Im dritten Spiel der Weltmeisterschaft gab es das erste Unentschieden. Bei der Eröffnungs-Party in Toronto, bei der Alanis Morisette die kanadische Hymne sang, trennten sich Kanada und Bosnien 1:1 (0:1), wobei die von Ex-Salzburg-Trainer Jesse Marsch trainierten Kanadier erst in der 79. Minute durch den zwei Minuten davor eingewechselten Southampton-Stürmer Cyle Larin (Bild) bei den Punkt retteten. Zum erhofften ersten kanadischen WM-Sieg reichte es nicht, aber immerhin zum ersten Punktgewinn. Bei dem das Stadion von Toronto nicht ausverkauft war. Auf Höhe der Mittellinie blieben tausende Plätze frei, die von der FIFA gemeldeten 44.850 Zuschauer in dem Stadion, das 45.664 fasst, waren es sicher nicht. Sicher waren rund 20.000 bosnische Fans auf den Tribünen.
Bosnien musste mit dem an der Schulter lädierten Edin Dzeko und Haris Tabakovic die besten Stürmer vorgeben, begann mit dem in Klagenfurt geborenen Ex-Wolfsberger Tarik Muharemovic im Abwehrzentrum und dem Ex-Salzburger Amir Dedic als Rechtsverteidiger. Mit Kerim Alajbegovic wurde ein weiterer Ex-Salzburger erst in der zweiten Hälfte eingewechselt. Der als Dzeko-Ersatz aufgebotene Jovo Lukic, Schützenkönig der rumänischen Meisterschaft, brachte Bosnien in Führung. Der 1,90 Meter große Lukic traf nach einem Eckball in der 21. Minute per Kopf. In der zweiten Hälfte wurden die Kanadier besser, waren aber zu umständlich. Stuttgarter-Stürmer Ermedin Demirovic hatte das 2:0 auf dem Fuß, legte sich den Ball aber zu weit vor. Das rächte sich. Bosniens Passivität ließ den Ausgleich zu: „Wir haben gemerkt, dass Bosnien angeschlagen ist. Ein wichtiger Punkt“, meinte Marsch. Von dem auch Bosniens Teamchef Sergej Barbarez sprach. Samstag trifft Gruppenfavorit Schweiz in San Francisco auf Katar.
Leere Plätze gab es auch in Guadalajara beim 2:1 (0:0) von Südkorea gegen Tschechien nach 0:1-Rückstand. Die offizielle Zuschaueranzahl (44.985) stimmte sicher nicht mit der Realität überein. Mit Südkorea gewann die aktivere Mannschaft nicht unverdient. Mittelfeldspieler Hwang In-Beom von Feyenoord Rotterdam gelang der Ausgleich, Besiktas-Legionär Hyeon-gyu Ch erzielte elf Minuten nach seiner Einwechslung das Siegestor. Er setzte kurz nach Tschechiens Führung den Austrianer Taesok-Lee, der es mit dem WM-Debüt seinem Vater gleich tat: Er gehörte zum südkoreanischen Team, das 2002 bei der Heim-EM mit dem Holländer Guus Hiddink als Teamchef sensationell ins Semifinale kam. Mit dem Startsieg ist Südkorea auf Kurs zum Aufstieg.
In der Nacht auf Sonntag kommt es um Mitternacht im Finalstadion in New Jersey zum mit Spannung erwarteten Auftritt von Rekordweltmeister Brasilien gegen Marokko, die Sensation der Katar-WM. Carlo Ancelotti, als Klubtrainer fünfmal Champions League-Gewinner und sechsmal nationaler Meister, bietet bei seinem Teamchefjob im Abwehrzentrum ein Duo aus dem letzten Champions League-Finale auf: Marquinhos von Sieger Paris St. Germain und Gabriel, dessen verschossener Elfmeter Arsenal zum Verlierer machte. Im Mittelfeld ist der 34 jährige Oldie Casemiro von Manchester United gesetzt, die Offensivtrümpfe kommen mit Raphinha und Vinicius junior von Barcelona und Real Madrid. Seit 2002 hat die Selecao nie mehr das Finale erreicht.
Foto: FIFA.