Fußball

Warum nicht Toni Polster? Österreich braucht Stürmer-Trainer

Rapid wird auf der Suche nach einem neuen Torjäger vermutlich im Ausland, sprich Norwegen fündig. Am österreichischen Markt gibt´s keinen Kandidaten, der Grün-Weiß sofort helfen könnte. Zumal Thomas Goiginger, der  in Hütteldorf ein Thema war, um mehr Schwung in die Offensive zu bringen, am letzten Tages des Jahres, seinen Vertrag beim LASK bis 2022 verlängerte. Auch Teamchef Franco Foda wird sich mit Ausblick ins neue Jahr und die Qualifikation zur Europameisterschaft gegen Polen, Israel, Slowenien, Mazedonien und Lettland die Frage nach einem klassischen Mittelstürmer mit Spitzen-Niveau, der international konkurrenzfähig ist, stellen. Um so mehr, als Guido Burgstaller derzeit mit Verletzungen zu kämpfen hat. Einer, wie es als bishr letzter Marc Janko in der erfolgreichen Qualifikation für die  Europameisterschaft 2016 unter Marcel Koller war, als der Schweizer trotz vieler Kritiken an ihm festgehalten hatte, obwohl er in der Türkei bei Trabzonspor auf Eis gelegt worden war und dann im australischen Sydney spielte. Oder einer wie Toni Polster, als sich Österreich letztmals für eine Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Das liegt schon 21 Jahre zurück, war 1997 gelungen. Auch U21-Teamchef Werner Gregoritsch zerbricht sich bei den Gedanken an die EM-Endrunde im Juni, an die Spiele gegen Serbien, Dänemark und Deutschland in Udine und Triest  den Kopf über seine Stürmer. Wie oft wird Mario Kvasina bei Mattersburg spielen, wie oft Adrian Grbic in Altach? Die Hoffnung, dass sich bei Arnel Jakupovic und  Empoli etwas ändert, er in Italiens Serie A zum Einsatz kommt, hält sich in Grenzen.

Nicht nur Österreich hat dieses Mittelstürmerproblem, auch Deutschland sucht vergeblich einen Nachfolger für Miro Klose, seit der mit dem WM-Titel in Brasilien 2014 als WM-Rekordschütze seine Teamkarriere beendet hatte. Frei von Stümersorgen ist hingegen der Weltmeister: Frankreich hat so viele Top-Stürmer wie keine andere Nation. Man denke nur an den 19jährigen Jungstar Kylian Mbappe, der das meiste in der Akademie des Verbands in Clairefontaine vor den Toren von Paris lernte. Oder Antoine Griezmann, der eine Ausnahme ist, weil er im spanischen San Sebastian bei Real Sociedad ausgebildet wurde. Oder Oliver Giroud, den 32jährigen Routinier in Diensten von Chelsea. Oder den 27jährigen Alexandre Lacazette bei Arsenal.  Auch in der deutschen Bundesliga gehören Franzosen zu den Top-Torschützen: Sebastien Haller, ein Schützling von Adi Hütter bei Eintracht Frankfurt oder Alasanna Plea bei Mönchengladbach. Mit je neun Toren sind sie unter den Top Ten der Schützenliste. Selbst der 21jährige Jean-Philippe Mateta bei Mainz zeigte bereits auf. Sie haben ein Merkmal: Körperlich stark und schnell.

Wie schaffen es die Franzosen, so gute Stürmer zu produzieren? Ein Grund wird sicher sein, dass  die Mannschaften der Ligue 1 speziell ausgebildete Stürmertrainer einsetzen, die „Formateur“ genannt werden. Ein „Formateur“ kümmert sich zweimal pro Woche um alle Stürmer im Profibereich und beim Nachwuchs, lässt gezielt den Abschluss trainieren, teilweise mit Schusswänden, an denen Zielscheiben angebracht sind. Und zudem nützen Frankreichs Klubs den Kennerblick ihrer ehemaligen Torjäger. Vergleiche mit Österreich?  Die Klubs beschäftigen zwar Tormanntrainer, aber nur Salzburg hat in seinem Betreuerstab mit dem ehemaligen Bayern-Angreifer Alexander Zickler einen Stürmertrainer. Bis vor zwei Jahren gab es den auch bei Rapid mit Carsten Jancker. Zickler wird schon seinen Anteil daran haben, dass Munas Dabbur und Smail Prevljak ziemlich treffsicher sind, sich Platz eins in der Torschützenliste teilen.

Es wäre doch ein guter Vorsatz für das neue Jahr, wenn in Österreich Stürmertrainer mehr in Mode kommen. Willi Ruttensteiner hatte in seiner Zeit als Sportchef im ÖFB einmal diese Idee. Redete Toni Polster (Bild oben) auf den Plan an, ihn als Stürmertrainer in den Leistungszentren einzusetzen.  Das war so gut wie abschlussreif, doch über Nacht verschwand der Plan in irgendeiner Schublade, wo er bis heute blieb. Es wäre Zeit, sich wieder etwas in dieser Richtung zu überlegen, eine Herausforderung für Ruttensteiners Nachfolger Peter Schöttel ebenso wie für die Vereine. Da geht´s nicht um einen zusätzlichen Job für Polster, derzeit als Trainer beim ungeschlagener Wiener Liga-Winterkönig Wr.Viktoria sicher nicht ausgelastet, sondern um die Sache. Da gibt´s auch andere, die man sich vorstellen könnte. Etwa den ehemaligen Mario Haas, den Torjäger der besten Sturm-Mannschaft aller Zeiten. Nur über die Stürmernot zu klagen und nichts dagegen zu unternehmen, das ist schwach, wird auch 2019 zu wenig sein.

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