Fußball

Der grün-weiße Tank ist leer: Rapid zerstört sich selbst

Mehr als 40 Polizeiwagen rund um das Allianz-Stadion, ein Hubschrauber kreiste über Hütteldorf. Aber alle Befürchtungen der Exekutive dass es rund um das erste Finale im Play-off zwischen Rapid und Sturm Graz zu Ausschreitungen kommen könnte,  bewahrheiteten sich nicht. Im Gegenteil. Es blieb beim 1:2 (0:0) sowohl auf den Rängen unter den 15.800 Zuschauern ruhig, ebenso auf dem Rasen. Das letzte Heimspiel der dritten Saison im neuen Stadion endete mit einer Niederlage gegen einen alles andere als übermächtigen Gegner und der Befürchtung, in den letzten drei Jahren zum zweiten Mal nicht in den Europacup zu kommen.  Die Rapid-Stimme Andy Marek verabschiedete sich nachher mit belegter, deprimierte Stimme und den Sätzen „wir freuen uns schon auf die Saison 2019/20. Danke schön“ von den Fans. Es muss bis Juli viel passieren, sich einiges ändern, um sich wirklich freuen zu können. Die triste Gegenwart: Sturm kann sich Sonntag im zweien Finale in der Grazer Merkur-Arena die Fortsetzung der Heimniederlagen erlauben, wäre mit einem 0:1 noch in die Qualifikation zur Europa League kommen.

Es lief auch alles gegen Rapid. Angefangen von der unfairen Terminisierung der Bundesliga mit dem Anpfiff nur 44 Stunden nach dem 2:0 gegen Mattersburg. Die ersten Minuten erinnerten noch an den Blitzstart gegen die Burgenländer, aber bald erlahmte der Elan. Mit schweren Beinen, wie etwa bei Christoph Knasmüllner oder beim mitunter aufreizend wirkenden Philipp Schobesberger  geht nichts: „Der Tank ist leer. Ich wusste, dass die Spieler müde sind, hatte aber nie das Gefühl, dass sie aufgeben“, gestand Trainer Didi Kühbauer. Da half es zunächst, dass sich Sturm vor allem darauf beschränkte, „Rapid gut zustellen“, wie es der Grazer Trainer Roman Mählich ausdrückte. Speziell Kapitän Stefan Hierländer war mehr Bewacher von Verteidiger Boli Bolingoli, um ihn an Offensivaktionen zu hindern, als umgekehrt. Aber dann kam die Rapid verhängnisvolle 27.Minute, in der Routinier Mario Sonnleitner mit einer Adduktorenverletzung ausschied. Für ihn kam mit Leo Greiml ein 17jähriger Bundesligadebütant ins Abwehrzentrum. Ein Risiko in einem so wichtigen Spiel. Das verteidigte Didi Kühbauer mit dem Hinweis auf die Verletzungen von Max Hofmann und Mateo Barac, die nicht zur Verfügung standen und sein Vertrauen in Greiml. Er hätte ihn gar nicht auf die Bank gesetzt, würde er ihm nicht total vertrauen. Schön und gut. Aber ganz stimmte nicht, dass es keine andere Variante gegeben hätte. Kühbauer hätte durchaus Mert Müldur auf eine Stammposition als Innenverteidiger stellen und für ihn Routinier Stephan Auer rechts verteidigen lassen. Ob es dann anders gekommen wäre, kann aber keiner prophezeien.

Greiml war an den verhängnisvollen Szenen beteiligt, mit denen Rapid sich selbst zerstörte. Ausgerechnet in den besten Minuten, die auf die Führung von Kapitän Stefan Schwab nach perfekter Vorarbeit von Thomas Murg folgten. Schwab sorgte nach einer Stunde für eines seiner seltenen Tore mit rechts. Danach scheiterte Aliou Badji beim Matchball, zu dem wieder die Vorarbeit von Murg kam, an Sturms Tormann Jörg Siebenhandl. Im Gegenstoß foulte Greiml im Strafraum unroutiniert und unnötig den Georgier Omar Kiteishvili, der die „Einladung“ gerne annahm, leicht zu Boden ging. Das ergab Elfmeter, den der kurz davon eingewechselte Routinier Jakob Jantscher in seinem 100. Bundesligaspiel sicher verwertete. Jantschers Jubel (Bild oben) steckte auch die 600 nach Wien gekommenen Sturm-Fans an, die sich zuvor an ihren angekündigten Protest hielten und schwiegen. Plötzlich machten sie sich bemerkbar. Noch mehr neun Minuten später, als nach einem Eckball von Jantscher der Grazer Siegestreffer fiel, der ein Eigentor von Greiml war, bei dem sich auch Keeper Richard Strebinger ungeschickt verhielt. Kühbauer verteidigt ihn, sah eine Behinderung Strebingers durch den Spanier Dominguez, wertete dies als Foul.

„Selbst wenn wir jetzt in den Europacup kommen, war die Saison nicht okay“, gab Mählich ehrlich zu. Ein Satz, der auch für Rapid gelten würde, sollte es in Graz gelingen, alles umzudrehen. Woran zu zweifeln ist. Eher sieht es danach aus, als könnte sich Kühbauer an Mählich für die vergangene Saison revanchieren. Da scheiterte er mit Wr.Neustadt in den Relegationsspielen für die Bundesliga an St.Pölten unter Kühbauer. Damals siegte Kühbauer zuerst auswärts 2:0, daheim folgte ein Unentschieden. Das wäre auch Sonntag keine Überraschung. Sturm wird mit dem Vorsprung im Rücken genauso defensiv agieren wie in Hütteldorf, wieder gut „zustellen“.

 

Foto: © SK Sturm Graz Media (GEPA Pictures).

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