Fußball

Salzburgs Bullenduell gegen Leipzig ist Knaller! Rapid-Wiedersehen mit Villarreal

Das hilft vielleicht beim raschen Aufarbeite des Frusts über das elfte Scheitern in der Qualifikation zur Champions League, das „mächtuge Brett“ (Copyright Trainer Marco Rose), das Österreichs Red Bull Salzburg für die Gruppenphase der Europa League Freitag Mittag bei der Auslosung in Monaco bekam: Das „Bullenduell“ gegen Leipzig, das Konzernboss Didi Mateschitz nicht sonderlich freuen wird, ist ein internationaler Hit mit viel Feuer drin, der zweimal für Aufsehen sorgen wird. Erstmals gleich zum Start der Gruppe am 20. September in Leipzig. Beim FC Salzburg, wie der Klub offiziell im Europacup heißt, ist Mateschitz „nur“ noch Sponsor, in Leipzig praktisch der Klubbesitzer. Dazu warten  auf Xaver Schlager (Bild oben) & Co nach dem Scheitern gegen Roter Stern Belgrad  mit Celtic Glasgow und Rosenborg Trondheim die Meister aus Schottland und Norwegen. Ein Los mit  Champions League-Ausmassen.

Rose ist gebürtiger Leipziger, seine Familie lebt dort. Er könnte jetzt bei den Leipziger Bullen Trainer sein, hätte er sich nicht entscheiden, den Vertrag in Salzburg bis 2020 zu verlängern. Das Gefühl scheint Rose nicht im Stich gelassen zu haben, als er Mittwoch mitten in der Enttäuschung behauptete: „Ich habe das Gefühl, dass irgendetwas auf uns wartet, etwas ganz Großes.“ Jetzt hat er es, empfindet die Rückkehr in seine Heimat  zurecht als sehr spannend. Auch wenn die deutschen Medien etwas verächtlich vom „Brause-Duell“ schreiben. Brisanz gibt´s genug. Kein Zufall, das beide Teams einen ähnlichen Fußball spielen. Das stammt noch aus Zeiten als Ralf Rangnick, derzeit Trainer und Sportchef in Leipzig, auch in Salzburg Sportchef war und dies vorgab. Rose hat zwar einiges verändert, aber die Parallelen sind weiterhin da. Sechs Spieler bei Leipzig haben eine Salzburg-Vergangenheit. Ausser den Österreichern Marcel Sabitzer, Stefan Ilsanker und Konrad Laimer auch Tormann Peter Gulacsi, Innenverteidiger Dayot Upamecano und  Mittlfeldmotor Kevin Kampl. Als Nachfolger für den an Liverpool verkauften Naby Keita hätte Rangnick am liebsten Salzburgs Amadou Haidara geholt, doch er bekam die Mali-Perle nicht. Nach dem erzitterten Aufstieg gegen Sorja Lugansk gab Rangnick ehrgeizig, wie er nun einmal ist, den Europa League-Sieg als Saisonziel aus. Um sich so für die Champions League zu qualifizieren . Na dann.

Cetlic Glasgow und Rosenborg Trondheim kann man auch nicht so im Vorbeigehen bezwingen. Der Trainer von Schottlands Meister, Brendan Rodgers, war Vorgänger von Jürgen Klopp beim FC Liverpool, kann auf Schwedens WM-Verteidiger Mikael Lustig, den deutschen Innenverteidiger Marvin Compper, der früher bei Leipzig spielte, zählen, im Mittelfeld auf Israel-Teamspieler Nir Bitton. Für Tore sorgt meistens der Franzose Moussa Dembele. Bekanntester Spieler von Rosenborg: Der 30jährige exzentrische Däne Nicklas Bendtner. Seine beste Zeit hatte der Torjäger in London bei Arsenal, außerdem spielte er unter anderem auch bei Juventus und Wolfsburg.

Nicht mehr dabei im Dress von Red Bull Salzburg wird Hee Chan Hwang sein, der seit 2016 in 86 Pflichtspielen für 29 Tore und sieben Assists sorgte. Salzburg verlieh Freitag Mittag den 24jährigen in die zweite deutsche Liga zum Hamburger SV, der in Stürmernot war. Am Abend folgte der Japaner Masaya Okugawa, der Holstein Kiel verstärken soll. Die nachvollziehbare Begründung von Sportchef Christoph Freund bei  Hwang: Er  versäumte durch die WM-Teilnahme die komplette Vorbereitung, steht jetzt mit Südkorea in Djakarta im Finale der Asien-Spiele gegen Japan. Auf Grund der anderen fünf Stürmer im Kader kann man sich leisten, ihm woanders die Chance auf Spielpraxis zu geben.  Aber der Bundesligaabsteiger bekam keine Kaufoption auf Hwang, für den es im Finale um viel gehen wird: Gewinnen die Südkoreaner, muss keiner der Sieger den Wehrdienst leisten. Der dauert in Südkorea 21 Monate!

Bei Rapid wäre Hee Chan Hwang diskussionslos Stammspieler. Aber Grün-Weiß hat für die Europa League-Gruppen andere Hoffnungen. Etwa den serbischen Stürmer Andrija Pavlovic, der bis zu den Spiele gegen Villarreal, die Glasgow Rangers und Spartak Moskau wieder fit sein sollte. Alle drei Gegner bedeuten ein Wiedersehen mit der Rapid-Vergangenheit. Gegen die spanischen „Kanarienvögel“ in den gelben Dressen mit der unmittelbaren, weil Rapid in der Saison 2015/16 auf Villarreal traf, im Happel-Stadien 2:1 gewann, in Spanien 0:1 verlor. Präsident Michael Krammer behauptet bis heute, dass dieses Match das  beste in der Europa League während seiner Ära war. Einige Spieler von damals sind bei Villarreal noch dabei, neu sind Kolumbien-Stürmer Carlos Bacca, der nach dem Scheitern bei Milan einen neuen Anlauf nimmt und  der ehemalige Arsenal-Star Santi Cazorla. Nach jahrelangem Verletzungspech ist er für ihn ein Neubeginn.

Spartak Moskau und Glasgow Rangers bedeuten ein Revival der Sechzigerjahre: 1967 war es gelungen, Spartak Moskau im Achtelfinale des Europacups der Cupsieger durch ein Kopftor von Rudi Flögel zum 1:0 im Praterstadion zu eliminieren. Spartak Moskau ist aktuell Zweiter der russischen Liga, hatte mit Innenveteidiger Ilya Kutepov sowie den Mittelfeldspielern  Roman Zobnin und Aleksandr Samedov drei Mann im  WM-Aufgebot von Stani Tschertschessow. Trainer von Spartak ist ein Italiener: Massimo Carrera, Assistent von Antonio Conte, als der Italiens Teamchef war. Von 2006 bis 2011 hatte bei Spartak der Österreicher Martin Stranzl die Abwehr dirigiert. In dieser Zeit arbeitete auch Rapids derzeitiger Fitnessguru Toni Beretzki für Spartak.

Die Glasgow Rangers sind erstmals seit acht Jahren wieder im Europacup dabei. Dazwischen lagen Konkurs und Zwangsabstieg. Der bekannteste Mann beim Vierten der schottischen Liga ist der Trainer: Steven Gerrard, die Ikone des FC Liverpool, übernahm in Glasgow seinen ersten Chefposten. Im Tor steht der 36jährige Allan McGregor, der früher in der Champions League bei Besiktas Istanbul gespielt hatte. Mit Nordirlands Teamstürmer Kyle Lafferty erwartet Rapids Abwehr ein eher rustikaler Stil. Gegen die Rangers flog Rapid 1964 im Achtelfinale des Meisterbewerbs raus, verlor im Hampden-Park 0:1, in Wien 0:2. Dabei erlitt der damalige Rangers-Topstar Jim Baxter eine Beinbruch, der seine Karriere entscheidend stoppte.

Rapids Trainer Goran Djuricin sprach von einer interessanten Gruppe, Sportchef Fredy Bickel war überzeugt, dass Rapid eine gut Figur machen wird, obwohl er das als „kein Wunschkonzert“ betrachtete. „Alles ist machbar“, behauptete Mario Sonnleitner, der Torschütze von Bukarest. Da sprach noch die Freude über den erzitterten und vielleicht deshalb um so mehr gefeierten und bejubelten Aufstieg mit. Schafft es Rapid, bei diesen Gegnern zu überwintern, wäre dies auf einer Stufe mit dem Gruppensieg vor vier Jahren gegen Villarreal, Viktoria Pilsen und Dynamo Minsk.

 

Foto: © FC RB Salzburg Media (GEPA).

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