessen fiel nach einem umstrittenen Freistoss das 3:3 ausgerechnet durch Reiner. Er traf nichts nur ins eigene Tor, sondern auch in das des Gegners. Rapid wieder Zweiter. Aber nur 16 Minuten lang, in denen Radlinger bei einem Kopfball Karas das dritte Führungstor Rapids vereitelte.

Dann jubelte Ried über das 4:3. Eingeleitet von Joker Ante Bajic, der bei seinem Bundesligadebüt Matteo Barac  locker stehen ließ. Dessen Pass erreichte Grüll vor Hofmann, traf ins lange Eck. Jener Grüll, den Rapid am letzten Tag der Transferzeit Anfang Oktober verpflichten wollte, was nicht gelang, der im Winter vielleicht nach Salzburg zum Meister wechselt. Er sorgte  für das Happy End für Interimstrainer Gerhard Schweitzer, der den erkrankten Gerald Baumgartner vertrat. Dem ging es am Ende vor dem TV-Apparat sicher besser als Kühbauer. Für Schweitzer war es eine späte Genugtuung dafür, dass in Ried Abstiegssaison vor 17 Jahren, im Mai 2003, eine Niederlage bei Rapid das Ende seiner ersten Zeit als Cheftrainer bei Ried bedeutete.

Der Jubel bei den „Wikingern“, die Austria einholten, war groß. Das Fazit der verrückten 94 Minuten für Rapid: 17 Minuten lang Erster, 59 Minuten lang Zweiter, 18 Minuten lang Dritter. Auch am Ende. Kein Punkt trotz drei Auswärtstoren, das darf nicht passieren,  wie Hofmann gestand: „Wir konnten das Spiel zweimal drehen, das 3:2 müssen wir über die Distanz bringen!“ Nastl fand alles sehr ärgerlich, auch weil Referee Rene Eisner den Freistoß gegen Rapid vor dem 3:3 zu Unrecht verhängte: „Wir machten zu viele Fehler im Spielaufbau, versuchten es zu oft durch die Mitte, kriegen Tore nach Standards, obwohl wir das Verhalten dabei oft trainieren!“ Das sollte Rapid rasch besser in den Griff kriegen. Denn Donnerstag muss in Dublin gegen Dundalk gewonnen werden, um die Aufstiegschance in der Europa League zu retten. Dort ist Kühbauer wahrscheinlich wieder dabei.

 

 

Foto: Twitter.

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