Fußball

Auf Supergau von Baku folgt Fest in Madrid: „Kämpfen wie noch nie!“

Der erste Teil der englischen Woche um die zwei wertvollsten Trophäen in Europas Klubfußball endete mit einem Sieg des Dritten der Champions League über den Fünften. Chelseas 4:1 über Arsenal im Endspiel der Europa League in Baku war stimmungsmäßig aber ein Supergau. Bei der Pokalübergabe nach dem London-Derby war das 4736  Kilometer Luftlinie von Englands Hauptstadt entfernte Nationalstadion praktisch leer. Um die Kulisse einigermaßen zu retten, verramschte die UEFA in den letzten zwei Tagen vor dem Finale die Karten schon um zehn Euro. Aber nach dem Match blieben von den 50.000 Besuchern nur noch die Chelsea-Fans im Stadion. Ein ähnliches Szenario droht Samstag beim zweiten Teil,der englischen Woche garantiert nicht, wenn im Wanda Metropolitano von Madrid Englands Vizemeister FC Liverpool und der Vierte der Premier League, Tottenham, um den Triumph in der Champions League kämpfen. Das wird im drittgrößten Stadion Spaniens vor 68.000 Zuschauern, darunter wohl an die 20.000 aus England, garantiert ein Fest mit Superstimmung. Madrid ist von London „nur“ 1263 Kilometer entfernt, von Liverpool 1446.

Allein schon das 2017 eröffnete Stadion, die Heimstätte von Atletico Madrid, ist viel attraktiver als das in Baku, 5,98 Meter beträgt die geringste Entfernung der ersten Sitzplatzreihen zum Spielfeld. 310 Millionen Euro kostete der Bau. Von den 68.000 Sitzplätzen sind 19.000 mit einem strengen Rauchverbot versehen. Zehn Millionen bezahlt der chinesische Konzern und Namensgeber Wanda Atletico bis 2027 für jeden gewonnen Titel, wurde 2018 zweimal zur Kassa gebeten, weil Atletico sowohl die Europa League als auch den europäischen Supercup gewann. Da Highlight sind die 100 Prozent Led-Beleuchtung im ganzen Stadion. Das ist weltweit einmalig. Lichtfarbenwechsel sind da jederzeit möglich. Vom Rot des FC Liverpool auf das Weiß-Dunkelblau von Tottenham.

Harry Kane, der Kapitän und Weltklassetorjäger der Spurs, trainiert nach seiner im Viertelfinale gegen Manchester City erlittenen Knöchelverletzung seit einer Woche wieder mit, ist für das Endspiel bereit. Kane ist mit 150 Millionen Euro der teuerste  Spieler von Tottenham, den gleichen Marktwert hat Liverpools ägyptischer Torjäger Mo Salah. Der des gesamten Kaders beträgt 950 Millionen, bei Tottenham 115 Millionen weniger. Live im TV zu sehen ist das Match nur via Pay-TV, bei Sky und DAZN. Der Kampf des ZDF um die Rechte scheiterte am Einspruch von DAZN. Das ZDF argumentierte mit dem Rundfunkstaatsvertrag, wonach ein Match mit deutscher Beteiligung im Free-TV zu sehen sein muss. Aber Liverpools Trainer Jürgen Klopp allein gilt nicht als Kriterium für eine deutsche Beteiligung. Das wäre nur eine deutsche Mannschaft gewesen.

DAZN ist unter anderem mit dem deutschen Ex-Teamspieler Per Mertesacker als Experte vor Ort, hat 65 Mitarbeiter im Einsatz. Das Sky-Team in Madrid besteht aus 24 Mitarbeitern. Dazu zählt als Experte Ex-Liverpool-Spieler Didi Hamann, der mit den Reds 2005 im denkwürdigen Endspiel von Istanbul gegen Milan nach einem 0:3 zur Pause im Elfmeterschießen die Champions League gewonnen, dabei Liverpools ersten Penalty verwandelt hatte.. Im Münchner Studio sitzen unter anderem  der deutsche Rekordspieler Lothar Matthäus und Ex-Teamkapitän Michael Ballack. Via DAZN kündigte Klopp ein denkwürdiges Liverpool-Match an: „Wir werden kämpfen wie noch nie.“ Georgino Wijnaldum (oben links), zweifacher Torschütze bei  Liverpools 4:0 gegen gegen Barcelona, zählt ebenso zur Startelf wie Lucas Moura (oben rechts), Tottenhams Dreifachtorschütze beim 3:2 gegen Ajax in Amsterdam, nach 0:2-Rückstand.

 

Foto: © UEFA.com Media.

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