Auch Österreichs Bundesliga spielt bei Australiens WM-Überraschung mit: Jacob Italiano, Legionär in Graz beim GAK, war beim 2:0 (1:0) gegen die Türkei in Vancouver 74 Minuten lang Rechtsverteidiger in der stabilen Fünferabwehr der „Socceroos“. Eine Minute vor dem zweiten Tor wurde er ausgetauscht, es war erst der sechste Einsatz des 24 jährigen im australischen Team. sein Debüt feierte er im letzten Oktober. Die Kontertaktik von Teamchef Tony Popovic ging voll auf, die Türkei hatte zwar in der ersten Hälfte mitunter 80 Prozent Ballbesitz, in Führung ging aber Australien. Durch den zum „man of the match“ gewählten Nestory Irankunda. Der 20 jährige kam bei Bayern München nur in der zweiten Mannschaft zum Einsatz, wechselte daher nach London zu Watford in die zweite englische Liga. Connor Mitcliffe vom deutschen Absteiger St. Pauli fixierte den sechsten Sieg von Australien in seinem siebenten WM-Startspiel. Tormann Patrick Beach (Bild) geriet nur kurz nach der Pause in Verlegenheit. Als mit der Einwechslung von Juventus-Jungstar Kenan Yildiz mehr Tempo ins türkische Spiel kam. Fünf Chancen zum Ausgleich blieben genützt, zwei von Adra Güler von Real Madrid. Der Schock am Bosporus über die erste Niederlage im ersten WM-Spiel seit 24 Jahren war groß, zuvor war die Türkei in acht Spielen unbesiegt. Jetzt muss sie Freitag das Veliererduell gegen Paraguay in San Francisco gewinnen. Zum Siegerduell zwischen den USA und Australien kommt es in Seattle.
Die türkische Niederlage dient als Beweis für die Schwierigkeiten der europäischen Teams, sich zurechtzufinden. Niederlage für Tschechien, nur ein Unentschieden für Bosnien und die Schweiz. Bei der es im Frust über die zwei liegen gelassenen Punkte beim 1:1 gegen Katar zu einer neuen Wortschöpfung kam: Katarstrophe! Von Kapitän Granit Xhaka gab es einmal mehr Kritik an Mitspielern. Donnerstag heißt es bei Schweiz-Bosnien in Los Angeles für beide: Verlieren verboten. Der einzige europäische Erfolg an den ersten drei WM-Tagen gelang Schottland in Boston gegen Außenseiter Haiti. James McGinn, Kapitän bei Europa-League-Sieger Aston Villa, gelang das goldene Tor zum 1:0 (1:0), dem ersten schottischen WM-Sieg seit 36 Jahren.
Einiges schuldig blieb auch Brasilien beim 1:1 (1:1) gegen Marokko im Finalstadion New Jersey. So wird das Team von Carlo Ancelotti, dem ersten ausländischen Teamchef Brasiliens, sicher nicht ins Endspiel kommen. Kritiker bezeichneten die zweite Hälfte als die schwächsten 45 Minuten seit dem schlimmen 1:7-Debakel gegen Deutschland bei der Heim-WM 2014. Der Ausgleich von Vinicius junior blieb das einzige Highlight. Brahim Diaz, Mitspieler von Vinicus bei Real Madrid, bereitete Marokkos Führung mit einem Superpass auf Ismael Saibari, der bei Bayern München auf der Wunschliste steht, vor. „Wir müssen weiter an uns arbeiten“, gestand Ancelotti, „aber Weltmeister wird man nicht im ersten Spiel!“
Foto: FIFA.