Die nächste Hürde für Real Madrid am Weg, Geschichte in der Champions League zu schreiben, als erste Mannschaft den Titel erfolgreich zu verteidigen: Dienstag Abend erstes Semifinalspiel gegen Atletico Madrid. Die Neuauflage der Endspiele von 2014  und 2016 , die  Real in Lissabon im Nachspiel sowie zwei Jahre später in Mailand im Elfmeterschießen für sich entschied. Folgt der dritte Streich gegen den Stadtrivalen? Da glauben viele, dass die Form von Cristiano Ronaldo, der wie das Viertelfinale gegen Bayern München zeigte, für Tore und Spektakel sorgt, den Ausschlag geben könnte. Doch die Macht bei Real hat nicht der portugiesische Europameister, sondern der Kapitän. Der 31jährige Sergio Ramos, der schon über 500mal für den königlichen Klub spielte.

Das zeigt sich unter anderem darin, dass er Präsident Florentino Perez ein WhatsApp-Nachricht sendet, in der er ihn auffordert, die Forderung des Beraters von Mttelfeldspieler Isco  nach einer Gehaltserhöhung auf einen zweistelligen Millionenbetrag nicht zu erfüllen. Weil dadurch das Gleichgewicht innerhalb der Mannschaft zerstört werde. Trainer Zinedine Zidane lobte Ramos als Herz und Seele des Teams, als Vorbild für alle, nicht bloß in der Kabine.  Auch Ramos erzielte schon wichtige Tore in der Champions League: im Semifinale 2014 zwei Kopfballtreffer beim 4:0 gegen Bayern in München. Im Endspiel gegen Atleitco köpfelte er Real buchstäblich in letzter Sekunde ins Nachspiel.

Als Sergio Ramos 2005 für 27 Millionen Euro Ablöse vom FC Sevilla nach Madrid kam, behauptete er bereits: „Ich bin hier, um irgendwann Kapitän zu werden.“ Kam damals bei den etablierten Stars wie Raul gar nicht gut an. Sergio Ramos, das große Vorbild für Österreichs U21-Kapitän Phulipp Lienhart, der in der Real-Filiale Castilla mit der Ramos-Rückennummer vier spielt, gilt als extrovertierter Mensch, der seine klare Meinung unmissverständlich formuliert.  Man spürt sein unbändiges Selbstvertrauen, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. 2012 wechselte der Rechtsverteidiger ins Abwehrzentrum, gewann intern an Macht. Seit dem Abgang von Tormannikone Iker casillas zum FC Porto übernahm der 2015 die  Kapitänsbinde, hat damit endgültig das Sagen in der  Kabine. Er ist der einzige im Kader, der noch mit seinem Trainer bei Real zusammen gespielt hat.

Die gegenseitige Wertschätzung ist groß. Bei Jose Mourinho sah das anders aus.  Dem Portugiesen gab er stets Contra.  Als ihm Mourinho  nach einem Kopfballgegentor im Clascio gegen Barcelona heftigste Vorwürfe machte, konterte Ramos vor allen Teamkollegen geradezu brutal: „Wir haben beim Eckball die Gegenspieler getauscht. Das passiert manchmal. Aber das können sie nicht wissen, da Sie nie richtig Fußball gespielt haben“. Mourinho kam als Spieler nicht über die zweite Liga hinaus.  Als der einmal Mesut Özil zur Pause in der Kabine bloßgestellt und ausgewechselt hatte zog sich Ramos demonstrativ ein Özil-Trikot unter sein eigenes an.

Er  liebt die Konfrontation eins gegen eins, schwenkt nach großen Erfolgen am Rasen das rosarote Ruch der Stierkämpfer.  Die Fans feiern ihn dann mit „Ole“-Rufen an. Da kommt in ihm der gebürtige Andalusier durch, der gnadenlos in den Duellen ist, oft am Rande der Legalität arbeitet, mitunter auch Grenzen überschreitet. Mit brutalen Grätschen, Ellbogen-Einsatz beim Kopfball. Lionel Messi bekam das beim letzten Clasico im Bernabeu-Stadion zu spüren, revanchierte sich mit dem Siegestor in letzter Minute. Da war Ramos schon in der Kabine: Rote Karte für die Brutaloaktion mit zwei gestreckten Beinen gegen Messi.

Ramos versichert, er sei bereit, für sein Ziele auch Opfer zu bringen. Der liebevolle Vater von zwei Söhnen, der mit der TV-Moderatorin Pilar Rubio seit fünf Jahren zusammen ist, läßt sich spätestens im Abstand von vier Monaten immer ein neues Tattoo stechen. Persönliche Erfolge wie der WM-Titel2010, die Europameisterschaften 2008 und 2012, die zwei Champions League-Triumphe sind ebenso verewigt wie die Erinnerung an seinen 2007 am Fußballplatz verstorbenen Freund Antonio Puerta. Dabei hört er  laut seinem Tätowierer heiße Flamenco-Musik, weil er so die Schmerzen am besten verträgt.

Ramos gilt auch als eitler Typ, der seine gebrochene Nasen schon operativ richten ließ, angeblich laut spanischen Medien auch Kinnpartie und Wangenknochen. Gegen Atletico bestreitet er sein 101. Spiel in der Champions League für  Real Madrid. Für ihn wie immer eine Frage der Ehre, es zu gewinnen. Um zum dritten Mal mit dem weißen Ballett die Champions League zu gewinnen.

 

 

Der König von Real Madrid

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