Fußball

Zum 70. Geburtstag von Herbert Prohaska 70 Geschichten über Prohaska – Tag 14

70 Geschichten Herbert Prohaska 70 Geburtstag

Am 8. August feiert Herbert Prohaska, Österreichs Jahrhundertfußballer, der letzte Teamchef, mit dem sich Österreich für eine Weltmeisterschaft qualifizierte, seinen 70. Geburtstag.  Sie können bis zum Ehrentag täglich eine Geschichte aus dem Leben von Herbert Prohaska, insgesamt 70, lesen.

Brasilien-Fan Herbert Prohaska stand mit Österreich als Gruppensieger und Aufsteiger fest, die „Selecao“ war nach Unentschieden gegen Spanien und Schweden unter Zugzwang. Brasilien hatte eine der schwächsten WM-Mannschaften aller Zeiten, Roberto Rivelino, der Weltmeister von 1970, war bereits 32 Jahre alt. Die Konstellation führte dazu, dass die Einstellung hieß, wenn´s leicht geht, schicken wir noch die Brasilianer heim, wenn nicht, ist´s egal! Was nicht gut war. Irgendwie spielten die Österreicher wie mit angezogener Handbremse, keiner riss sich an einem kühlen Junitag in Mar del Plata einen Haxen aus. Auf einem fürchterlichen Rasen, das Spielfeld sah bald umgeackert aus wie nach einem Pferderennen. Ein Tor von Roberto Dinamite knapp vor der Pause sorgte für das 1:0 Brasilien, der spätere Weltstar Zico, damals 25, wurde sechs Minuten vor Schuss eingewechselt.

In der Zwischenrunde traf Österreich auf Holland, Italien und Weltmeister Deutschland. Es zeigte sich leider, wie sehr die erste Niederlage geschadet hatte. Es gelang nicht mehr, die Handbremse zu lockern, mit Vollgas zu spielen. So liefen die Österreicher gegen Happels „Oranje“ in Cordoba in ein 1:5-Debakel, Prohaska fühlte sich ähnlich wie fünf Wochen zuvor mit der Austria beim Debakel im Europacupfinale. Die Österreicher spielten so, wie es die Holländer wollten, ließen sich auskontern. Für die Austrianer hieß es nach zwei Spielen gegen Arie Haan und Rob Rensenbrink 1:9. Zur miesen Stimmung passte, dass nachher am Flughafen von Cordoba das Licht ausging, der Rückflug nach Buenos Aires wegen Schlechtwetters ausfiel.

Eigentlich hätten beim 1:5  die Spielerfrauen auf der Tribüne sitzen sollen. Die kamen auf Kosten der Ersten Österreichischen Sparkasse nach Argentinien. Das hatten sie Hans Krankl zu verdanken. Kurz nach der geschafften Qualifikation fragte ihn auf einer Werbeveranstaltung des Bankinstituts in der Wiener Stadthalle der vor kurzem verstorbene Conferencier Peter Rapp, was er sich denn wünsche, sollte Österreich bei der WM die Gruppenphase überstehen. Krankls Wunsch, dann die Spielerfrauen zur WM einfliegen zu lassen, wurde erfüllt. In einigen Zeitungen wurde ihre Ankunft mit dem 1:5-Debakel in Zusammenhang gebracht. Obwohl es bis dahin gar kein Wiedersehen gegeben hatte. Denn der Flug von Buenos Aires nach Cordoba fiel wegen Nebels aus. Sie sahen den Untergang im Hotel Buenos Aires, sorgten später noch unbeabsichtigt für Schlagzeilen. Nach dem Holland-Spiel blieben sie wie ausgemacht einen Tag im WM-Camp in Moreno. Darauf folgten mediale Spekulationen, ob sie auch über Nacht geblieben waren und dies den weiteren WM-Erfolg kosten konnte. Eigentlich lächerlich. Aber Teamchef Helmut Senekowitsch bestand beim zweiten Besuch darauf, dass die Frauen abends wieder nach Buenos Aires zurückfuhren. Als sie bereits  unterwegs waren, wurde in der Mannschaft über die Handlung von Senekowitsch geschimpft. Prohaska, mitunter durchaus nicht einer Meinung mit dem Teamchef, hielt sich aus der Diskussion, die für ihn fast peinliche Züge annahm, heraus, ging schlafen. Einige Mitspieler waren deshalb auf ihn böse, in erster Linie Krankl. Für kurze Zeit war die Freundschaft auf Eis gelegt.

3

Meist gelesen

Nach oben