Fußball

Wer glaubt noch an Peter Stöger und den 1.FC Köln?

Eigentlich unglaublich, dass ein Trainer eines Tabellenletzten fast täglich in den Schlagzeilen vorkommt. Wie Peter Stöger mit dem 1.FC Köln. Sowohl während der Länderspielpause als auch jetzt danach.Weil sich der 51jährige Wiener auch in der schlimmsten Krise seiner viereinhalbjährigen Kölner Ära treu bleibt. Letzten Sonntag kickte er in der populären ARD-Serie „Lindenstraße“ im roten Sakko einen Fußball durch dir Kulisse, ohne einen eigenen Satz zu sagen. Dass der Auftritt als Schauspieler mitten in das schlimme Kölner Tief fiel, konnte bei den Dreharbeiten im Juni noch keiner wissen. Beim „Kölner Treff“, einer WDT-Talk-Sendung trug er vergangene Woche einen glänzenden, grauen Anzug und rote Schuhe, die ihm seine Freundin Ulrike Kriegler in London kaufte. Zu den vielen Scherzen der lässigen Österreicher zählte einen Tag vor Karneval Ullis Vorschlag, Peter könnte ja als „Abstiegsgespenst gehen“.

Stöger verzichtete wie seine Spieler auf Karnevalfeierlichkeiten. Es gibt nichts zum Lachen. Mit Innenverteidiger Dominique Heintz und Mittelfeldspieler Marco Höger kamen zwei Ausfälle bis Jahresende dazu, Dienstag mussten Stöger und seine Spieler auf den Kölner Südfriedhof  zum Begräbnis der größten sportlichen Ikone der Vereinsgeschichte, von Hans Schäfer, dem Weltmeister von 1954. Wenige Wochen davor bei den Feierlichkeiten  zum 90.Geburtstag Schäfers hatte Stöger ihn noch kennenlernen dürfen.

Das Samstag-Spiel in Mainz  gilt für manche als letzte Chance auf den Neustart. Gegen Mainz schaffte Köln in der letzten Runde der abgelaufenen Saison daheim mit 2:0 den Sprung auf Platz fünf und in den Europacup, jetzt meinen viele, bereits ein Unentschieden wäre in der derzeitigen Situation zu wenig. „FussballBild“ startete eine Umfrage in der Bundesliga: Wer glaubt noch an Kölns Rettung?  Eigentlich fast alle. Angefangen von Bayerns Weltmeister Mats Hummels über Augsburgs Trainer Manuel Baum („wir hatten einmal im Winter auch nur neun Punkte und blieben drinnen“), Heiko Herrlich von Kölns Lokalrivalen Leverkusen („ich mag meinen Kollegen, habe großen Respekt vor seiner Arbeit“) bis zu Stögers Landsmann Ralph Hasenhüttl, der Samstag mit RB Leipzig in Leverkusen gastiert: „Es wird verdammt schwer, aber ich drücke die Daumen. Köln muss drinnen bleiben.“ Zudem erwarten alle in der Wintertransferzeit  Kölner Aktivitäten, denen Stöger allerdings etwas reserviert gegenübersteht: „Man weiss ja aus Erfahrung, dass im Winter mehr Fragezeichen als Verstärkungen auf den Markt kommen.“ Im Mittelpunkt des Trainings stand in den letzten Tagen das Defensivverhalten, weil Köln in elf Runden 22 Tore, die meisten in der Liga, kassierte: „Ich bin ein Trainer, der den Weg aufzeigen kann, nicht der klassische Motivator.“ Das Ziel bis zur kurzen Winterpause: In den zweistelligen Puntkebereich kommen. Also mindestens acht Punkte aus den sechs Spielen gegen Mainz, Hertha BSC Berlin, Schalke, Freiburg, Bayern München und Wolfsburg holen.

Zwei rot-weiß-rote Fragezeichen gibt es vor dem Derby zwischen Favorit Bayern, der bei tipp 3 eine Siegesquote von nur 1,12 hat, und Augsburg in München: Beim krassen Aussenseiter ist der Einsatz von Michael Gregoritsch fraglich, das Comeback von Martin Hinteregger Trainer Baum noch zu früh und riskant. Bei Bayern stand David Alaba nach der Muskelverhärtung im linken Oberschenkel, die ihn zur Absage bei Österreichs Nationalteam gezwungen hatte, Donnerstag erstmals im Mannschaftstraining, allerdings nur beim Aufwärmen und zu Passübungen.  Möglich, dass der Brasilianer Rafinha statt Alaba spielt. Mittwoch Abend sah sich Alaba Bayerns Basketballer an, sass neben dem deutschen Teamstürmer  David Wagner. Der soll im Jänner für zehn Millionen Euro Ablöse von Hoffenheim nach München wechseln. In Zeiten wie diesen haben auch Stürmer, die als Back-Up geplant sind wie Wagner für Robert Lewandowski, ihren stolzen Preis. Überraschend, dass sich Wagner, der Ende des Monats 30 wird,  darauf einlässt. Schliesslich geht es für ihn auch um einen Platz in Jogi Löws WM-Kader.

 

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