Eishockey

Die Liebe zu Vienna Capitals ruht! Jetzt braucht Österreichs Team Liebe!

Der Berliner Buchverlag Schwarzkopf & Schwarzkopf fand in den letzten Jahren schon 111 Gründe, die Wiener Fußballklubs Rapid und Austria zu lieben. Mit 1. April erschien das dritte Buch der 111 Gründe mit Wien-Bezug. Für den am Ostersonntag och regierenden Eishockeymeister Vienna Capitals. Über eine Erfolgsgeschichte seit der Gründung 2001. Eine Herzensangelegenheit er Autoren Alexander Pucher und Daniel Fehringer für den großartigsten Klub der Welt. In der Präsident Hans Schmid in einem persönlichen Beitrag mit Stolz bemerkte, einige hätten ihm versichert, sein Klub sei besser organisierte also so mancher Verein aus der National Hocke League.  Na ja, da muss die Liebe schon sehr verklärt sein.

Pech für den Verlag und die Autoren, dass am 2. April kein 112. Grund zur Capitals-Liebe dazu kam. Sondern einer zur Enttäuschung. Nämlich das Ausscheiden des Titelverteidigers im Semifinale des Play-off gegen Außenseiter Bozen. Kein Vergleich zur Vergangenen Saison, als den Capitals als einen von sehr wenigen Vereinen weltweit gelungen war, alle Play-off-Runde ohne eine einzige Niederlage zu überstehen. Die vier Niederlagen hintereinander zum Ende des nach Zürich wechselnden Trainers Serge Aubin, die in seiner Ära erstmals passierten, lassen den Rückschluss zu, dass bei aller hochgejubelten Dominanz im Grunddurchgang das Niveau der Mannschaft doch zurückging. Bozen wirkte vor allem physisch stärker. Da darf auch das Fehlen von Riley Holzapfel und Raphael Rotter in den letzten zwei Partien nicht die alleinige Begründung bleiben. Holzapfel strahlte nie die Dominanz der Meistersaison aus. Aubin strapazierte einen Vergleich mit der NHL. Wenn Stanley Cup-Titelverteidiger  Pittsburgh seine Topstars Sid Crosby und Evgeni Malkin vorgeben müsste, wäre das auch eine andere Mannschaft. Macht eres  sich alles zum enttäuschenden Abschied nicht zu leicht? Er hatte doch zwei Saisonen Zeit, für drei ausgeglichene Fünferblöcke zu sorgen und für einen vierten, der Resultate halten kann. So läuft das im modernen Eishockey nun einmal. Wie man hört, ist Bozen-Trainer Kai Sukkanen ein heißer Kandidat auf Aubins Nachfolge in Wien. Eine ähnliche  Aktion gab es schon einmal mit dem Amerikaner Tom Pokel, der 2014 von Bozen als Meistertrainer zu den Capitals gewechselt war. Der Erfolg blieb überschaubar, seine Ära dauerte nicht einmal eine Saison, im Februar 2015 musste er gehen.

Die Liebe zu den Capitals ruht, in Wien gibt es diese Saison nur mehr drei Eishockeyspiele. Für die sorgt Österreichs Nationalteam in seinen drei Tests gegen Ungarn am Donnerstag, dann zwei Wochen später noch gegen Kasachstan und Slowenien. In einer Halle, die künftig nicht mehr nach dem ehemaligen Bezirksvorsteher der Donaustadt Schultz-Halle heißen wird, sondern nach der Erste Bank, dem Sponsor von Verband und Liga. Am Coup von Hans Schmid ist doch interessant, dass die Marketingstrategen des Bankinstitus offenbar lieber mehr Geld für das Umfeld der Liga und der Klubs mit ihren unnötigen Ausländerflut flüssig machen als für den Verband und die Nachwuchsarbeit oder das große Ziel, das Nationalteam in der A-WM zu etablieren. Und das obwohl Verbandspräsident Gernot Mittendorfer zum Spitzen-Management der Erste Bank gehört.

Jetzt ruht also die Liebe zu den Capitals, gehört die Liebe in Wahrheit dem WM-Countdown des Nationalteams. Eine rein österreichische Mannschaft auf Wiener Eis zu sehen, ist ja eine Rarität, daher durchaus attraktiv. Teamchef Roger Bader ist bei seiner akribischen Arbeit einer, der immer vier Fünferblöcke forciert. Auch mit Spielern, die bei den Vereinen hinter den Ausländern punkto Eiszeit entscheidend zurückstehen müssen oder gar nur in der Alps League, der zweiten Mannschaft zum Zug kommen. So läßt Bader Mittwoch  in Szekesfehervar beim ersten Duell gegen die Ungarn Österreichs vermutlich jüngstes Nationalteam aller Zeiten ran. Mit Sam Antonitsch, dem Sohn des ehemaligen Tennisstars. Sicher ein Grund, dieses Team zu lieben. Mittwoch Abend in Wien kommen dann einige der WM-Kandidaten des KAC zum Zug. Wie Tormann David Madlener, Verteidiger Steven Strong, die Stürmer Manuel Ganahl und Johann Bischofsberger. Hingegen noch nicht Thomas Hundertpfund. Apropos KAC: Beim ersten Bozen-Opfer der Play-offs unterschrieb Thomas Koch doch wieder. Nach monatelangem Pokern mit Angeboten aus Wien, Salzburg und Graz. Damit schaffte der 34jährige Center, dass er einen Zweijahresvertrag bekam. Den er verdient hat.

 

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