2:0 für die Wiener Austria in Jurmala gegen Liepaja aus Lettland, 3:1 (0:0) für Rapid auf Kunstrasen in Andorra gegen Santa Coloma: Nach den Auswärtssiegen mit jeweils zwei Toren Differenz kann die dritte Runde in der Qualifikation für die Conference League kommen. Die Heimspiele in der nächsten Woche werden nur nioch Formsache. Nächste Hürde für die Wiener Austria dürfte Beitar Jerusalem werden, denn die Israelis gewannen auf Zypern gegen AEK Larnaca 1:0. Beim Rapid-Gegner ist noch alles offen: Das erste Duell zwischen Paide aus Estland und Zire aus Aserbaidschan endete 1:0.
Austria führte bereits zur Pause, Rapid hatte in der ersten Hälfte schwere Bine, traf erst in der 50. Minute. Schon bemerkenswert, wer das erste Austria-Tor dieser Saison in einem Pflichtspiel erzielte: Ausgerechnet Dauer-Pechvogel Florian Wustinger wurde umjubelt. Sein Schuss aus der Drehung nach Kopfballvorlage von Reinhold Ranftl war sehenswert. Seit August 2022 musste der defensive Mittelfeldspieler mit einer fürchterlichen Pechserie leben, die der von Sasa Kalajdzic ähnelt: Drei Kreuzbandrisse und eine schwere Schulterverletzung. Es spricht für den Charakter des 23 jährigen, dass er sich zurückkämpfte. Letzte Saison hatte er sechs Einsätze für die Young Violets in der zweiten Liga, ab März wurde er sechsmal in der Bundesliga eingewechselt. In der Vorbereitung muss er Trainer Stephan Helm überzeugt haben, sonst wäre er nicht neben Kapitän Manfred Fischer in der Startelf gestanden. Abwehrchef Aleksandar Dragovic spielte nach überstandener Verletzung erst in der zweiten Hälfte statt des Südkoreaners Kang He Lee im Abwehrzentrum, ebenso Heimkehrer Moritz Wels statt Sanel Saljic. Der Steirer Wels sorgte dann mit dem 2:0 für klare Verhältnisse.
Fiel bei der Austria Wustinger auf, so bestätigte bei Rapid Yusuf Demir seine Steigerung gegenüber der letzten Saison. Er bereitete die Führung von Serge Raux-Yao mit einem Eckball vor, erzielte kurz nach dem Ausgleich selbst den Führungstreffer. Aber es war im Hause Demir trotz des ersten Europacuptors von Yusuf seit sechs Jahren, seinem ersten Treffer in diesem Jahr, nicht alles so eitel Wonne: Denn der jüngere Bruder Furkan gehörte nicht zum Kader, was bei dem verlässlichen Verteidiger nicht ganz nachvollziehbar ist. Vielleicht sollte er an einen Tapetenwechsel denken, auch wenn ihm das aus emotionalen Gründen schwerfallen wird: Erstens, weil Rapid sein Herzensklub ist, und zweitens, weil er mit seinem Bruder liebend gerne spielt.
Wie erwartet besetzten im 4-2-3-1 Romeo Amane und Kapitän Mathais Seidl das zentrale Mittelfeld, hinter der einzigen Spitze Ercan Kara bildeten Demir, Tonni Adamsen und Nikolaus Wirmbrand das Offensivtrio. Nach 66 Minuten tauschte Trainer Hoff Thorup bei 2:1-Führung dreimal: Für Amane kam Nicolas Bajlicz, für Adamsen Moulaye Haidara, für Wurmbrand Petter Dahl. Später ersetzten Jakob Schöller den Torschützen Raux Yao im Abwehrzentrum und Jannes Horn als Linksverteidiger Jonas Auer. Der 19-jährige Mali-Joker Haidara bewies mit dem Tor zum 3:1 in vorletzter Minute erneut sein Talent. Thorup urteilte kritisch: „Das Beste war das Ergebnis!“
Foto: Yigit Örme.