Fußball

Ruhe bewahren ist am explosiven Pflaster Rapid fast unmöglich

Rapid scheiterte als Favorit völlig verdient am FC Vaduz, dem Vorletzten der zweiten Schweizer Liga. Das gab so wie Trainer Ferdinand Feldhofer am Rasen des Weststadions auch Sport-Geschäftsführer Zoran Barisic am Tag danach zu und sah darin den traurigsten Aspekt der Blamage. Die eigentlich noch größer wurde durch die Tatsache, dass Rapid zwischen den Duellen gegen Vaduz lieber das Heimspiel in der Bundesliga gegen Hartberg verschob, um gut vorbereitet, Vaduz ausschalten zu können. Der Effekt stellte sich nicht ein, alles endete desaströs. Der Rapid-Bezwinger freute sich Freitag Nachmittag darüber, bei der Premiere eines Klubs aus Liechtenstein in der Gruppenphase auf Alkmaar aus Holland, Apollon Limassol aus Zypern und Dnipro aus der Ukraine zu treffen, bei Grün-Weiß war man bemüht, mit den Aufräumarbeiten des Scherbenhaufens zu beginnen.

In einer Situation, in der es nur Vorwürfe gegen die Chefetage gibt. Einige Beispiele: Barisic habe falsch gehandelt, weil er drei Spiele verpflichtete, die letzte Saison mit ihren Klubs abstiegen und einen, der bis zur letzten Runde gegen den Abstieg kämpfte. Dabei handelt es sich um Roman Kerschbaum, Nicolas Kühn, Michael Sollbauer und Ante Bajic. Zudem sei es unverständlich von Feldhofer gewesen, im Heimspiel gegen Vaduz fünf Defensivspieler auf die Bank zu setzen, aber mit Bernhard Zimmermann nur einen Stürmer. Der 1,97 Meter-Riese Rene Kriwak hätte in den letzten Minuten, als es mit der Brechstange, sprich hohen Bällen, probiert wurde, eine Option für Kopfbälle sein können. Jener Kriwak, der eineinhalb Wochen zuvor beim 1:2 gegen LASK noch zur Startelf gehörte, Donnerstag hingegen nicht einmal zu den zwölf Ersatzspielern. Die Auswüchse der Rotation.

„Im Kopf nicht locker genug, wir bringen unsere PS nicht auf die Straße“, lautete das Fazit von Barisic, der einen negativen Domino-Effekt sah, der zur Blamage führte. Jetzt kann man nur die Devise ausgeben, dass es nicht mehr schlechter werden kann. Wirklich?  Für Feldhofer war es keine Option, über seinen Rücktritt auch nur nachzudenken. Vorangehen. Lösungen und Wege finden, so skizzierte er seine Devise. Etwas, das ihm zuletzt nicht gelang: „Es ist viel Potenzial in allen Richtungen da, wir müssen uns schnell verbessern“, behauptete er. Barisic beeilte sich festzustellen, man müsse auf einem explosiven Pflaster wie Rapid auch Ruhe bewahren. Das kostet derzeit sicher viel Energie, wird, wenn man an die Reaktion einiger Fans denkt, schwer möglich sein. Daher stellte Barisic nur klar, dass Feldhofer auch gegen Sturm Graz am Sonntag Trainer sein wird. Mehr hingegen nicht. Feldhofers Vertrag läuft bis Juni 2023. Hat er gegen seinen Ex-Klub die letzte Chance?

Vom Fansektor wird es Sonntag sicher Proteste geben. Die Tabellenführung des LASK mit Feldhofers Vorgänger Didi Kühbauer, auf den Samstag daheim gegen Altach vermutlich das nächste Erfolgserlebnis wartet, tut weh. Sonntag-Gegner Sturm Graz tut sozusagen als Beweis dafür, wie sehr Rapid hinter seinen Ansprüchen hinterherläuft, noch mehr weh. Sturm hat eine attraktive Gruppe in der Europa League, Rapid ist international nicht vertreten. Sturm kassiert eine zweistellige Millionensumme für den Rekordtransfer von Rasmus Höjlund, der möglich wurde, weil  die Grazer im Jänner 2021 WSG Tirol für Kelvin Yeboah mehr boten als Rapid.  Sturm zahlte 1,2 Millionen Euro Ablöse, wozu Rapid nicht bereit war, konnte Yeboah ein Jahr später für 6,5 Millionen an FC Genua verkaufen, sich daher Höjlund leisten und macht mit dem Dänen jetzt das beste Geschäft der Klubgeschichte. Ein Coup von ähnlichem Ausmaß gelang Raoid in letzter Zeit nicht, ist auch nicht zu erwarten. Daher hat Sturm auch wirtschaftlich Rapid überflügelt. Schlechte Aspekte für die grün-weiße Zukunft. Freitag Vormittag tagte das Rapid-Präsidium. Danach kursierten Gerüchte um einen Rückzug von Präsident Martin Bruckner und Wirtschafts-Geschäftsführer Christoph Peschek. Die auch am Abend keiner bestätigte.

 

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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