Fußball

Vom ORF bis Spocs Rocks: Mit Ljubicic kam das „Outing“ des umtriebigen Helge

Österreichs höchste Spielklasse ist eine Ausbildungsliga. Bisher galt das nur, wenn es um europäischen Topligen ging. Jetzt gilt das offenbar auch für die nordamerikanischen Major Soccer League. Diese Erkenntnis ist dem offiziellen „Outing“ von Helge Payer als Spielerberater zu verdanken. Als er letztes Jahr seinen Job als Tormanntrainer bei Rapid zurücklegte, den Weg für Jürgen Machos Rückkehr nach Hütteldorf freimachte, begründete er dies damit, wieder Pilot seines eigenen Leben sein zu wollen. In Richtung Job als ORF-Kommentator, mehr Zeit für Frau und Tochter, mehr Zeit für die eigenen Tormannschule, die er mit seinem Vater seit 2005 betreibt. Es gab schon Vermutungen, dass die Trennung zwischen Rapid und seinem ehemaligen Meistertormann bei den Titeln 31 (2005) und 32 (2008), der elf Jahre  für Grün-Weiß spielte, nicht so ganz einvernehmlich war. Schon damals fiel auf, dass die Adresse seiner Tormannschule im 14. Bezirk die gleiche war wie die der Österreich-Niederlassung der Spocs-Agentur, deren Geschäftsführer Sascha Empacher heißt. Der Payer nach der Rapid.Zeit zum griechischen Zweitdivisionär AEL Kalloni auf die Insel Lesbos vermittelt hatte.

Genau diese Spocs-Agentur, deren bekannteste Klienten Liverpools Topstar Mo Salah und der slowakischen Teamkeeper in Diensten von Newcastle, Martin Dubravka, sind, die Büros in neun Ländern hat, vermittelte letztes Jahr Rapids Wunschstürmer Sasa Kalajdzic von der Admira zu VfB Stuttgart, was in Hütteldorf einige Payer zum Vorwurf machten. Er besteht darauf, sich nichts zu Schulden kommen haben zu lassen:  „Ich habe sogar ein Treffen von Didi Kühbauer mit Kalajdzic vermittelt, er hat sich dann für Stuttgart entschieden.“ Damals stand aber noch Empacher in der ersten Reihe, „versteckte“ sich Payer dahinter. Nunmehr outete sich der 40 jährige im Zuge des bevorstehenden Transfers von Dejan Ljubicic zu Chicago Fire in die Major Soccer League. Er flog letzte Woche nach Belek, um im Rapid-Trainingslager darüber mit Sportvorstand Zoran Barisic zu verhandeln, er wird Dienstag mit Ljubicic, der gestern das Rapid-Trainingslager in Belek verlassen durfte, nach Chicago fliegen, Mittwoch dort den Vertrag, der bis 2024 laufen wird, fixieren. Er kam auf die Idee, dem Österreich-Ableger von Spocs den Namen Spocs Rocks zu geben. Unter dem ist er im Handelsregister bereits seit 2015 eingetragen. Mit Empacher und Payer als Geschäftsführer, Payer und dem Hauptunternehmen als Gesellschafter. 2015, das war vor seinen drei Rapid-Jahren. Zugleich Tormanntrainer zu sein und Spielerberater, das geht gar nicht. Der umtriebige Helge stellte die Spocs-Tätigkeit in dieser Zeit „ruhend“, Es gibt welche, die davon nicht überzeugt sind. Das bezeichnet Payer als bösartige Unterstellung: „Ich mache erst seit letzten Sommer richtig viel.“

Die Klienten von Payer sind außer Kalajdzic („sein großes Talent ist mir vor vier Jahren bei Donaufeld aufgefallen“) und Ljubicic, LASK-Neuerwerbung Husein Balic, an dem Rapid auch Interesse signalisierte, aber von St.Pölten nicht bekam, sowie Martin Fraisl, der Tormann des deutschen Zweitligisten Sandhausen, für den Payers bester Freund aus Rapid-Spielerzeiten, Stefan Kulovits, seit 2013 tätig ist. Bei Kalajdzic hofft Payer noch diese Saison auf ein Comeback, zudem der Augsburger Kniespezialist Ulrich Boenisch, der ihn letzten August operierte, mit dem Reha-Verlauf sehr zufrieden ist. Mit Ljubicic versucht der 20 fache Teamtormann Payer  auf den nordamerikanischen Markt vorzudringen. Damit beschäftigt sich auch ein anderer Ex-Teamgoalie, Franz Wohlfahrt, Der umtriebige Payer verteidigt  den Wechsel von Ljubicic, der Rapid um einiges mehr als drei Millionen Euro bringen wird, aus Spielersicht: „Man hat in Österreich ein falsches Bild. Es gibt eine neue Strategie in der amerikanischen Liga. Die will in fünf Jahen sportlich zur deutschen Bundesliga, englischen Premier League, zur La Liga in Spanien und der Serie A in Italien aufschließen. Deswegen gibt es eine neue Strategie, hauptsächlich junge Spieler mit viel Potenzial zu holen. Routiniers werden nur noch die Ausnahme der Regel sein“. Ex-Rapid-Torjäger Robert Beric,, den Chicago vor einer Woche engagierte, ist inzwischen 28, Ljubicic sechs Jahre jünger. Rapid hat Payer auch die siebenstellige Einnahme durch den Verkauf von Aliou Badji nach Kairo zu Al Ahly nach Kairo zu verdanken: Er wusste vom Schweizer Trainer von Al Ahly, Rene Weiler, dass er einen großgewachsenen afrikanischen Stürmer sucht. Kein Wunder, vermittelten doch Empacher und er Weiler aus der Schweiz nach Ägypten. Payer also dick im Geschäft: „Dank des Netzwerks von Sascha Empacher, das ich nutzen kann!“

Payers „Outing“, das für ihn eigentlich keines war, brachte auch eine ORF-Premiere ans Tageslicht: Seit Herbst kommentierte Herbert Prohaska gemeinsam mit einem Spielerberater die Matches der  österreichischen Nationalmannschaft, was schon eine Rarität bedeutet. „Das war alles abgeklärt“, versichert er, „das steht sogar in meinem Vertrag.“  Zuvor bei der WM 2014 und der EM 2016 sass Payer als Experte mit Prohaska und ORF-Moderator Rainer Pariasek an einem Tisch.

 

Foto: ORF.

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