Fußball

Der dritte grün-weiße Anlauf zum ersten Derby-Tor im neuen Superstadion

In den letzten acht Wiener Derbys gab es nur je einen Heimsieg für Grün-Weiß und Violett. Und trotzdem gilt vor der 322. Auflage am Sonntag im mit 26.000 Zuschauern ausverkauften Hütteldorfer Allianz-Stadion bei den tipp3-Quoten (siehe unten) Rapid als Favorit. Wer 10 Euro auf den Sieg der Heimmannschaft setzt, bekommt 18,50 zurück. Wer an den dritten Derby-Auswärtssieg unter Thorsten Fink hintereinander setzt, der kriegt immerhin noch 33. Könnte daran liegen, dass die Austria nach zwei Runden punktelos Letzter ist.

Verliert Rapid, wäre es der 100. Derbysieg des Erzrivalen. Der bisher im neuen Rapid-Stadion so wie ansonst nur Meister Red Bull Salzburg in zwei Spielen ohne Gegentor blieb. Für Rapid ist´s der dritte Anlauf, gegen Austria dort ein Tor zu schießen: Die ersten zwei endeten mit 0:2-Niederlagen. Am 23. Oktober 2016 unter Mike Büskens durch einen umstrittenen Elfmeter von Raphael Holzhauser, den Referee Harald Lechner nachher selbst nach Videostudium eher als Fehlentscheidung bezeichnete, und Alex Grünwald. Ein halbes Jahr später am 23. April 2017 hieß es wieder 0:2. Unter Goran Djuricin,  der dritte Rapid-Trainer in dieser Seuchensaison. Damals bekam Rapid Larry Kayode nicht in den Griff, auch wenn die Tore die schnelle Flügelzange, sprich Lucas Venuto, der vier Minuten später  einen Kreuzbandriss erlitten hatte, und Rodrigues Pires  fielen. Sonntag fehlt der rekonvaleszente Venuto sicher,  auch zum ersten Saisoneinsatz von Kayode dürfte es nicht kommen. Spricht also einiges für Grün-Weiß? Djuricin sah als Schlüssel zum Sieg, die eigenen Angriffe besser abzusichern als beim ersten Derby in seiner Rapid-Ära. Aber für einen Sieg muss auch einer treffen: Der umworbene Joelinton nach seiner Sperre oder Louis Schaub mit seinem ersten Saisontor oder Ex-Austrianers Thomas Murg mit seinem zweiten?

Sowohl Austria als auch  Rapid sind ja noch auf Spielersuche. Sportchef Franz Wohlfahrt soll bereits einen 20jährigen Offensivspieler aus Asien als  Zukunftsaktie in Violett an der Angel  haben. Kollege Fredy Bickel gab zu, Kandidaten zum Testtraining geholt zu haben. Überzeugen konnte bisher keiner. Bickel will für die Entscheidung über einen Stürmer weiterhin die ganze Transferzeit bis Ende August, ausreizen.Die beste Option will man weiterhin nicht: Das größte Talent Kelvin Arase in den Kader hochziehen! Der spielt derzeit mit Rapids U 19 beim Ruhr-Cup in Dortmund. Die erzielt dort Resultate, die der Kampfmannschaft aktuell nicht zuzutrauen sind: Unentschieden gegen Real Madrid und Monaco, Sieg gegen Bayern München!

Mut machen wollte sich Rapid  mit einem neuen Sponsor aus der Immoilienbranche namens Immo United  und Umfragen, die das Image als  populärster Klub Österreichs  und Wiens bekräftigten: 900.000 sind an Rapid interessiert, es gibt doppelt so viele Sympathisanten. In Wien bekennen sich 45 Prozent zu Rapid, 14 Prozent zur Austria.  Aber  das war auch letzten Herbst und heuer im Frühjahr nicht viel anders und dennoch gewann die Austria in Hütteldorf. Das violette Erfolgserlebnis ausserhalb des Rasens verkündete Conda,  die größte Crowdinvestment-Plattform Österreichs: Jene 633 Investoren, die sich am Neubau der Generali Arena beteiligten, bekamen für 2016 einen Gewinn ausbezahlt.  Insgesamt 52465 Euro durch 2,5 Prozent Verzinsung plus ein Prozent Bonus durch die Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League. Rapid hatte bei Conda bereits im Dezember 2016 ein ähnliches  Ergebnis: 1500 Investoren erhielten 120.000 Euro . Im Schnitt also für jeden Investor bei den Wiener Großklubs 800 Euro Gewinn für 2016. Für 2017 wird es bei Rapid anders aussehen: Weil es da keine Europacupteilnahme gibt

Eigentlich würde sich das Allianz-Stadion derzeit für Austria als ideale Europacup-Heimstätte anbieten, wenn das Happel-Stadion nicht wie gegen NK Osijek wegen des Konzerts von Robbie Williams nicht zur Verfügung steht. Da erinnert man sich daran, dass Austria bereits in Hütteldorf Europacup spielte: 1977 die ersten zwei Heimspiele gegen Cardiff und Lok Kaschau am Weg ins Pariser Europacupfinale im Hanappi-Stadion, in den Achtzigerjahren  insgesamt viermal  in zwei Saisonen im Europacup der Meister, darunter gegen den FC Liverpool (1:1) und Bayern München (3:3) vor ausverkauftem Haus. Zuletzt 1992 beim 3:1 gegen den FC Brügge in der verpassten Qualifikation zur Champions League mit Wohlfahrt im Tor sowie den numehr erfogreichen Traienrlegionären in Köln und Leipzig, Peter Stöger und Ralph Hasenhüttl, der in der Nachspielzeit das dritte Tor erzielte. Damals war das noch möglich, über drei Jahrzehnte später ist das Sicherheitsrisiko wohl zu groß, weil sich Minderheiten beider Fanlager so extrem entwickelt haben. Also weicht die Austria  nach St. Pölten aus. Eigentlich schlimm, dass es so weit gekommen ist. Darüber sollten die Vernünftigen nachdenken.

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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