Fußball

Feldhofer in Klagenfurt so gefeiert wie Stöger in Köln

Wenn Wolfsbergs Präsident Dietmar Riegler Wort hält, woran bei ihm eigentlich nicht zu zweifeln ist, dann wird er sich bald im Kojak-Look, ohne seine Haarpracht präsentieren. Denn er hatte den Spielern vor dem ersten Start in die  Gruppenphase versprochen, dass sie ihm eine Glatze rasieren dürfen, wenn sie aufsteigen. Was Donnerstag Abend im Klagenfurter Wörthersee-Stadion passierte. Damit überwintert Österreich zum dritten Mal hintereinander  mit zwei Mannschaften im Europacup: 2018/19 waren es Red Bull Salzburg und Rapid, 2019/20 Salzburg und der LASK, 2020/21 zum dritten Mal Salzburg, zum ersten Mal Wolfsberg. Mit etwas Glück hätten es drei sein können: Denn der LASK erkämpfte so wie Wolfsberg zehn Punkte, kam aber nicht weiter. Der einzige Dritte der Europa League, der mit dieser Punkteausbeute scheiterte. Rapid holte nur sieben Punkte, liegt damit in der Tabelle der ausgeschiedenen Dritten auf Platz drei.

Die Art und Weise, wie Wolfsberg Geschichte schrieb, die imponierte Trainer Ferdinand Feldhofer am meisten, machte ihn stolz: „Wir sind nicht irgendwie weiter gekommen, sondern überzeugend und verdient!“  Obwohl Corona Anfang November die gesamte Mannschaft flach gelegt hatte. Die hellblauen Dressen, in denen Wolfsberg zweimal gegen Feyenoord jubelte (Bild oben), bekamen sicher Kultcharakter. Was für den „Ferdl“ als Spieler vor 15 Jahren die Südstadt war, als er durch ein Kopf-Schultertor in letzter Minute gegen Admira Rapid den 31. Meistertitel gesichert hatte, das ist für ihn als Trainer jetzt Klagenfurt. Der Ort, der einem sofort in Erinnerung kommt, wenn der Name Feldhofer fällt: „Das bleibt für immer“, konstatierte der Steirer am Tag danach. In dem Jahr, in dem er Wolfsberg trainiert, hat er einige Dinge  erfolgreich geändert: Angefangen von der Spielidee mit hohem Attackieren, über Abwehr, in der sich Dominik Baumgartner profilierte, das Miteleld,in dem sich Kärntner Youngster Matthäus Tafeerner, der eine Saison zuvor beim deutschen Zweitliga-Absteigr Dynamo Dresden kaum zug Zug gekommen war, bis zum Angriff. Der Abgang von Shon Weissman zu Valladolid führte zu keiner Torflaute. Dejan Joveljic, der für ihn kam, sorgte nach präziser Vorarbeit Taferners für das  entscheidende Tor zum historischen Aufstieg. Lief danach sofort zu Feldhofer, um ihm zu danken, dass er ihn aufstellte.

Feldhofer beschäftigte sich nicht wie verständlicherweise viel im Umfeld mit den 15 möglichen Gegnern, die man Montag erhalten konnte.  Ukraine-Meister Schachtjor Donezk und der Flug nach wie reizt nicht wirklich. Da schon mehr ein „Bruderzwist“ im Hause Baumgartner zwischen Dominik und dem jüngeren Christoph gegen Hoffenheim. Aber gegen ein ganz großes Kaliber wie Tottenham, Milan mit Zlatan Ibrahimovic Napoli hätte auch keiner etwas. Nur Fans sollten beim Heimspiel am 18. Februar wieder im Wörthersee-Stadion sein dürfen. Feldhofer beschäftigt sich Freitag fast nur mit dem Duell gegen die Austria am Sonntag in der Lavanttal-Arena. Weil es in der Bundesliga noch etwas zu korrigieren gilt, Platz sieben viel weniger ist, als er es sich vorstellte. Darum durften die Spieler den Triumph, den Kapitän Michael Liendl als „ganz großes Kino“ bezeichnete, nur im erlaubten Rahmen genießen und feiern. Schon wegen der vielen Corona-Auflagen: „Wir haben verantwortungsvolle, vernünftige, reife Spieler“, lobte Feldhofer.

Die ihn noch im Stadion so feierten wie es Peter Stöger, Sonntag sein Gegenspieler auf Austrias Trainerbank, vor drei Jahren erlebt hatte, als er den 1. FC Köln erstmals nach einem Vierteljahrhundert in den Europacup geführt hatte. Da stürmten die Kölner Spieler nach dem 2:0-Heimsieg über Mainz in der letzten Runde den Pressekonferenz-Raum, feierten  ihn ab, duschten ihn unter anderem mit „Kölsch“.  Ähnlich lief es Donnerstag nach 23 Uhr im Wörthersee-Stadion ab.  Die Bierdusche blieb Feldhofer erspart. Man stieß nur mit einem Bier auf das ganz große Kino, den für viele unfassbaren Erfolg, das unbeschreibliche Gefühl an. Die Wolfsberger Fans  sahen TV-Bilder des historischen Siegs, sofern sie nicht DAZN-Kunden waren und das Match live verfolgen konnten, erst 23 Minuten vor Mitternacht. Puls 4 hatte sich bemüht, das Wolfsberg- Finale nach Rapid ebenfalls live zu zeigen.  Das war aber an den Rechten und wohl auch am lieben Geld gescheitert.

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