Fußball

Revolution bei Mainz: Ultras bestimmen Boss

Die Ultras, eine Gruppe von Hardcore-Fans, die für Stimmung in den  Stadien sorgt. Aber  leider auch oft für Randale. Jetzt sorgten sie im Weltmeisterland Deutschland für eine Revolution: Ihre Stimmen kürten einen neuen Verbandspräsidenten. Sogar in der ersten Bundesliga. Bei Mainz 05, dem Klub des Österreichers Karim Onisiwo, bei dem früher auch drei österreichische Teamkapitäne (Julian Baumgartlinger, Christian Fuchs, Andreas Ivanschitz) spielten, Ex-Teamchef Didi Constantini Trainer (mit dem jetzigen Liverpool-Guru Jürgen Klopp als Verteidiger) war. Dazu schlugen die Mainz-Ultras sechs Kandidaten für den Aufsichtsrat vor, die allesamt gewählt wurden. Die Mainzer Revolution als Warnschuss für die ganze Liga oder sogar die ganze Fußballszene?

Bereits Anfang Juni warnte der 62jhrige Peter Neururer, ehemals Trainer von Schalke und dem 1.FC Köln zu Toni Polsters Zeiten, in seiner Kolumne bei FussballBild eindringlich vor den Ultras. Mit markigen Aussagen. Unter anderem:

„Sie nehmen sich selbst zu wichtig und wollen die Kontrolle über den Verein haben.“

„Es ist höchste Zeit, laut Stopp zu schreien.“

„Das sind zum Teil Kriminelle, keine Fans. Einige Vereine haben schon Angst vor den Ultras und melden sie daher nicht der Polizei.“

„Je dümmer der Mensch, desto mehr neigt er zur Gewalt. Es mischen sich auch Anwälte und Ärzte unter die Masse, weil sie einen Kick suchen.“

„Die Ultras lieben ihren Verein nicht, sondern nur sich und ihre Sucht nach Macht.“

Bei der Mainzer Mitgliederversammlung, auf der ein Nachfolger für den zurückgetretenen Langzeitchef Harald Strutz gekürt wurde, stellten die Hardcore-Fans mehr als ein Viertel der 1000 Stimmen. Und mit 498 gegen 458 wurde ihr Kandidat namens Johannes Kaluza gewählt, was sie nachher stürmisch feierten. Bereits zu Beginn der Versammlung stimmten die Ultras Gesänge für ihren Kandidaten an. Der unterlegene Jürgen Doetz: „Es zählten nur Phrasen und Populismus.“ Unternehmer Kaluza war wenige Tage vor der Wahl bei den Ultras: „Offenbar hat sie mein Programm überzeugt.“ Zu dem zählt, wie er nach der Wahl verkündete, unter anderem den überschäumenden Kommerz im Fußball zu bekämpfen und ein gemeinsames Training von Profis und Fans. Weil man mehr Nähe brauche. Einige Mitglieder des Aufsichtsrats, wie etwa der  Chef der Verlagsgruppe Rhein-Main, legten daraufhin sofort ihr Amt nieder. Weil er nicht Teil eines Fehlers sein wollte, den der Traditionsklub aus der Karnevalsstadt begeht. Verlierer Doetz hofft auf einen Realitätsschock, den der 62jährige Sieger Kaluza bekommen soll: „Dann müsse er die Defizite, die er hat, in den Griff bekommen und sie beseitigen. Sonst kommen auf den Klub ganz schwer  Zeiten zu.“

Kann etwas ähnliches wie in Mainz mit etwas  Verspätung in Österreich passieren? Der Führungsetage  von Rapid halten  Kritiker oft eine zu große Nähe zur Hardcore-Fanszene vor. Sogar verinsintern im Kuratorium, einer Art Aufsichtsrat. Dort ließ Präsident Michael Krammer im Frühjahr nicht zu,  über die von den Ultras verursachten Geldstrafen bei der Liga in sechsstelliger Höhe zu diskutieren.

 

 

 

Foto: Ultras Mainz05.

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