Auch wenn Austrias Präsident Kurt Gollowitzer Schweigen zum Machtkampf mit den Investoren verordnete, wird er damit Violett nicht aus den nicht gerade vorteilhaften Schlagzeilen herausbekommen. Dazu sind die Vorwürfe, die das Wirtschaftsunternehmen Ernst & Young seit einem Monat im Auftrag des Aufsichtsrats der Austria-AG untersucht, zu schwerwiegend. Speziell gegen Finanzvorstand Harald Zagiczek, dessen Vertrag mit Saisonende ausläuft und eigentlich im Jänner hätte verlängert werden sollen. Bei jener Sitzung, bei der plötzlich von Unterschlagung einer sechsstelligen Summe sowie der Führung von Schwarzgeldkassen die Rede war. Dagegen sind die Beschuldigungen von Zagiczek in Richtung des ehemaligen Sportvorstands Jürgen Werner und des früheren Sportdirektors Manuel Ortlechner leichter zu widerlegen. Eine Provision von 20.000 Euro ist branchenüblich und beim Transfer von Mittelfeldspieler Abubakr Barry auch nicht übertrieben. Sie ging an jene Agentur, die seit Jahren Spieler aus Israel nach Österreich vermittelt. Zu Austria schon vor Barry (beispielsweise den israelischen Abwehrpieler Baltaxa), zu Wolfsberg (unter anderem Torjäger Tai Baribo) oder zu Rapid (Nenad Cvetkovic). Die zweite Agentur, die im Spiel war, ist der israelische Partner der österreichischen, der die Hälfte der Provision bekam. Dass nur die österreichische als Verhandlungspartner offiziell auftrat, hat einen nachvollziehbaren Grund: Wenn ein Verein die Rechnung nicht zahlt, ist es leichter, dies bei einem österreichischen Gericht einzuklagen als in Israel. Mitunter zahle auch die Austria Rechnungen nicht zum fälligen Termin.
Überdies stellt sich im „Fall Zagiczek“ die Frage, wie viel Gollowitzer von den Aktivitäten seines Finanzvorstands bei den Gesprächen mit dem Kroaten Josko Rokov, der den Kontakt zu nordamerikanischen Investoren herstellte, die in Europa durch die in London ansässige Revolution Sports Investment vertreten werden, wusste und ob er sie in dieser Form billigte. Gollowitzer schrieb jedenfalls am 3. Juli 2025 einen Brief an Tony Ashgar, dem Geschäftsführer von Revolution Sports, in dem er Zagiczek praktisch die Vollmacht für Verhandlungen erteilte und auf einen baldigen positiven Abschluss hoffte, zu dem es nicht kam. Rokov stand auch mit dem ehemaligen Austria-Vizepräsidenten Raimund Harreither, der zu den Investoren der Viola AG gehört, und Peter Podsedensek, dem Vize-Vorsitzenden des Austria-Verwaltungsrats, der auch Investor ist, in Kontakt, informierte sie über das Scheitern der Gespräche mit Zagiczek. Der Ärger des Kroaten über den Finanzvorstand muss groß sein, sonst hätte er nicht im Jänner in Graz eine eidesstattliche Erklärung zu seinen Vorwürfen gegen Zagiczek abgegeben. Das ist in dieser Branche eher ungewöhnlich.
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