Fußball

Mehr Betreuer als Spieler: In Österreich noch Zukunftsmusik

Montag war bei Meister Salzburg in Dubai Einpacken angesagt. Einen Tag  vorher bei Rapid in Benidorm. Aus dem Trainingslager müssen alle benötigten Utensilien  zurückgebracht werden. Bei Rapid waren unter anderem 15 Koffer und 40 Taschen im Auto mit  Andreas Lorbek, dem Utensilien-Manager, wozu im modernen Fußballzeitalter mitunter Zeugwarte geadelt werden, unterwegs nach Wien. Salzburg transportiert 1,5 Tonnen Gepäck in 40 Metallkisten, darunter vier Massageliegen, einen Kompressor, medizinische Geräte für Ultraschall und Elektrotherapie, via Flugzeug von Abu Dhabi nach München und dann im Bus in die Mozartstadt. Der Titelverteidiger gilt als die Mannschaft in Österreich mit dem  profesionellsten Betreuerstab. Laut Homepage ein Cheftrainer, zwei Co-Trainer, ein Tormanntrainer, zwei Athletik-Trainer, der Teammanager, ein Videoanalyst, ein Scout,  zwei Ärzte, vier Physiotherapeuten,  zwei Zeugwarte, ein Mentaltrainer, ein Reha-Trainer, ein Koch und drei Übersetzer. Das sind insgesamt 23. Über 20 plus zwei Mann der Presseabteilung waren mit in den Emiraten. Jeden Tag besprach die sportmedizinische Abteilung den Zustand jedes Spielers, wonach sich das individuelle Trainingspensum richtete.

International kümmern sich noch mehr Betreuer um die Spieler. Es gab heuer Klubs mit mehr Betreuern als Spielern im Trainingslager. So weit ist es in Österreich nicht. Oder soll man besser sagen noch nicht? Der Hamburger SV, der vor Salzburg im Hotel Meydan in Dubai logierte, nahm so viele Experten wie nie zuvor mit. 32  für 29 Spieler: Ein Cheftrainer, drei Co-Trainer, je ein Torwart-, Athletik und Mentaltrainer, ein Videoanalyst,  vier Physios,  zwei Teammanager,  zwei aus der Marketingabteilung und dem Vorstand, der Direktor Sport, der Sportdirektor, der Klubmanager, je ein Koch, Arzt, Dolmetscher und Reisebegleiterin sowie sechs aus der Medien/Pr-Abteilung. Alle passten nicht  in einen normalen Mannschaftsbus. Zum Vergleich: Als der Hamburger SV noch ein europäisches Spitzenteam war, unter dem österreichischen Trainerguru  Ernst Happel 1983 in Athen gegen Juventus den Europacup der Meister, heute die Champions League, gewann, bestand das ganze Team hinter dem Team nur aus sechs Mann. Jetzt sind es 26 mehr. Aber trotz Megaaufwand  holten die Hamburger aus den ersten zwei Spielen dieses Jahres keinen Punkt, sind  Vorletzter.

Aber der Traditionsklub ist bei diesem Trend zum riesigen Betreuerteam in Deutschland gar nicht Spitzenreiter: Bei Bayern München umsorgten 47 Betreuer 26 Spieler beim Trainingslager in Katar, bei Dortmund gab es sieben Betreuer mehr (37) als Spieler (30). Schalke kam auf 34 Betreuer für 27 Spieler, Bayer Leverkusem auf 33 für 25. Hamburg ist in der  Betreuer-Tabelle daher „nur“ Fünfter. Mehr Betreuer als Spieler hatte auch Eintracht Frankfurt dabei, RB Leipzig begnügte sich mit 27 Betreuern für 28 Spieler. Die wenigsten leisteten sich Martin Hintereggers FC Augsburg und Schlusslicht Darmstadt mit je 15,  beim 1. FC Köln gab es zu dem Wiener Trainerduo Peter Stöger und Manfred Schmid  17 Betreuer.  Man kann das bei deutschen Verhältnissen  als fast bescheiden  bezeichnen.

Salzburg kam schon auf  mehr Betreuer als Köln. Der Vergleich zwischen dem Titelverteidiger und Vizemeister in Österreich: Bei Rapid flogen fünf Assistenten von Damir Canadi  nach Spanien, der Sportchef,  je ein Video-Analyst, Team-Manager, Arzt, Physiotherapeut und zwei Masseure. Vor Ort waren auch der Zeugwart und am Ende zwei aus der Kommunikationsabteilung. Gesamt 16 Betreuer. Kleiner ist beim Winterkönig Altach das Team hinter dem neuen Trainer Martin Scherb und Sportvorstand Georg Zellhofer: Die Vorarlberger kommen mit zehn Betreuern aus. Bei Austria kümmern sich  laut Homepage  inklusive Trainern, Ärzten, Physiotherapeuten, Therapeuten, Teambetreuer,  Scout und Presseabteilung 20 Mann  um die Mannschaft, bei Sturm Graz zwei weniger.

Sehr umfangreich aufgestellt ist auch das Betreuerteam rund um Marcel Koller bei der Nationalmannschaft. Für Sportdirektor Willi Ruttensteiner ist es aber nicht übertrieben, das sich inklusive Kult-Busfahrer Stefan Kutsenits 17 Mann, die der ÖFB seiner Homepage als Trainer und Betreuer aufzählt, um das Wohl der nationalen Hoffnungen kümmern: „Es wird immer mehr individuell trainiert. Das ist nun einmal überall der internationale Trend. Daher steigt auch die Zahl der notwendigen Betreuer.“ Wenn sich  Kollers Team  im März zum nächsten WM-Qualifikationsspiel gegen Moldawien trifft, sind wieder 17 Betreuer dabei, wird  auf der Trainerbank  kein Platz frei bleiben. Ganz im Gegenteil, sie muss vergrößert werden.  Für 25 Mann inklusive Ersatzspieler. Der Vergleich zu erfolgreicheren früheren Zeiten fällt zwar nicht so krass wie beim Hamburger SV aus, ist aber auch deutlich: Bei der WM 1978 in Argentinien waren zusammen sieben Trainer und Betreuer mit dem erfolgreichen Team im Quartier.

 

 

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