Fußball

Adi mitten im Berner Chaos

In Köln gilt derzeit ein Werbeslogan von Peter Stögers persönlichem Sponsor Manner sozusagen als Programm und heißt mehr denn je: Stöger mag man eben! Noch mehr seit dem 3:1  am Mittwochabend bei Schalke. Der dritte Sieg hintereinander von Köln unter dem Wiener Trainerduo Peter Stöger-Manfred Schmid bedeutete den Sprung auf Platz zwei hinter Bayern. Seit dem 50. Geburtstag von Stöger am 11. April hat Köln saisonübergreifend neun Ligaspiele hintereinander nicht verloren, Sonntag im Duell der Ex-Austrianer gegen Ralph Hasenhüttel und Sensationsaufsteiger Leipzig geht es um das zehnte, ehe der Schlager gegen Bayern in München folgt: „In einer wahnsinnigen Stadt wie Köln macht das Spaß“, lächelt Stöger, der  im Moment die Bürgermeisterwahl in der Domstadt garantiert mit  klarer Mehrheit gewinnen würde. Mit seiner Geburtstagsserie macht Stöger Jagd auf die Erfolgsbilanzen  der großen Kölner Trainernamen.

An der Spitze: Christoph Daum mit 17 Partien ohne Pleite in der Saison 1988/89. Und so nebenbei distanzierte Stöger mit Köln den Lokalrivalen über dem Rhein, Bayer Leverkusen, in vier Runden gleich um sechs Punkte.  Obwohl der im Sommer viele, viele Millionen mehr investierte. Mittwoch sass beim enttäuschenden 0:0 gegen Augsburg der von Sportvorstand Rudi Völler jovial begrüßte  Marcel Koller auf der Tribüne. Sah ein solides Debüt von Aleksandar Dragovic, auf der Gegenseite einen ebenfalls soliden Martin Hinteregger. Aber nicht seinen Teamkapitän Julian Baumgartlinger und Rambo Özcan. Leverkusens Nummer zwei im Tor hinter  dem unantastbaren Bernd Leno könnte  auch ohne Spielpraxis gegen Wales und Serbien ein Thema sein, falls Robert Almer nicht fit wird.

Nicht so entspannt wie Stöger und Hasenhüttl, Österreichs erfolgreichen Trainerlegionären in Deutschland, geht es dem in der Schweiz: Adi Hütter kämpft bei Young Boys Bern gegen das vor zwei Wochen ausgebrochene Chaos. Dabei beginn dei Saison gut: Schachtjor Donezk in der Qualifikation zur Champions League eliminiert, dann aber klar an Gladbach mit 1:3 und 1:6 gescheitert. Aber immerhin Europa League-Gruppenphase gegen Griechenlands Serienmeister Olympiakos, Astana und Apoel Nikosia. Aber dann kam aus heiterem Himmel die Entlassung von Sportchef Fredy Bickel und Wirtschaftsvorstand Alain Kappeler. Bickel, ein Vertrauter von Koller, hatte auch auf Empfehlung des Teamchefs Hütter letzten Herbst geholt. Der Verwaltungsrat und die Besitzer Andy und Hansueli Rihs verordneten dem Traditionsklub ein rigoroses Sparprogramm, wollten einen der auffälligsten Toupetpräger Europaas, Urs Siegenthaler, den Chefscout von Deutschlands Weltmeisterteamchef Jogi Löw, als starken Mann  installieren. Siegenthaler sass ohnehin bereits im Verwaltungsrat. Als der unglücklich artikulierte, die Jagd auf Abonnementmeister Basel könne kein Thema sein, brachte er die Fans massiv gegen sich auf. Die Empörung war so groß, dass der Einflüstereer zurücktreten musste, bevor er richtig anfangen konnte.

Zur Pressekonferenz, in der die Besitzer nach vielen Kommunikationspannen  mit tagelanger Verspätung ihre Entscheidungen begründen wollten, kam Andy Rihs mit Ringelsocken in der Klubfarben gelb-schwarz. Beim 0:1 zum Europa League-Start gegen Olympiakos streikten die Fans im Stade de Suisse. Schweigen statt Anfeuerung, bis Hütter in der Pause zur Tribüne ging und um Unteerstützung bat. Die prompt folgte. Schweizer Medien bezeichneten den erfolgsorientierten Hütter, der letzte Saison  die Berner vom Tabellenende auf Platz zwei geführt hatte, angesicht des neuen Sparkurses als „angepisst“, was der aber abstreitet: „Okay, Basel hat mehr Budget, mehr Potenzial, aber wir müssen trotzdem um den Titel mitspielen. Einige  Spieler haben für ihre Leistungen zu lukrative Verträge.“ Nach acht Runden mit drei Niederlagen liegt der Zweite Bern schon wieder neun Punkte hinter Basel. Der Ausfall des kopfballstarken, spielintelligenten französischen Torjägers Guillaume Hoarau kostet Bern zu viel Klasse, wie man auch Mittwoch beim 0:0 in Vaduz sah. Keines der drei Spiele mit Bern im Fürstentum konnte Hütter bisher gewinnen – drei Unentschieden: „Diesmal hätten wir schon ein Tor verdient.“ Die Chaostage ließ er nicht als Entschuldigung gelten: „Das ist eine andere Ebene.“

Seit Donnerstag weiß er, wer auf Bickel als  Sportchef folgt. Es kam  zu einer internen  Lösung.  Mit dem 38jährigen ehemaligen Schweizer Teamspieler Christoph „Wuschu“ Spycher, einem Berner Urgestein.  Zum bisherigen  Talenteentwickler  hat Hütter einen guten Draht. Ein Lichtblick in den Berner Chaostagen, bei dem die Fans  in Vaduz auf einem Transparent ein Spektakel  am Rasen statt Zirkus in der Teppichetage  forderten. Als Teppichetage bezeichnen sie den Verwaltungsrat.

 

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